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Kim der Dritte – Familiendynastie der Angst

Kim Jong-il ist tot. Nordkorea verordnet Staatstrauer. Das Fernsehen zeigt endlose Reihen von in Tränen aufgelösten Passanten. Südkorea setzt seine Armee in höchste Alarmbereitschaft. Das zeigt, wie vergiftet das Klima und wie fragil die Lage auf der koreanischen Halbinsel fast sechzig Jahre nach dem Korea-Krieg (1950–1953) und der damals besiegelten Teilung des Landes ist. Noch immer befinden sich die Nachbarstaaten offiziell im Kriegszustand. Das kommunistische Regime in Pyongyang ist wie aus der Zeit gefallen. Es ist ein real existierender Anachronismus. Fast ein Viertel der gut 22 Millionen Menschen ist nach UN-Schätzungen von Hunger bedroht. Es herrscht seit Jahrzehnten ein Klima der Angst. Und ein grotesker Personenkult. Die unberechenbaren Machthaber treiben im hermetisch abgeschotteten Land ihr Atomprogramm voran. Da ist die Alarmstimmung in der Region mehr als verständlich – ganz egal, ob es in Pyongyang in den nächsten Tagen und Wochen zu einer geordneten Machtübernahme durch den in den letzten Jahren zum Nachfolger aufgebauten Kim Jong-un kommt oder ob gar ein mit allerlei unabwägbaren Risiken verbundenes Machtvakuum droht. Es gibt eine zusätzliche beunruhigende Anomalie: Seit weit über 60 Jahren lenkt eine Familiendynastie die Geschicke des Landes. Mit Kim Jong-un kommt nun bereits die dritte Generation ans Ruder – nach Kim Jong-il und dessen Vater, dem bis heute verehrten Staatsgründer Kim Il-sung (1912–1994). Der noch nicht dreissig Jahre alte junge Mann gleicht noch immer einem Phantom. Es stellen sich deshalb vor allem Fragen. Wird auch er Nordkorea mit eiserner Hand führen? Verfügt er über den nötigen Rückhalt in der Partei, in der Armee und beim wichtigsten Partnerland China? Reicht seine Autorität aus, um den Machtapparat dauerhaft im Griff zu behalten? Und hat er von seinem kurzen Intermezzo an der Schule im Liebefeld – neben berndeutsch klingenden Lauten – gar eine Portion Weltoffenheit mit heimgebracht? Leitet er wirtschaftliche oder gar politische Reformen ein? Das alles weiss man heute nicht. Noch nicht. Berichte Seite 16 Mail: andreas.saurer@bernerzeitung.ch Diskussion: blog.bernerzeitung.ch/leserblog >

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