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«Kernenergie nahm nicht Einfluss»

Die Unabhängigkeit der

Die Canupis-Studie wurde von den AKW-Betreibern Axpo und BKW finanziell unterstützt. Welchen Einfluss hatten sie? Werner Zeller: Gar keinen. Wir haben ganz stark auf Gewaltentrennung geachtet. Axpo und BKW haben das Geld auf ein Sperrkonto des Bundesamts für Gesundheit (BAG) einbezahlt. Es waren die Krebsliga Schweiz und das BAG, welche die Universität Bern mit der Studie beauftragten. Auch wir als Auftraggeber hatten keinerlei Einfluss auf die Studienautoren. War es nicht etwas unsensibel, ausgerechnet die Axpo und die BKW ins Boot zu holen? Wir haben sie nicht ins Boot geholt, sondern Geld von ihnen akzeptiert. Wir waren darum bemüht, das Geld sinnvoll einzusetzen und haben ausserdem wie ein bissiger Wachhund dafür gesorgt, dass auf die Studie kein Einfluss genommen werden konnte. Die Kernenergie hat das auch gar nicht versucht. Sie hat die Resultate im Übrigen gleichzeitig mit den Medien erfahren. Axpo und BKW haben das Geld selbst angeboten? Sie haben bekannt gegeben, dass sie bereit seien, eine solche Studie zu unterstützen. Die Alternative wäre gewesen, dass der Steuerzahler die Beiträge der Kernenergie von 200000 Franken hätte übernehmen müssen. Unabhängigkeit ist also garantiert? Ja. Selbst wenn man den Versuch einer Einflussnahme theoretisch annehmen wollte; praktisch ist er ausgeschlossen. Denn die verwendeten Daten stammen aus dem Kinderkrebsregister. Sie wurden von der Schweizerischen Pädiatrischen Onkologiegruppe gesammelt und lagen schon vor, als die Studie in Auftrag gegeben wurde. Für die Studie wurden die Datensätze erweitert, man forschte nach, wo die Kinder zur Zeit der Geburt und der Diagnose gewohnt haben. Darauf kann man gar keinen Einfluss nehmen. Welche Erwartungen hatten Sie an die Studie? Einzig, dass sie wissenschaftlich sehr gut abgestützt ist und dass wir klare Resultate erhalten. Ist mit diesem Resultat das Thema Leukämie bei Kindern in der Nähe von AKW für Sie erledigt? Nein. Diese Studie gibt uns Auskunft über die Situation heute. Wir wollen nun diese wertvollen Daten genauer anschauen. Vielleicht ergeben sich weitere Analysen daraus. In welchem Bereich des Strahlenschutzes wären weitere Studien nötig? Wichtig wäre zuerst einmal, dass weitere gute Daten gewonnen werden, etwa über die Krebserkrankungen bei Erwachsenen. Da gibt es immer noch Lücken? Bei den Erwachsenen leider deutliche. Das ist eine Aufgabe für die Zukunft. Wir hätten uns etwa nach Tschernobyl gute Krebsregister gewünscht, dann hätten wir auch viel früher klare Aussagen machen können, ob etwa die Zahl von Schilddrüsenkrebs angestiegen ist. Aufgrund welcher Daten wurden denn Aussagen zu Tschernobyl gemacht? Dank Radioaktivitätsmessungen kennen wir die Dosen, denen wir ausgesetzt waren. Aufgrund derer können die zusätzlichen Krankheitsfälle nur abgeschätzt werden. Es ist wichtig, dass man das auch anhand von Daten sehen kann. Ein flächendeckendes Krebsregister ist also nötig? Ja, das ist auch die Haltung des Bundesrats. Er hat im Dezember beschlossen, eine gemeinsame gesetzliche Basis für ein nationales Krebsregister zu schaffen. Interview: bw/phmWerner Zeller ist Leiter der Abteilung Strahlenschutz beim Bundesamt für Gesundheit (BAG).>

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