Wo Hauseigentümer künftig mehr Steuern bezahlen müssten

Nach einer Neubewertung der Liegenschaften werden viele Berner Hausbesitzer mehr Steuern bezahlen müssen. Eigentümer in Saanen dürfte es indes stärker treffen als jene in Moutier. Und es kommt auch auf die Art des Gebäudes an.

Einige Liegenschaftsbesitzer in Gstaad in der Gemeinde Saanen werden künftig teurere Steuerrechnungen begleichen müssen.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Einige Liegenschaftsbesitzer in Gstaad in der Gemeinde Saanen werden künftig teurere Steuerrechnungen begleichen müssen.

(Bild: Keystone)

Sandra Rutschi

Diesen März entscheidet der Grosse Rat, auf welcher Grundlage er Liegenschaftsbesitzer künftig besteuern will. Es dürfte eine hitzige Debatte werden, denn die Mehrheiten sind knapp. Die meisten Berner Liegenschafts­besitzer werden wohl mehr Steuern für ihr Grundstück bezahlen müssen. Die Einnahmen kämen vor allem den Standortgemeinden via Vermögens- und Liegenschaftssteuer zugute.

Konkret geht es um die Neubewertung nicht landwirtschaft­licher Grundstücke – also aller Liegenschaften, die nicht unter das bäuerliche Bodenrecht fallen. Eine solche Neubewertung ist fällig, weil der 1999 festgelegte amtliche Wert dieser Liegenschaften mittlerweile oft stark vom tatsächlichen Verkehrswert abweicht. Im kantonalen Durchschnitt beträgt der Anteil, den Eigentümer von Wohnbauten ver­steuern, nur noch 56 Prozent jenes Betrags, den sie bei einem Verkauf erzielen würden. 1999 lag dieser Anteil noch bei 68 Prozent. Er hat sich so stark verändert, weil vielerorts der Kaufpreis für Grundstücke angestiegen ist.

Wie hoch der Anteil des amtlichen Wertes nach der Neubewertung sein soll, ist umstritten. Die Regierung und eine starke Minderheit der Finanzkommission streben einen Zielwert von 77 Prozent an. Die Mehrheit der Kommission möchte ihn im Median bei 70 Prozent ansetzen. Das heisst, dass die Hälfte der Liegenschaften unter, die Hälfte über diesen 70 Prozent liegen würde. Jedoch ist umstritten, ob ein Zielwert von 70 Prozent rechtlich zulässig wäre.

Grosse Differenzen im Kanton

Innerhalb des Kantons ist der Anteil des amtlichen Wertes am Verkehrswert sehr verschieden. Einige Eigentümer werden folglich stärker von der Neubewertung betroffen sein als andere. Vor allem dort, wo in den letzten Jahren viel gebaut wurde, ist der Verkehrswert gestiegen. Das sind laut Beat Schifferli von der kantonalen Steuerverwaltung vor allem die Agglomerationen Bern, Biel und Thun, aber auch Boomorte wie Belp oder Münsingen sowie das nördliche Bielerseeufer. Dort müssen Eigentümer von einer höheren Steuerbelastung ausgehen, die Gemeinden dürfen mit Mehreinnahmen rechnen.

In den letzten zwei bis drei Jahren sind die Liegenschaftspreise auch in anderen Gebieten wie etwa rund um Langenthal gestiegen – Gegenden, die zuvor noch relativ nahe am Median von 68 Prozent lagen. Deshalb erwartet der Kanton 54 Millionen Franken mehr Geld als ursprünglich vorgesehen. Insgesamt betrügen die Mehreinnahmen bei 77 Prozent 163, bei 70 Prozent 115 Millionen Franken. Nur im Verwaltungskreis Berner Jura bewegt sich der Anteil des amtlichen Wertes noch vielerorts nahe an den ursprünglichen Zielwerten. Dort würde sich durch die Neubewertung nicht viel ändern.

Zusätzliches Geld für Saanen

Anders in touristischen Regionen des Oberlandes. In der Gemeinde Grindelwald etwa beträgt der Anteil des amtlichen Werts im Median nur gerade mal 38 Prozent, in Saanen sogar lediglich 22 Prozent. So tief ist er sonst nirgends im Kanton. Die Grundstückpreise ziehen allerdings auch in Saanens Nachbargemeinden Lauenen und Gsteig stark an, da es in Saanen fast keine Liegenschaften mehr zu kaufen gibt. Für 2017 hat Saanen von der Liegenschaftssteuer Einnahmen von 5,5 Millionen Franken budgetiert. ­Linear hochgerechnet würden sich diese Einnahmen mehr als verdreifachen – egal, welchen Zielwert der Grosse Rat wählt.

Bislang hat Saanen die Liegenschaftssteuer immer beim Maximum von 1,5 Promille angelegt. Laut Gemeindepräsident Toni von Grünigen (SVP) ist offen, ob die Gemeinde den Ansatz nach der Neubewertung senken wolle. Bei der letzten Neubewertung machten dies einige Gemeinden (siehe Kasten).

Der Gemeindepräsident relativiert den tiefen Anteil des amtlichen Werts in Saanen: «Wir haben innerhalb der Gemeinde sehr unterschiedliche Grundstücke – von Luxusliegenschaften bis hin zu einfachen Gebäuden. Einzelne Grundstücke werden dabei zu ausserordentlich hohen Preisen gehandelt.» Dies seien «absolute Einzelfälle», die nicht auf die generellen Liegenschaftspreise der Gemeinde übertragen werden könnten und den grossen Unterschied zwischen amtlichem Wert und Verkehrswert ausmachten. Deshalb geht von Grünigen nicht davon aus, dass sich die Einnahmen tatsächlich verdreifachen werden. Innerhalb der Gemein­de werde die Neubewertung für die Eigentümer unterschiedliche Konsequenzen haben.

Jeder kann selber ausrechnen

Auch im Kanton gibt es nicht nur von Region zu Region, sondern auch von Gebäudetyp zu Gebäudetyp Unterschiede. Besonders stark gestiegen ist der Verkehrswert von Mehrfamilienhäusern und Stockwerkeigentum. Dennoch lässt sich laut Schifferli ­daraus nicht ableiten, dass vor ­allem deren Besitzer mehr Steuern bezahlen müssen. «Denn andere Faktoren wie etwa Lage, Ausbaustandard oder Alter spielen ebenso grosse Rollen.»

Schifferli empfiehlt Liegenschaftsbesitzern eine einfache Rechnung, wenn sie wissen wollen, welche Konsequenzen die Neubewertung für sie hat: «Sie sollten sich überlegen, für wie viel Geld sie ihre Liegenschaft auf dem freien Markt verkaufen könnten.» 70 oder eben 77 Prozent dieses Verkaufspreises ergäben den neuen amtlichen Wert – den bisherigen kennt jeder Ei­gentümer von der Steuererklärung. «Bei den meisten wird das Ergebnis wohl sein, dass sie ein paar Hundert Franken im Jahr mehr Steuern zahlen müssen.» Im Vergleich zur Mehrbelastung durch die Anpassung der Eigenmietwerte an die Marktpreise, wie sie der Kanton 2015 bereits vorgängig vorgenommen hat, falle die Mehrbelastung durch die Neubewertung der amtlichen Werte aber erheblich geringer aus.

Berner Zeitung

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