Wer zahlt freiwillig eine Waldvignette?

Tiefe Holzpreise, Vorschriften des Bundes und die Nutzung des Waldes als Sport- und Erholungsort machen den Waldbesitzern zu schaffen. Jetzt fordern sie Bernerinnen und Berner auf, freiwillig eine Waldvignette zu kaufen.

Wer mit dem Bike in bernischen Wäldern Spuren hinterlässt, soll freiwillig eine Waldvignette kaufen und die Waldbesitzer für die Pflege des Forstes mit einem Obolus entschädigen.

Wer mit dem Bike in bernischen Wäldern Spuren hinterlässt, soll freiwillig eine Waldvignette kaufen und die Waldbesitzer für die Pflege des Forstes mit einem Obolus entschädigen.

(Bild: Keystone)

Die Berner Waldbesitzer gehen in eine Informations- und Charmeoffensive. Ab 2013 wollen sie all jenen eine Waldvignette schmackhaft machen, die den Berner Wald als Erholungs- und Sportort nutzen. «Wir wollen diese Leute nicht zu etwas zwingen, sondern sie sollen selbst zur Überzeugung gelangen, dass der Wald ein Gut von unschätzbarem Wert ist, wofür sie auch bereit sind, freiwillig etwas zu bezahlen», betont Erich von Siebenthal, Präsident des Vereins Berner Waldbesitzer (BWB). Viele Nutzer seien sich nicht bewusst, dass ein gesunder Wald nur dann erhalten werden könne, wenn aufwendige und kostenintensive Forstarbeit geleistet werde – «deshalb wollen wir das Volk aufklären und zum Kauf einer Waldvignette motivieren».

20 Franken kostet die Waldvignette 2013, welche bei den Berner Waldbesitzern (www.bwb-pfb.ch) bestellt werden kann. Der Verkaufserlös fliesst in den vereinseigenen Fonds «Wald und Tourismus». Das Reglement ist letzten Freitag von der Hauptversammlung genehmigt worden. Mit den Fondsgeldern sollen Waldbesitzer entschädigt werden, welche Geld und Arbeit in die Erholungsnutzung investieren. Die Frage ist nur, ob die Waldnutzer bereit sind, den Obolus von 20 Franken freiwillig zu entrichten. «Das ist sicher eine Herausforderung, aber wir werden Überzeugungsarbeit leisten und für unser wirklich berechtigtes Anliegen werben», betont Bergbauer von Siebenthal.

Waldbesitzer wollten keinen Freipass ausstellen

Weshalb wollen sich die bernischen Waldbesitzer ihre Leistungen nicht per Gesetz entschädigen lassen? Nicht zuletzt, weil das kantonale Waldgesetz gerade jetzt revidiert und die vorberatende Grossratskommission vom Vizepräsidenten des BWB, Fritz Ruchti, präsidiert wird. «Es gab tatsächlich eine Idee der Verwaltung, pro Einwohner 5 Franken zu verlangen», sagt von Siebenthal. Doch die Bedenken waren zu gross: «Wer einen Fünfliber bezahlt, könnte dann das Gefühl haben, der Wald gehöre ein Stück weit ihm. Diesen Freipass wollten wir verhindern.»

Die Waldbesitzer stehen mit dem Rücken zur Wand. Konnten sie vor 30 oder 40 Jahren mit der Holznutzung gutes Geld verdienen, sind die Preise seit Jahren im Keller. Als Gründe nennt von Siebenthal neben dem Orkan Lothar die Frankenstärke sowie Billigimporte, welche die Schweiz überschwemmen: «Unser Holz bleibt im Wald oder muss unter Wert verkauft werden.»

Zu viele Bundesvorschriften

Der SVP-Nationalrat kritisiert aber auch die Politik und das Bundesamt für Umwelt: «Wir erhalten immer mehr Auflagen.» Zwar habe er Verständnis, dass bei Grundwasserfassungen grössere Schutzzonen ausgeschieden würden, «doch von einer Abgeltung der Auflagen und deren Konsequenzen für die Waldbesitzer spricht nie jemand». Zudem schreibe der naturnahe Waldbau vor, dass jeder Waldbesitzer auf einer Hektare Wald zehn Kubikmeter Totholz zurücklassen müsse, ohne finanzielle Abgeltung. «Diese Vorschriften, welche das Privateigentum der Waldbesitzer tangieren, haben ein Ausmass angenommen, das wir nicht mehr akzeptieren können», moniert von Siebenthal.

Der Bund macht die Vorschriften, aber die Berner Bevölkerung soll die Waldvignette kaufen? «Diese Leistungen müsste der Bund einkaufen», betont auch Erich von Siebenthal und versichert, dass er als Nationalrat in dieser Frage aktiv sei. Die Vignette ziele auf etwas anderes ab: «Wer den Berner Wald als Erholungsort wählt, soll freiwillig einen kleinen Beitrag an die Pflege des Waldes leisten. Die ersten Reaktionen, die ich vernommen habe, sind positiv.»

Berner Zeitung

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