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Krieg mit Worten und Waffen

Das Böse hat einen Namen: Madame de Merteuil, die kaltblütige Ränkeschmiedin des «ancien

«Liebe ist etwas, das man benutzt, nicht etwas, dem man verfällt», sagt Choderlos de Laclos’ Antiheldin Madame de Merteuil. Der Briefroman «Gefährliche Liebschaften», der vor der französischen Revolution die höfische Gesellschaft, ihre Doppelmoral und die Kaltblütigkeit des gelangweilten Jet-Set im «ancien régime» gnadenlos bloss stellte, hat nichts an Aktualität eingebüsst. Denn wo es um Gefühle, Verletzungen und Stolz geht, werden Menschen unmittelbar getroffen. Christopher Hampton, Autor des Oscar-gekrönten Drehbuchs zum gleichnamigen Film, lieferte auch eine Theaterfassung. Siemen Rühaak erwies sich als geeigneter Regisseur für die Adaption der Theatergastspiele Kempf, die am Donnerstag in der Aula Schönau Steffisburg auftraten. Wie ein Puppenspieler liess Rühaak sein hervorragendes Ensemble und sich selber als zerrissener Verführer Valmont wie Marionetten agieren, die in engen, aber pompösen Bilderrahmen gefangen sind. Konventionen sprengen? Ja, aber nur im Tausch gegen Schmerz, Hass und Verzweiflung. Claudia Weinharts Bühnenbild bestach mit diesen pompös-beengenden Elementen, wirkte jedoch auf der kleinen Steffisburger Bühne überladener, als ohnehin beabsichtigt ist. «Ich bin es nicht gewöhnt, mit Nebenrollen besetzt zu werden», erklärt die ebenso schöne wie intelligente Marquise de Merteuil ihrem einstigen Liebhaber und Verführer der Pariser «haute volée», Vicomte de Valmont. Das ist Programm, denn als Frau in starre Regeln und Korsette gezwungen, hat sie schon früh erkannt, dass sie nur in ihren Gedanken wirklich frei ist. Gefühle wie Liebe haben hier keinen Platz; Rache hingegen immer wieder aufs Neue und in allen Facetten. Die eiskalt berechnende und intrigierende Merteuil wird zur gefährlichen Gegenspielerin der auf Tugend bedachten Madame de Tourvel, die dem Charme Valmonts verfällt; grandios prallen die (Gefühls-)Welten dieser beiden Frauen mit Angelika Perdelwitz als Marquise und Christa Pasch aufeinander. Und grandios brechen beide an ihren (Un-)Moralvorstellungen. Dazwischen steht, strauchelt und fällt Valmont, von einem Rausch zum nächsten driftend, die Liebe negierend und doch auf sie angewiesen. Er verfällt erstmals in seinem Leben einer Frau mit Haut und Haar und stürzt Madame de Tourvel wegen seiner Eitelkeit, der Welt als Verführer verloren zu gehen, ins Verderben. Dazwischen verführt er – wie von der Marquise gewünscht – die Klosterschülerin Cécile de Volanges, die am Ende selber glaubt, sie habe Valmont in ihr Schlafgemach bestellt. «Liebe und Rache, dein Spezialgebiet», weiss die Puppenspielerin Marquise de Merteuil. Am Ende eines Sommers in Paris bleibt nichts mehr, wie es einst war. Immer kürzer werden die Abstände zwischen dem vergangenen und dem kommenden Rausch; immer heftiger werden die Kriege mit Worten, Taten und am Ende gar mit Waffen gefochten; immer näher tanzt sich jede einzelne der Marionetten an den Abgrund. Zurück bleibt nichts als ein leeres Schlucken. HeinerikaEggermann Dummermuth Die nächste Aufführung «Im Spiel der Sommerlüfte» der Kunstgesellschaft Thun findet am 5. Dezember um 20 Uhr in der Aula Schönau Steffisburg statt.>

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