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Kultur ist, wenn man trotzdem lacht

RegionalpolitikKultur war das Thema. Um Geld gings. Stadtberner Politiker und ihre Kollegen aus der Region diskutierten an einem Podiumsgespräch in Gümligen.

Regisseur und Schauspieler Samuel Schwarz hat markige Aussagen und immer wieder Lacher im Publikum. Er glaube nicht ans neue Gebilde «Konzert Theater Bern». Die Institution soll Oper, Ballett, Schauspiel und Symphonieorchester vereinen. Geplant ist, dass ein Chef, ein CEO, diese vier Sparten leiten wird. Man werde eine «Pfeife» ernennen, verteilt Schwarz Vorschusskritik. Er erheiterte mit seiner Einschätzung gestern ein Podiumsgespräch im Rahmen einer Tagung zur Agglomerationspolitik. Neben ihm sassen Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP), Anita Bernhard, Vorsteherin des kantonalen Amtes für Kultur, und der Wichtracher Gemeindepräsident Peter Lüthi (FDP) auf der Bühne des Gümliger Mattenhofsaals. Bernhard Giger vom Kornhausforum leitete die Diskussion. Der Wilde und der Schlaue «Perspektiven der regionalen Kulturpolitik» hiess das Thema. Aber abgesehen von einigen Abstechern ging es einzig ums Stadttheater. Die Debatte ähnelte denn auch einem Bühnenstück mit vielen Dialogen, wenig Handlung und stark gezeichneten Charakteren. Schwarz gab den jungen Wilden, Tschäppät den witzigen Potentaten, Bernhard die kühle Intellektuelle und Lüthi den schlauen Mann vom Land. Der Hintergrund des Gesprächs: Die Regionalkonferenz Bern-Mittelland muss neue Verträge aushandeln, mit denen von 2012 bis 2015 die Beiträge für die grossen Berner Kulturinstitutionen fixiert werden. Um jährlich 56 Millionen Franken geht es. 75 Prozent sind für das neu fusionierte Stadttheater und Berner Symphonieorchester (BSO) bestimmt. Der Kanton übernimmt die Hälfte, die Stadt Bern 39 Prozent, 81 Agglo-Gemeinden zusammen 11 Prozent. Heino ins Stadttheater Der dicke Brocken geht also ans Stadttheater und ans BSO. Für Fundamentalkritiker Schwarz geben die Steuerzahler damit zu viel Geld für zu wenig Ausstrahlung aus. Bern könne sich kein Dreispartentheater mit Schauspiel, Oper und Ballett leisten. Schwarz schlägt eine Schrumpfkur vor, will sich aufs Sprechtheater beschränken und das Musiktheater abschaffen. Stattdessen möchte er ein Opernfestival, bei dem Sponsoren die erste Geige spielen. Auf der Mattenhofbühne sorgt das für Widerspruch. Anita Bernhard beruft sich unter anderem auf die Tradition und weist darauf hin, dass sich das Berner Publikum mit dem Stadttheater identifiziere. Tschäppät sagt das gleiche mit anderen Worten. Nun greift Lüthi ins Geschehen ein: «Wir Steuerzahler subventionieren jeden Eintritt ins Stadttheater mit 269 Franken.» Wer ins Klee-Museum gehe, erhalte von der Allgemeinheit bloss 36 Franken. Lüthi: Wer mit so wenig Geld auskommt, mache einen guten Job. «Wie soll ich der Wichtracher Gemeindeversammlung die 269 Franken erklären», sinniert er. Tschäppät bietet keine Argumentationshilfe, hat aber ein Horrorszenario. «Wenn wir bloss auf die Kosten schauen, müssen wir im Stadttheater Konzerte mit Hansi Hinterseer und Heino geben.» Die zwei repräsentieren zwar nicht unbedingt das aktuellste populäre Musikschaffen. Sie weisen aber darauf hin, dass nach Meinung des Podiums Neuerungen anstehen. Uneins ist man, was anders werden soll. Tschäppät: «Geld für Kultur statt für Strassen. In der Schweiz werden sie repariert, noch bevor sie Löcher haben.» Lüthi: «Nicht nur die Stadt, sondern auch die Region subventionieren, den Wichtracher Kirchenchor etwa.» Schwarz: «Ein Opernfestival, statt ein Opernensemble.» Peter Steiger>

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