Wünsche an die Schweiz aus der Stadt und vom Land

Die Stadt Bern hat knapp 142'000 Einwohnerinnen und Einwohner, Clavaleyres 50. Die beiden Präsidenten haben unsere zehn Fragen zum 1. August beantwortet.

Clavaleyres Gemeindepräsident Jürg Truog wünscht sich für die Schweiz mehr Mut zu Neuem, Berns Stadtpräsident Alec von Graffenried mehr Zufriedenheit und Dankbarkeit.

Clavaleyres Gemeindepräsident Jürg Truog wünscht sich für die Schweiz mehr Mut zu Neuem, Berns Stadtpräsident Alec von Graffenried mehr Zufriedenheit und Dankbarkeit.

(Bild: Nicole Philipp/Christian Pfander)

Was ist für Sie Heimat?
Alec von Graffenried: Ein Begriff, den es in dieser Form wohl nur auf Deutsch gibt. Heimat ist für mich Geborgenheit, hier kann ich frei sein, hier kenne und verstehe ich alle und alles. Heimat ist voraussetzungslos.

Jürg Truog: Stabilität, Schönheit, Schweiz – und dort, wo ich wohne.

Welche drei Eigenschaften finden Sie typisch schweizerisch?
A.v.G.: Schweizerisch ist es, Regeln zu respektieren. Pflichtbewusstsein ist schweizerisch, aber trotzdem unkompliziert bleiben, und ab und zu es bitzeli Humor.

J.T.: Sauberkeit. Und dann kommen mir noch Käse und Uhren in den Sinn.

Hand aufs Herz und ohne zu googeln: Wie fängt die zweite Strophe des Schweizerpsalms an?
A.v.G.: Das ist die mit dem Abendrot statt Morgenrot, aber ich kann sie nicht auswendig. Der neue Text der Nationalhymne von Werner Widmer aus dem Jahr 2014 hat nur noch eine Strophe, nur schon deswegen bin ich dafür. Das reicht für den 1. August und die Länderspiele vollauf.

J.T.: Sorry, kenne ich nicht.

Falls die Schweiz irgendwann eine neue Nationalhymne bekommen sollte – wer müsste sie Ihrer Meinung nach komponieren?
A.v.G.: Niemand. Die Musik ist gut, aber ich bin für den neuen Text «Weisses Kreuz auf rotem Grund» von Werner Widmer (siehe oben).

J.T.: Am liebsten ein junger Schweizer Künstler.

Wo und wie verbringen Sie den Nationalfeiertag?
A.v.G.: So wie alle Bern-Fans: Auf der Heimreise von den Ferien, damit ich am Abend zum Feiern und Feuerwerken rechtzeitig in Bern bin.

J.T.: Mit der Gemeinde Clavaleyres und deren Einwohnern.

Wie würden Sie einem Ausländer erklären, weshalb es am 1. August Höhen­feuer, Feuerwerk und Lampion­umzüge gibt?
A.v.G.: Das gibt es alles, weil es Spass macht, ein Gemeinschaftserlebnis ist und unsere Begeisterung für die Schweiz besser zum Ausdruck bringt als Ansprachen oder das Singen der Nationalhymne.

J.T.:Das sind Symbole unserer Freiheit und unserer Eidgenossenschaft.

Wie viel Geld geben Sie persönlich für Feuerwerk aus?
A.v.G.: Weniger, als ich eigentlich möchte. Die richtig dicke Rakete habe ich beim Knallfred jedes Jahr in der Hand, entscheide mich dann aber doch immer wieder für ein paar bunte Vulkane.

J.T.: Rund 20 Franken für die Dekoration des Dorfplatzes mit kleinen Schweizer Fähnlein.

Was wünschen Sie sich für die Schweiz?
A.v.G.: Mehr Zufriedenheit und Dankbarkeit für alle. Die Dankbarkeit ist für mich der Schlüssel zu einem glücklichen Leben. Und vielleicht etwas mehr Mut, Zuversicht und Offenheit gegenüber unseren Nachbarn und der weiten Welt.

J.T.: Mehr Mut zu Neuem.

Welches Gesetz würden Sie in der Schweiz einführen/aufheben, wenn Sie einen Tag Alleinherrscher wären?
A.v.G.: Ich würde ein Gesetz für bessere Politik einführen. Ein Gesetz, das die Politik zu mehr Redlichkeit, Demut und Respekt und weniger Narzissmus verpflichtet. Und vor allem ein Gesetz, das es den Politiker(innen) verbietet, den Menschen Angst zu machen.

J.T.: Dass Rentner einmal pro Monat gratis in der Schweiz umherreisen können.

Was ist in Ihrer Gemeinde besser als in anderen Gemeinden der Schweiz?
A.v.G.: Ich komme von hier und kenne Bern sehr gut. Ich fühle mich den Menschen hier und Bern mehr und tiefer verbunden als jedem anderen Ort auf der Welt. Daher ist Bern für mich der beste Ort in der Schweiz. Dasselbe wünsche ich allen anderen Leuten auch: dass ihnen ihre Stadt, ihr Dorf am besten gefällt.

J.T.: Die Ruhe, die Beschaulichkeit und der Zusammenhalt, weil wir eine kleine Gemeinde sind.

Berner Zeitung

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