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lara stoll

Sie hat eine grosse Klappe und Sinn für Brachialhumor: Lara Stoll, zarte 23, aufgewachsen in Rheinklingen, dem «kleinsten Dorf der Welt», gut versteckt im Thurgauischen. Ein harter Start ins Leben, und vielleicht auch der Grund, weshalb sich das Landei schon früh bemerkbar machen wollte. Mit 18 mischte Stoll bereits in der Poetry-Slam-Szene mit, mit 19 gewann sie die Schweizer Meisterschaft in der Kategorie U-20, letztes Jahr dann die Schweizer Meisterschaft für «Erwachsene», und eben hat die freche Blonde an den ersten Slam-Poetry-Europameisterschaften den ersten Platz gemacht. Wobei man schon ein bisschen rätselt, wie aus dem europäischen Sprachenwirrwarr ein patenter Sieger gekürt werden konnte. Aber egal: Lara Stoll ist nicht nur Europameisterin, sie hat eben ihre erste Slam- Poetry-CD herausgebracht – mit dem ambitionierten Titel «Die unglaubliche Reise der total verrückten Lara». Es spricht schon mal für sie, dass es keine Slam-übliche Live-CD ist, sondern ein ziemlich verschrobenes Reisetagebuch in Reimen und Liedern. Stilecht, auf einem John-Deere-Traktor 7810 Powershift, macht sich Stoll auf, die Welt samt Weltall zu erkunden. Klar, walzt sie mit dem Powergerät erst einmal alle Ex-Freunde platt. Und wenn sie schon dabei ist, auch noch ein paar Frauen – «der Emanzipation wegen». Nein, Lara Stoll ist nicht zimperlich. Sie prügelt, wirft Handgranaten, steht auf männliche Körpergeräusche, insbesondere das Schnarchen, das sie als orchestrales Werk mit forte piano und Motorsäge inszeniert. Mehrere tote Liebhaber säumen ihren Weg (weil sie vergass, sie zu füttern, oder ihnen keinen Auslauf gönnte). Aber auch die «wahren» Opfer der Finanzkrise bekommen unterwegs ihr Fett weg («Sheryl hat nämlich nur dank des Vaters vielen Boni bekommen ein Pony»), und als sie sich dann im Wald verirrt und ihr Hirn langsam degeneriert, glaubt man ihr aufs Wort: «Dummsein ist cool.» Den einen oder anderen Abstecher, etwa den Marihuanatrip, hätte sie sich indes sparen können, da wirken ihre Wortkaskaden eher belanglos bis nervig. Und dennoch: «Die unglaubliche Reise der total verrückten Lara» verspricht nicht zu viel. Stoll schnarcht, spricht Kauderwelsch, tobt und jammert. Ihr Slam-Repertoire reicht vom fies-frechen Chanson über kindlich-verspielten Sprachwitz bis zur abstrusen Nonsensepoesie. Wer in der Thurgauer Wildnis aufwächst, muss sich eben etwas einfallen lassen, könnte man nun witzeln. Doch so viel Sprachlust, Wort- und Wahnwitz kommt nicht einfach vom Frühunterricht im Traktorfahren. So was hat man in den Genen, anders gehts nicht. Lucie Machac;Lara Stoll, «Die unglaubliche Reise der total verrückten Lara». Der gesunde Menschenversand, 1 CD.>

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