«Wir müssen junge Talente fördern»

Der Direktionspräsident der CSL Behring AG und Präsident der Berner Arbeitgeber Uwe E. Jocham befürwortet die bürgerliche Wende. Der Kanton Bern müsse sich im Standortmarketing und bei den Steuern verbessern.

Uwe E. Jocham findet, der Kanton müsste das duale Bildungssystem stärken.

Uwe E. Jocham findet, der Kanton müsste das duale Bildungssystem stärken.

(Bild: Stefan Anderegg)

Was ist an Bern top?Uwe E. Jocham: Der Wirtschaftsstandort Bern bietet den Unternehmen viele attraktive Rahmenbedingungen wie die Verfügbarkeit von qualifizierten und hoch motivierten Arbeitskräften, eine moderne Infrastruktur oder ideale Verkehrsanbindung. Zudem verfügt er mit der Universität, den Fachhochschulen, dem Swiss Innovation Park und In­nocampus über ausgezeichnete Bildungsinstitutionen und Forschungsstandorte. Für mich ist auch die hohe Lebensqualität entscheidend. Dazu gehören die Nähe zu den Bergen, die Natur und das attraktive Freizeitangebot in der Stadt und im Kanton.

Was ist im Kanton Bern schlecht? Ich sehe eine Chance in spezifischem Standortmarketing, der Imageförderung und der Ansiedlung weiterer Industrieunternehmen. Der Kanton muss sich auch bei der Steueroptimierung im interkantonalen Wettbewerb sowohl bei natürlichen als auch bei juristischen Personen verbessern. Ich bin überzeugt, dass Veränderungen in diesen Bereichen den Wirtschaftsstandort Bern noch weiter beleben werden.

In der Wahrnehmung der Unternehmen, vor allem bei den KMU, hat die Belastung durch staatliche Regulierungen zugenommen. Die Unternehmen müssen administrativ entlastet werden, um diese Ressourcen dann für ihre Wirtschaftstätigkeit einsetzen zu können.

Wie lässt sich dies verbessern? Indem sich der Kanton um gute Rahmenbedingungen für die gesamte Wirtschaft bemüht und auf eine politische Steuerung der Branchenstruktur verzichtet. Ebenso indem er seine Bildungsangebote auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes ausrichtet und das duale Bildungssystem stärkt. Die internationale Konkurrenzfähigkeit verdanken wir unter anderem diesem System. Wir müssen junge Talente fördern und sie zu Präzisionsarbeit und Inno­vation befähigen. Unsere produktive Industrie und KMU-Wirtschaft im Kanton ist auf diese qualifizierten Arbeitskräfte angewiesen.

Was macht eine gute Regierung aus? Es ist der gute Mix aus einer konsensorientierten bürger- und wirtschaftsnahen Politik unter Einbindung aller relevanten politischen Kräfte wie Parteien, Verbände, Wirtschaft, Institutionen et cetera. Sie setzt sich ein für den Erhalt des flexiblen und offenen Arbeitsmarktes und der Sicherung des beruflichen Nachwuchses, damit sich die Investitionsbereitschaft und die Innovationskraft in den Unternehmen des Kantons auf hohem Niveau weiter entwickeln lassen.

Braucht der Kanton eine bürgerliche Wende? Ja. Eine bürgerliche Mehrheit wird den Regierungswechsel dazu nutzen, dem Kanton neue Wachstumsimpulse zu geben und die Standortbedingungen für die Wirtschaft zu verbessern. Dabei ist eine engere Zusammenarbeit aller bürgerlichen Kräfte im Kanton von grosser Bedeutung. Eine bürgerliche Regierung setzt klare Rahmenbedingungen, die Eigeninitiative fördern und den Bürgerinnen und Bürgern des Kantons wieder mehr Verantwortung übertragen. Zudem verfolgen die Bürgerlichen eine Steuerstrategie, welche insbesondere die ­Herausforderungen aufgrund der Unternehmenssteuerreform III aktiv aufnimmt.

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