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Küchenchef im dritten Lehrjahr

Im Rahmen des Projekts «Too Much» betreiben die Lernenden des Gasthofs Bären in Ostermundigen seit einem halben Jahr ihr eigenes Restaurant. Nun soll das Konzept mit einem Firmennetzwerk weiter ausgebaut werden.

Wer das Restaurant Too Much im Untergeschoss des Gasthofs Bären in Ostermundigen betritt, staunt zu allererst über das Alter des Personals: Vom Service bis zur Küche wird der gesamte Betrieb von Lernenden geführt. Als Bernhard Marti, Mitbesitzer und Verwaltungsratspräsident des «Bären», Anfang 2009 von einem ähnlichen Lehrlingsprojekt der Swisscom erfuhr, begann er zu recherchieren. «Ich war sofort von der Idee begeistert, den Lernenden mehr Verantwortung zu übergeben», sagt er. Obwohl sich nur wenige vergleichbare Projekte finden liessen, beschloss Marti im Sommer, das Risiko einzugehen. Er präsentierte den Lernenden im dritten Lehrjahr sein Konzept: Im «Too Much» sollten sie zu ihren eigenen Chefs werden. «Einen Schritt weiter» Am Mittwoch nun standen seine Zöglinge auf der Bühne des Gasthofs und erlaubten den Gästen einen Blick zurück und in die Zukunft. Trotz zusätzlicher Aufgaben und bisweilen stressiger Zeiten zogen die Lernenden ein positives Fazit: «Dank der Verantwortung, die wir übernehmen durften, sind wir einen Schritt weiter als Lehrlinge in anderen Betrieben», ist sich Lukas Gerber sicher. Der 18-Jährige arbeitet zusammen mit dem zwei Jahre älteren Cyril Schmid in der Küche des «Too Much». Wie die beiden Köche befindet sich auch Angela Freiburghaus (20) im dritten und letzten Lehrjahr. Aus diesem Grund sieht die Verantwortliche für den Service in erster Linie Vorteile für die jüngeren Lernenden: «Ich wäre froh gewesen, hätte ich bereits früher in meiner Lehre von einem solchen Projekt profitieren können.» Livia Bärtschi unterstützt ihre Kollegin im Service und zeichnete zudem für die Gestaltung des Restaurants verantwortlich. Mit einem festgelegten Budget ausgerüstet, konnten die Jugendlichen ihre eigene Vision eines Restaurants verwirklichen. «Wir wurden alle in kaltes Wasser geworfen, von der Küche über den Service bis hin zur Organisation und Einrichtung.» Dennoch lässt sich das Resultat sehen: Dank neuem Mobiliar und ansprechender Dekoration entstand aus dem ehemaligen italienischen Restaurant ein modern eingerichtetes Lokal. Austausch mit Firmen Dass sich die Gäste erst noch an die Veränderung gewöhnen müssen, ist sich Bernhard Marti bewusst: «Ab und zu braucht es schon etwas Überzeugungsarbeit, dass die Gäste den Jungen eine Chance geben.» Die Resonanz sei bisher jedoch sehr positiv ausgefallen. Durch diese kleinen Erfolge bestärkt, widmete sich Marti dem Ausbau seines Projekts. Neben dem Restaurant steht «Too Much» neu auch für eine Projektgruppe, welche den Lehrlingsaustausch innerhalb eines Netzwerks von Partnerfirmen fördert. Zu diesem Zweck vermochte Marti 14 Firmen dazu zu bewegen, das Konzept mit einem jährlichen Beitrag zu unterstützen und ihre Ideen einzubringen. Ein erster Versuch des Lehrlingsaustauschs fand bereits statt: Liliane Geiser, Lehrtochter bei der Emmi Frischprodukte AG, empfing Lernende der Berner Stämpfli Publikationen AG und führte diese durch den eigenen Betrieb. Sie fand Gefallen an der Idee: «Der Einblick in einen anderen Betrieb oder Tätigkeitsbereich erweitert den Horizont.» Wäre sie nicht bereits am Ende ihrer Ausbildung angelangt, hätte sie gerne einen Blick in ein «etwas kleineres Unternehmen» geworfen. «Scheuklappen ablegen» Ob sich das Projekt wie von Bernhard Marti gewünscht weiterentwickelt, hängt stark von den beteiligten Partnerfirmen ab. Christian Beck, Leiter Marketing bei Emmi, habe bisher gute Erfahrungen mit dem Projekt gemacht. Durch die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen den Firmen würden die Lernenden ihr Netzwerk ausbauen und «die Scheuklappen des eigenen Betriebs» ablegen. «Wir sind daran, das Angebot auszubauen, dem nächsten Besuch steht nichts mehr im Wege.» Christian Zeier>

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