Wie man auch ohne Eigenheim in Solarzellen investiert

Wer Solarzellen kauft, muss nicht zwingend ein Eigenheim besitzen, um davon zu profitieren. Denn immer mehr neue Vermittlerfirmen installieren Solarpanels auf geeigneten Dächern und versprechen Käufern eine Rendite.

Von heute 2,6 Prozent soll der Anteil Solarstrom in der Schweiz bis 2050 gemäss der Energiestrategie des Bundes auf über zehn Prozent steigen.

Von heute 2,6 Prozent soll der Anteil Solarstrom in der Schweiz bis 2050 gemäss der Energiestrategie des Bundes auf über zehn Prozent steigen. Bild: Fotolia

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Photovoltaik soll künftig eine grössere Rolle spielen. Das sieht die Energiestrategie 2050 des Bundes vor. Vielen Leuten ist aber nicht bewusst, dass sie auch ohne Eigenheim Solarzellen kaufen können. Dabei kommen beispielsweise im Kanton Bern laufend neue Vermittler zwischen Gebäudebesitzern und Solarstrominteressenten dazu.

Neustes Beispiel ist die Solarify GmbH mit Sitz in Hünibach bei Thun. Das ist ein Start-up-Unternehmen aus derzeit drei Personen, das im Februar 2016 gegründet worden ist. Es installiert Solarpanels auf geeigneten Dächern in der ganzen Schweiz und verspricht Käufern eine Rendite von durchschnittlich rund zwei Prozent.

Solarify verfügt unter anderem über eine Partnerschaft mit Immobilien Stadt Bern (ISB). Auf der Sporthalle Wankdorf sollen beispielsweise Solarpanels installiert werden, die vom Berner Jungunternehmen angeboten werden. Das Interesse ist vorhanden: Noch 31 von 560 Panels sind zu haben.

Solarify spricht in seinen Verkaufsunterlagen von einem Mehrwert für Anlagenkäufer und Dachbesitzer, und auch die Umwelt profitiere. Das Start-up zieht zwanzig Prozent des Nettoertrags ein.

Ebenfalls 2016 nahm in Bern der gemeinnützige Verein Sunraising die Aktivitäten auf. Auch er arbeitet mit ISB sowie mit Energie Wasser Bern (ewb) zusammen und hat bisher acht Solaranlagen gebaut, wie er kürzlich im ewb-Magazin schrieb.

Die Idee der «Stromallmend»

Im Kanton Bern gibt es eine ganze Anzahl weiterer Organisationen, welche Interessierten ermöglichen, mit der Beteiligung an Solaranlagen die Energiewende zu unterstützen. Das zeigt ein Blick auf die Internetseite des Verbands unabhängiger Energieerzeuger (VESE). Es sind insbesondere Genossenschaften.

Dazu gehört etwa die «Energie Genossenschaft Schweiz» mit Sitz in Mittelhäusern bei Köniz. Sie war nach Angaben von Geschäftsführer Amadeus Wittwer eine der ersten dieser Art in der Schweiz. Zur Energiewende beitragen will sie unter anderem mit Hilfe der sogenannten «Stromallmend», die Solarstromproduzenten und -konsumenten zusammenbringt.

Dass solche Vermittler zwischen Solarstromproduzenten und -interessenten bisher noch nicht bekannt genug seien, liege am fehlenden freien Markt für Haushalte und kleinere Unternehmen, sagt Wittwer.

Wenn der Markt frei wäre, würden die Kunden den Strom dort einkaufen, wo sie einen Mehrwert kriegten - beispielsweise eben einen ökologischen. Seit 2009 ist in der Schweiz nur für Grossunternehmen der Strommarkt liberalisiert.

Pionier-Quartier in Huttwil

Der Anteil des Solarstroms an der gesamten Stromproduktion in der Schweiz lag Ende 2016 gemäss Angaben des Schweizerischen Fachverbands für Sonnenenergie Swissolar bei 2,6 Prozent. Dieser Anteil soll gemäss der Energiestrategie 2050 des Bundes bis zu diesem Zeitpunkt auf über zehn Prozent steigen.

Die Neuerungen im Schweizer Energierecht in der Folge des vom Volk gutgeheissenen Energiegesetzes bringen nicht nur eine Erhöhung des Netzzuschlags von 1,5 auf 2,3 Rappen pro Kilowattstunde, also Geld für Energiesubventionen wie die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV).

Das neue Energiegesetz ermöglicht ab 2018 auch Zusammenschlüsse von Immobilienbesitzern und Nutzern zu sogenannten Eigenverbrauchgemeinschaften. Diese haben nur noch einen einzigen Anschluss an das Verteilnetz.

Diese Neuerung machen sich in Huttwil die Bewohner des neuen Hohlen-Quartiers zu eigen, wie die Totalunternehmung und weitere am Bau beteiligte Firmen kürzlich mitteilten. Die Hohlen-Siedlung werde das erste Quartier der Schweiz sein, das diese regulatorische Neuerung anwenden werde, steht im Communiqué.

Dank Photovoltaik-Anlagen auf allen Dächern der 22 Gebäude und an Balkongeländern werde das Quartier mehr Energie produzieren, als es verbrauche, steht in der Mitteilung weiter. Rund hundert Wohnungen zählt es. (mib/sda)

Erstellt: 27.12.2017, 10:28 Uhr

Alle Dächer von Stadtberner Gebäuden auf Tauglichkeit untersucht

Immobilien Stadt Bern (ISB) hat nach eigenen Angaben in den letzten Wochen sämtliche Dächer des Verwaltungs- und Fondsvermögens der Stadt Bern auf ihre Eignung für die Installation von Photovoltaikanlagen überprüft. In einem nächsten Schritt will nun ISB die Resultate den Solar-Partnern zur Prüfung überlassen.

Damit sind Energie Wasser Bern (ewb), der Verein Sunraising und die Solarify GmbH gemeint (siehe Haupttext). Dächer mit einer Grösse von mehr als 300 Quadratmeter bietet ISB grundsätzlich zuerst ewb an, wie die frühere Liegenschaftsverwaltung der Stadt Bern auf Anfrage bekanntgab.

Aufgrund der unterschiedlichen Geschäftstätigkeit eigneten sich Dächer mit einem hohen Eigenverbrauch eher für Solarify, sagte die Leiterin Abteilungsstab ISB, Dagmar Boss, weiter. Dächer mit wenig oder kaum Eigenverbrauch, bei welchen der produzierte Strom ins allgemeine Netz fliesse, seien eher für Sunraising von Interesse.

ISB könne künftig mit weiteren Photovoltaikpartnern zusammenarbeiten, sagt Boss weiter. Die beiden genannten Partner hätten «keine Exklusivität».


0,5 Prozent Deckung mit Solarstrom

ewb hat in Zusammenarbeit mit ISB bisher etwas über zwanzig eigene Photovoltaikanlagen installiert. Das Unternehmen deckt damit jährlich rund 0,5 Prozent des Stromverbrauchs in der Stadt Bern, wie Sprecher Raphael Wyss auf Anfrage sagt.

Das Engagement von ISB und ewb geht insbesondere auf eine 2012 im Berner Stadtrat überwiesene Motion der BDP/CVP- und der GFL/EVP-Fraktion zurück. Sie trägt den Titel «Solarzellen auf möglichst vielen städtischen Dächern!». Der Stadtrat verlängerte vergangenes Jahr die Frist zur Umsetzung der wichtigsten Motionsforderung bis Ende 2021.
Bis zu diesem Zeitpunkt sollen nun sämtliche gemäss städtischem Solarkataster für die Nutzung der Solarenergie geeigneten Dachflächen im Verwaltungsvermögen der Stadt Bern, die über 30 Quadratmeter gross sind, mit Photovoltaik- oder aber Solarenergieanlagen ausgerüstet sein.

Artikel zum Thema

Zahlt die BKW bald doppelt so viel für Solarstrom?

Am Donnerstag hat der Bundesrat mit der Verordnung klargemacht, wie er das neue Energiegesetz 2018 im Detail umsetzen will. Laut dem Interessenverband Swissolar erhalten demnach Sonnenstromproduzenten bald deutlich mehr Geld. Mehr...

Wo lohnt sich Solarstrom noch?

Die Gemeinde Lyss unterstützt Pläne für eine Fotovoltaikanlage, die über eine Genossenschaft ­finanziert werden soll. Aber nicht überall lohnen sich solch kleine Solaranlagen finanziell. Mehr...

Solarstrom: Chancen und Hindernisse für Kleinproduzenten

Produzenten von Solarenergie haben je nach Netzanschluss unterschiedliche Chancen auf dem Markt. Gemeinden profitieren dabei vor allem von eigenen Energiewerken. Mehr...

Abo

Die ganze Region. Im Digital-Light Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Mamablog Ist Informatik das neue Basteln?

Sweet Home Auf Muschelsuche

Service

Mitdiskutieren, teilen, gewinnen.

News für Ihre Timeline.

Die Welt in Bildern

Täuschung: Der Roboterandroid Totto ist der japanischen TV Ikone Tetsuko Kuroyanagi nachempfunden. Er wurde im Rahmen des Weltroboterkongresses in Tokio präsentiert. (17.Oktober 2018)
(Bild: Kim Kyung-Hoon) Mehr...