Zum Hauptinhalt springen

Zehn Ideen für die digitale Zukunft

Der Ideenwettbewerb Wunschschloss findet heuer zum vierten Mal statt. Morgen wird im Schloss Thun das Gewinnerprojekt gekürt.

Lukas Siegfried
Eigentlich wäre genug für alle da, man müsste die Mittel nur richtig verteilen. Eine ge­sicherte Grundver­sorgung für jeden Bürger und jede Bürgerin ist die Idee von Hugo Beck. Er sieht in der digitalen Welt eine Chance für den Sozialstaat. Der Informatiker im Ruhestand fordert ein dynamisches Grundeinkommen, welches auf einer veränderten Steuerarchitektur basiert: Mikrosteuern auf Finanztransaktionen, eine Luxus klassierende Konsumsteuer und strikt zweckgebundene Lenkungsab­gaben. Dies soll eine «Echtzeitbeteiligung aller Bürger an wirtschaftlichem Erfolg – und Misserfolg» ermöglichen. Belohnen möchte der 67-jährige Start-up-Unternehmer Engagements in Wirtschaft, Gesellschaft und Weiterbildung.
Eigentlich wäre genug für alle da, man müsste die Mittel nur richtig verteilen. Eine ge­sicherte Grundver­sorgung für jeden Bürger und jede Bürgerin ist die Idee von Hugo Beck. Er sieht in der digitalen Welt eine Chance für den Sozialstaat. Der Informatiker im Ruhestand fordert ein dynamisches Grundeinkommen, welches auf einer veränderten Steuerarchitektur basiert: Mikrosteuern auf Finanztransaktionen, eine Luxus klassierende Konsumsteuer und strikt zweckgebundene Lenkungsab­gaben. Dies soll eine «Echtzeitbeteiligung aller Bürger an wirtschaftlichem Erfolg – und Misserfolg» ermöglichen. Belohnen möchte der 67-jährige Start-up-Unternehmer Engagements in Wirtschaft, Gesellschaft und Weiterbildung.
Digitale Möglichkeiten nutzen, ohne die Vorzüge des Analogen  zu vernachlässigen. Das ist der Grund­gedanke hinter der Idee von Géraldine  Danuser, die sie  «Dorfplatz 21» nennt. Im Kern geht es der 23-jährigen Jusstudentin darum, lokale Strukturen  zu stärken. Im physischen Dorfkern treffen sich Menschen zum Arbeiten, Kaffeetrinken oder um Dienstleistungen zu beziehen – auch eine Kita hätte Platz. Dabei sieht Danuser die Nutzung einer leer stehenden Liegenschaft vor. Auf virtueller Ebene soll der digitale Dorfplatz die lokale Vernetzung und Kommunikation stärken. Danuser wünscht sich, damit das Gemeinschaftsgefühl  in einer Region zu stärken und damit der Abwanderung entgegenzuwirken.
Digitale Möglichkeiten nutzen, ohne die Vorzüge des Analogen zu vernachlässigen. Das ist der Grund­gedanke hinter der Idee von Géraldine Danuser, die sie «Dorfplatz 21» nennt. Im Kern geht es der 23-jährigen Jusstudentin darum, lokale Strukturen zu stärken. Im physischen Dorfkern treffen sich Menschen zum Arbeiten, Kaffeetrinken oder um Dienstleistungen zu beziehen – auch eine Kita hätte Platz. Dabei sieht Danuser die Nutzung einer leer stehenden Liegenschaft vor. Auf virtueller Ebene soll der digitale Dorfplatz die lokale Vernetzung und Kommunikation stärken. Danuser wünscht sich, damit das Gemeinschaftsgefühl in einer Region zu stärken und damit der Abwanderung entgegenzuwirken.
Die Zukunft gehört den Programmierern, und davon werden hierzulande zu wenige ausgebildet. Der Unternehmer Christian Hirsig sieht  in Flüchtlingen das Potenzial, diese Lücke zu füllen. Denn viele von ihnen seien gut gebildet. «Was wäre, wenn wir Flüchtlinge zu Digitalisierungshelfern ausbilden?», fragt der 38-Jährige.  Er wünscht sich, Immigration verstärkt als Chance und weniger als Risiko zu betrachten. In Form von IT-Praktika und Coding-Bootcamps sollen Geflüchtete ausgebildet und gleichzeitig deren  soziale Integration gefördert werden,  so Hirsigs Idee. Überdies trage diese Lösung zum Wirtschaftswachstum bei und verringere den Druck auf  die Sozialhilfe.
Die Zukunft gehört den Programmierern, und davon werden hierzulande zu wenige ausgebildet. Der Unternehmer Christian Hirsig sieht in Flüchtlingen das Potenzial, diese Lücke zu füllen. Denn viele von ihnen seien gut gebildet. «Was wäre, wenn wir Flüchtlinge zu Digitalisierungshelfern ausbilden?», fragt der 38-Jährige. Er wünscht sich, Immigration verstärkt als Chance und weniger als Risiko zu betrachten. In Form von IT-Praktika und Coding-Bootcamps sollen Geflüchtete ausgebildet und gleichzeitig deren soziale Integration gefördert werden, so Hirsigs Idee. Überdies trage diese Lösung zum Wirtschaftswachstum bei und verringere den Druck auf die Sozialhilfe.
Der Psychologe Tobias Krieger sorgt sich um die Folgen von Einsamkeit. Eine Studie zeige, dass «an­dauernd gefühlte Einsamkeit sogar ‹tödlicher› sein kann als langjähriges  Rauchen». Krieger hält fest, dass für Betroffene eine hohe Hemmschwelle bestehe dabei, über ihr Alleinsein zu sprechen. Deshalb plädiert der 37-Jährige für eine digitale Plattform namens  «Gemeins-App», die mit verschiedenen Funktionen Abhilfe schaffen kann.  Kriegers Ziel ist es, dass Betroffene  ein Gemeinschaftsgefühl erfahren und so ihrer Einsamkeit entkommen. Wenn Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenarbeiteten, dann könne eine «einzigartige, innovative Plattform» entstehen.
Der Psychologe Tobias Krieger sorgt sich um die Folgen von Einsamkeit. Eine Studie zeige, dass «an­dauernd gefühlte Einsamkeit sogar ‹tödlicher› sein kann als langjähriges Rauchen». Krieger hält fest, dass für Betroffene eine hohe Hemmschwelle bestehe dabei, über ihr Alleinsein zu sprechen. Deshalb plädiert der 37-Jährige für eine digitale Plattform namens «Gemeins-App», die mit verschiedenen Funktionen Abhilfe schaffen kann. Kriegers Ziel ist es, dass Betroffene ein Gemeinschaftsgefühl erfahren und so ihrer Einsamkeit entkommen. Wenn Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenarbeiteten, dann könne eine «einzigartige, innovative Plattform» entstehen.
An den Universitäten hat die Digitalisierung längst Einzug gehalten. Vorlesungen grosser Studiengänge werden als  Videopodcast auf­gezeichnet. Da knüpft Corina Liebi an. Die 23-jährige Studentin möchte diese Podcasts einem breiteren Publikum zugänglich machen. Wer Steuern zahlt und damit Forschung und Lehre mit­finanziert, soll auch vom universitären Angebot Gebrauch machen können, findet Liebi, die für die GLP poli­tisiert. Bildung für alle, verfügbar auf einer Onlineplattform. So könnten sich viele Leute niederschwellig Wissen aneignen, und jungen Menschen würde die Wahl des Studienfachs erleichtert – indem sie einen umfassenden Einblick in verschiedene Angebote erhielten.
An den Universitäten hat die Digitalisierung längst Einzug gehalten. Vorlesungen grosser Studiengänge werden als Videopodcast auf­gezeichnet. Da knüpft Corina Liebi an. Die 23-jährige Studentin möchte diese Podcasts einem breiteren Publikum zugänglich machen. Wer Steuern zahlt und damit Forschung und Lehre mit­finanziert, soll auch vom universitären Angebot Gebrauch machen können, findet Liebi, die für die GLP poli­tisiert. Bildung für alle, verfügbar auf einer Onlineplattform. So könnten sich viele Leute niederschwellig Wissen aneignen, und jungen Menschen würde die Wahl des Studienfachs erleichtert – indem sie einen umfassenden Einblick in verschiedene Angebote erhielten.
Pendeln – ein Dauerbrenner unter den Diskussionsthemen in der Schweiz. Viele Leute pendeln zur Arbeit,  nur ganz wenige tun es gern. Sylvia Löwes Idee könnte zu einer Reduktion der Pendlerströme und -zeiten führen. Die 32-jährige Social-Media-Managerin setzt sich für eine Jobplattform ein, welche die Arbeitsplatzverteilung optimieren soll. «Sweer – Swap Your Career» funktioniert so: Wer täglich zur Arbeit pendelt, sucht auf der Plattform nach einer Person mit ähnlichem Stellenprofil. Falls geografisch gesehen sinnvoll, tauschen die beiden ihre Stellen und haben fortan einen kürzeren Arbeitsweg zurückzulegen. «Die Jobsicherheit bleibt, die Pendelzeit wird reduziert», erklärt Sylvia Löwe.
Pendeln – ein Dauerbrenner unter den Diskussionsthemen in der Schweiz. Viele Leute pendeln zur Arbeit, nur ganz wenige tun es gern. Sylvia Löwes Idee könnte zu einer Reduktion der Pendlerströme und -zeiten führen. Die 32-jährige Social-Media-Managerin setzt sich für eine Jobplattform ein, welche die Arbeitsplatzverteilung optimieren soll. «Sweer – Swap Your Career» funktioniert so: Wer täglich zur Arbeit pendelt, sucht auf der Plattform nach einer Person mit ähnlichem Stellenprofil. Falls geografisch gesehen sinnvoll, tauschen die beiden ihre Stellen und haben fortan einen kürzeren Arbeitsweg zurückzulegen. «Die Jobsicherheit bleibt, die Pendelzeit wird reduziert», erklärt Sylvia Löwe.
Rolf Schaub ist Schulleiter Informatik – seine Idee setzt wenig überraschend direkt  in den Bildungsinstitutionen an. Der 58-Jährige wünscht sich eine gezielte Förderung von Informatiktalenten auf dem Sekundarschulniveau. Schaub führt ein Unternehmen, das auf das Scouting solcher Talente und deren Schulung spezialisiert ist. Nach seiner Vision würden geeignete Schülerinnen und Schüler in der Regelschule gescoutet und dann bis zum  Ende der obligatorischen Schulzeit  auf einem Campus gefördert. Wichtig ist Rolf Schaub dabei eine national flächendeckende Verbreitung – und ein ausgewogenes Geschlechter­verhältnis. Die Hälfte der Geförderten sollen Mädchen sein.
Rolf Schaub ist Schulleiter Informatik – seine Idee setzt wenig überraschend direkt in den Bildungsinstitutionen an. Der 58-Jährige wünscht sich eine gezielte Förderung von Informatiktalenten auf dem Sekundarschulniveau. Schaub führt ein Unternehmen, das auf das Scouting solcher Talente und deren Schulung spezialisiert ist. Nach seiner Vision würden geeignete Schülerinnen und Schüler in der Regelschule gescoutet und dann bis zum Ende der obligatorischen Schulzeit auf einem Campus gefördert. Wichtig ist Rolf Schaub dabei eine national flächendeckende Verbreitung – und ein ausgewogenes Geschlechter­verhältnis. Die Hälfte der Geförderten sollen Mädchen sein.
Die Digitalisierung beschäftigt in in­tensivem Mass den Arbeitsmarkt und darin die (Un)sicherheit vieler Stellen. Daniel Stegmann ist überzeugt, dass künstliche Intelligenz mehr Jobs verschwinden lässt, als sie neue schafft. Der 38-jährige Projektleiter Kommunikation plädiert aus diesem Grund für ein in der Verfassung festge­schriebenes Grundeinkommen – kein bedingungsloses. Es lässt sich vielmehr «durch Tätigkeiten verdienen, die heute oft unentgeltlich geleistet werden».  Also gemeinnützige Tätigkeiten in Vereinen, in Kultur, Sport und im sozialen Bereich. Wer anderen hilft, soll finanziell profitieren. Über eine digitale Plattform, so sieht es Stegmann vor, finden Stellensuchende passende Angebote.
Die Digitalisierung beschäftigt in in­tensivem Mass den Arbeitsmarkt und darin die (Un)sicherheit vieler Stellen. Daniel Stegmann ist überzeugt, dass künstliche Intelligenz mehr Jobs verschwinden lässt, als sie neue schafft. Der 38-jährige Projektleiter Kommunikation plädiert aus diesem Grund für ein in der Verfassung festge­schriebenes Grundeinkommen – kein bedingungsloses. Es lässt sich vielmehr «durch Tätigkeiten verdienen, die heute oft unentgeltlich geleistet werden». Also gemeinnützige Tätigkeiten in Vereinen, in Kultur, Sport und im sozialen Bereich. Wer anderen hilft, soll finanziell profitieren. Über eine digitale Plattform, so sieht es Stegmann vor, finden Stellensuchende passende Angebote.
1 / 10

«Innovative Ideen und Lösungsansätze für die Schweiz der Zukunft entwickeln», so umschreibt Jobst Wagner das Ziel des Projekts Wunschschloss. Der Unternehmer, Präsident und Mitin­haber der Rehau-Gruppe in Muri ist Mitinitiant des Anlasses, der dieses Jahr zum vierten Mal stattfindet. Und er steht hinter der Stiftung Strategiedialog, welche Wunschschloss gemeinsam mit dem Swiss Venture Club, einem KMU-Netzwerk mit rund dreitausend Mitgliedern, durchführt.

Im Schloss Thun dürfen die zehn kreativsten und gewieftesten Köpfe ihre Projekte morgen Abend präsentieren. Alle Ideen drehen sich um die Frage, wie Digitalisierung für alle Menschen eine Chance sein kann. «Es besteht in der Schweiz noch Bedarf, sich stärker mit der Thematik auseinanderzusetzen», begründet Wagner die Wahl. Eine Fachjury aus Wirtschaft, Wissenschaft, Literatur und Journalismus hat die Finalistinnen und ­Finalisten ausgewählt. Morgen entscheiden dann allein die 150 Gäste im Publikum, wer den Wettbewerb gewinnt.

Nahe an den Menschen

Wie der Expertenkreis sind auch die Finalteilnehmer: bunt durchmischt. Vier Frauen und sechs Männer, zwischen 23 und 67 Jahre alt, aus verschiedenen Be­reichen stammend, haben sich für die Endausmarchung qualifiziert (vgl. Texte unten). «Es sind alles hochspannende Ideen», freut sich Jobst Wagner. «Es treten dabei hauptsächlich gesellschaftliche Aspekte hervor. Wir wollen keine Digitalisierungspolitik betreiben, sondern Dinge anpacken, welche die Menschen direkt und konkret betreffen.»

Ein Blick auf die vergangenen Siegerprojekte zeigt, dass aus dem Wunschschloss durchaus mehr entstehen kann als nur eine realitätsferne Vision. Die Premierensiegerin Susanna Fassbind hat mit dem Verein Kiss das Zeitgut­schriftenmodell entwickelt, heute ist es etabliert: Wer bedürftigen Menschen im Alltag hilft, erhält die aufgewendete Zeit gutgeschrieben – und darf diese später selbst in Anspruch nehmen.

Rund um die Welt

Der letztjährige Gewinner Robin Röösli durfte seine Idee gar Bundesrat Johann Schneider-Ammann präsentieren. Röösli setzt sich für internationale Projekte und kulturellen Austausch in der Berufslehre ein – ähnlich wie dies auf Hochschulniveau Realität ist. Laut Wagner befindet sich Röösli heute in stetem Austausch mit ­interessierten Unternehmen. Er sei auch bereits im Ausland ge­wesen, um allfällige Kooperationen zu prüfen.

In der Politik haben es Ideen aus der Zivilgesellschaft schwer. Wunschschloss versucht dies zu ändern: Die Siegerin oder der Sieger wird die Generalsekretäre aller grossen Parteien treffen. Zum Gewinnerpreis gehört ausserdem ein Ticket für einen Flug rund um die Welt.

Dieser Artikel wurde automatisch auf unsere Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch