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Koks-Dealer: Ein happiger Fall

burgdorfDass der Angeklagte mit Drogen dealte, schien unbestritten. Die Frage war nur, wie viel Kokain tatsächlich im Spiel war. Das

Zwei Polizisten brachten den Angeklagten gestern vom Gefängnis Thorberg aufs Schloss Burgdorf. Dort musste er sich wegen Drogenhandels sowie Geldwäscherei vor dem Regionalgericht verantworten. Er soll Kokain gekauft, in seiner Wohnung gelagert, gestreckt, portioniert und schliesslich an gut zwanzig Abnehmer in Burgdorf und andernorts weiterverkauft haben. Dass der Beschuldigte den Tatbestand der mengenmässig qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz erfüllt hatte, schien von Anfang an klar: Der 41-Jährige war grundsätzlich geständig. Die Frage war nur, wie viel er tatsächlich in der Zeit von Anfang 2008 bis April 2010 unter die Leute brachte. Für das Kollegialgericht unter Vorsitz von Markus Bärtschi war das nicht leicht herauszufinden. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft jedenfalls wogen schwer: Laut Anklageschrift sollen es nicht weniger als 4 Kilogramm Kokaingemisch gewesen sein. Das sah der Angeklagte aber anders. «Es war niemals so viel», betonte er und sprach von 900 Gramm bis maximal 1 Kilogramm. Probleme in der Familie Der Angeklagte stammt aus der Dominikanischen Republik und wuchs als eines von neun Kindern auf. Die Eltern waren in der Landwirtschaft tätig, besassen nicht viel. 1995 kam er in die Schweiz, wo er heiratete und als Koch arbeitete. Später liess er sich scheiden. Stets musste er sich um die Familie in der Dominikanischen Republik kümmern, sie finanziell unterstützen. Wegen familiärer Probleme begann er nicht nur, selber Kokain zu konsumieren, sondern stieg ins Drogengeschäft ein. Er hatte damals mehrere Todesfälle in der Familie zu beklagen, begründete er vor Gericht. Seine Familie habe das Geld gebraucht. Einer seiner Brüder lag nach einem Verkehrsunfall im Koma. Er musste in einer Privatklinik untergebracht werden. Eine Krankenkasse, die die Kosten hätte übernehmen können, hätten sie nicht gehabt. Später verstarb der Bruder. Bruder und Freundin halfen Doch der Drogenhandel ist nicht das Einzige, was sich der gelernte Verkäufer offenbar zuschulden kommen liess: So soll er auch Geld gewaschen haben. Mindestens 50000 Franken soll er aus dem Drogenerlös an diverse Personen im Ausland überwiesen haben. Seine Angaben hierzu waren kurios. Es war die Rede von Krediten, die er benötigte, um ein Geschäft zu eröffnen. Als das nicht hinhaute, habe er den Betrag zurückgesandt. Ebenfalls hat er in seiner Heimat ein Haus gebaut. Im Anschluss an seine Befragung verhörte das Gericht noch zwei weitere Beschuldigte: Ein jüngerer Bruder soll am Drogenhandel beteiligt gewesen sein; und seine damalige Freundin, eine 48-jährige Schweizerin, soll beim Drogenhandel und bei der Geldwäscherei mitgemischt haben, lauteten die Vorwürfe. Welche Strafen die drei kassieren werden, wird am 3.November bekannt: Dann verkündet das Gericht das Urteil. Nadja Noldin>

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