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Kein Etikettenschwindel und schon gar kein Hafenkäse

AusstellungWeder

Tyrosemiophilist sei er. Das sagt Heinz Boltshauser von sich selbst. «Wie bitte?», schüttelt der unkundige Laie den Kopf. Kenner des bekannten Schweizer Aushängeschilds in Nahrungsform sind längst hellhörig geworden: Das Fremdwort bedeutet Käseetikettensammler. Der 80-jährige Heinz Boltshauser aus Köniz hat sich dieses spezielle Hobby ausgesucht (wir berichteten). «Andere sammeln Briefmarken oder Kaffeerahmdeckel. Bei mir sind es halt Käseetiketten.» Aus Kindestrotz habe er sich für «etwas anderes» entschieden. Der passionierte Sammler ist seit über 50 Jahren in aller Herren Länder unterwegs und besitzt mittlerweile ein Sammelgut von rund 180000 Etiketten. Feinsäuberlich abgelegt in grauen Bundesordnern, jedes einzelne Exemplar beschriftet. Damit die Öffentlichkeit auch etwas von dieser Sammlung hat, kontaktierte Boltshauser das Nationale Milchwirtschaftliche in Kiesen, wo derzeit ein Teil seiner Sammlung ausgestellt ist. Goldene Hakenkreuze «Es wäre echt schade gewesen, wenn diese Sammlung nie einem breiten Publikum zugänglich geworden wäre», sagt Museumsbetreuer Hans Spring. Genau das ist jetzt aber der Fall. Im Museum kommen Käsebanausen so richtig auf die Welt. Gerade rechts vom Eingang nämlich findet der Besucher ein erstes besonderes Exemplar: eine Etikette von einem Kamelkäse aus Mauretanien. Weiter hinten ein weiteres Highlight, diesmal aus dem Norden. Die Holländer haben vor 100 Jahren einen Käse mit dem Namen «Porte Bonheur» herstellen lassen. Der Name bringt einen weniger aus der Ruhe als das Symbol, das auf der Etikette verwendet wurde: ein grosses, goldenes Hakenkreuz. Seit rund 6000 Jahren gilt es vielerorts auf der Welt als Glückssymbol. Als Hitler und die Nazis es anfangs der 20er Jahre als Parteiabzeichen der NSDAP benutzten, musste die holländische Firma das Symbol ändern. Die Sammlung macht deutlich, dass die Hersteller alle möglichen Tricks angewendet haben, um Produkt und Herkunft zu vermarkten. Hohen Wiedererkennungswert und häufige Verwendung fanden beispielsweise «Barry», der Bernhardinerhund, das Bergtrio Eiger, Mönch und Jungfrau oder der Tiger, der auf den sogenannten Tiger-Käsli aus dem Emmental aufgedruckt war. «Die SC Langnau Tigers haben ihren Namen von diesem Symbol», sagt Hans Spring. und nackte Frauen Die Franzosen suchten beim Käsepublikum derweil mit anderen Reizen die Sympathien zu gewinnen: Sie liessen hauchdünn bekleidete – um nicht zu sagen nackte – Frauen für die Etikette posieren. Dem aufmerksamen Sammler Heinz Boltshauser ist nicht entgangen, dass das Symbol im Laufe der Zeit einige Änderungen erfahren hat. So wurde aus dem leicht bekleideten Mädchen plötzlich eine gut angezogene Dame – wahrscheinlich wegen Reklamationen. Natürlich lächelte sie aus umsatztechnischen Gründen aber genau so verführerisch wie vorher. Im Museum Kiesen fehlt käsemässig derzeit wenig, was nicht bekannt wäre und nichts, das keiner kennt: Die Etiketten stammen aus insgesamt 93 Ländern. Die Schweiz und Frankreich sind prominent vertreten, aber auch Etiketten aus Ecuador, Bolivien, Jamaika und sogar Japan sind zu sehen. Dino Dal Farra«Kein Etikettenschwindel»: Ausstellung im Nationalen Milchwirtschaftlichen Museum Kiesen. Öffnungszeiten: Mittwoch 14 bis 17 Uhr, Sonntag 13 bis 17 Uhr. Die Ausstellung ist bis am 30. Oktober 2011 geöffnet. Eintritt frei. Kontakt Telefon: 031 311 31 82. www.museumkiesen.ch>

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