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Wanderung auf dem geschorenen Berg

Der Mont Raimeux im Berner Jura mit seiner aussichtsreichen Hochebene bietet Bergwanderern eine überraschende Vielfalt an Eindrücken.

Bergidylle auf dem Mont Raimeux.  Er liegt zwischen dem Cornet-Tal östlich von Moutier und dem Kanton Jura.
Bergidylle auf dem Mont Raimeux. Er liegt zwischen dem Cornet-Tal östlich von Moutier und dem Kanton Jura.
Andreas Staeger
Gestartet wird bei der Bahnstation von Corcelles. Zunächst in sanftem Anstieg geht es über Weideland dem breiten Hügelrücken entgegen.
Gestartet wird bei der Bahnstation von Corcelles. Zunächst in sanftem Anstieg geht es über Weideland dem breiten Hügelrücken entgegen.
Andreas Staeger
Im 16. Jahrhundert siedelten aus dem Emmental vertriebene Täufer auf dem Raimeux an. Sie rodeten die Wälder auf dessen Rücken, um Weideland zu schaffen.
Im 16. Jahrhundert siedelten aus dem Emmental vertriebene Täufer auf dem Raimeux an. Sie rodeten die Wälder auf dessen Rücken, um Weideland zu schaffen.
Andreas Staeger
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Oben kahl, rundherum ein Haarkranz: So frisierten sich katholische Priester und Mönche bis weit ins 20. Jahrhundert. Auch im Berner Jura praktizierte man so eine Art Tonsur. Nur wurden hier gleich ganze Berge geschoren.

Gleichwohl waren auch dabei ­religiöse Beweggründe im Spiel. Die nach der Reformation entstandene Bewegung der Täufer erlebte im 16. Jahrhundert vor allem im Emmental einen erfolgreichen Aufschwung. Der Kanton Bern reagierte darauf mit blutiger Härte.

Den verfolgten Gläubigen ­gewährte der Bischof von Basel Zuflucht: Er erlaubte ihnen, sich auf den unwirtlichen Jurahöhen anzusiedeln, die damals in seinem Hoheitsgebiet lagen. Die Flüchtlinge rodeten die Wälder auf den Bergrücken und gewannen dadurch Weideland.

Berge mit Tonsur

Einer dieser Tonsurberge ist der Mont Raimeux. Er liegt zwischen dem Cornet-Tal östlich von Moutier und dem Kanton Jura. Von unten zeigt er sich abweisend und unzugänglich. Dichte Buchen- und Tannenwälder bedecken seine buckligen, steilen Flanken, ­dazwischen zeigen sich schroffe Felswände.

Gleichwohl gelangt man problemlos hinauf. Gestartet wird bei der Bahnstation von Corcelles. Zunächst in sanftem Anstieg geht es über Weideland dem breiten Hügelrücken entgegen. Sobald man den Wald ­erreicht, wird der Weg deutlich steiler. Durch die reizvolle Schlucht der Gore Virat windet er sich zügig nach Le Beucle, wo er das Fahrsträsschen quert.

Der brutale Teil der Steigung ist damit geschafft. Praktisch ebenen Wegs gelangt man hinüber nach Le Pré, wo man den Wald verlässt. Hier, am östlichsten Punkt des Rundwegs, öffnet sich erstmals die Sicht auf die weite Hoch­ebene, die den Rücken des Raimeux prägt, und damit auf eine überaus charakteristische, kraftvolle Landschaftsform.

Ausgedehnte Hochweiden erstrecken sich bis an den Horizont; einzelne oder in Gruppen stehende mächtige Fichten bieten Schutz vor Sonne und Regen; Trockensteinmauern gliedern das Terrain.

Rundsicht vom Aussichtsturm

Dicht entlang der bernisch-jurassischen Kantonsgrenze führt die Wanderroute nun in sanftem Aufstieg über das Weideland und durch lockere Waldbestände gegen Westen. Immer wieder öffnen sich hübsche Ausblicke auf die Jurahöhen.

So viele Dinosaurierspuren auf kleinem Raum wie auf dieser Wanderung gibt es weltweit sonst nirgends.

Der Mont Raimeux ist mit 1302 Metern über Meer zwar der höchste Punkt des lang gezogenen Felsrückens und damit auch der Wanderung, doch um einen Gipfel im klassischen Sinne handelt es sich dabei nicht. Immerhin erlaubt aber ein Beobachtungsturm aus dem Ersten Weltkrieg, dass man die Rundsicht über die umliegenden Wipfel hinweg auskosten kann.

Der Abstieg zurück ins Tal ist weniger steil als der Aufstieg, dauert dafür etwas länger. Durch den Weiler Raimeux de Grandval und an der Cabane du Raimeux des SAC vorüber gelangt man nach Les Maisonettes. Auf einem Waldpfad geht es danach im Zickzack talwärts und damit dem Routenziel Moutier entgegen.

Trampelpfad der Dinosaurier

Vorher aber lohnt es sich, im ­Abstieg kurz innezuhalten. Zwischendurch öffnen sich nämlich spektakuläre Tiefblicke in die Gorges de Moutier. Neben dem Flüsschen Birs zwängen sich auch die Bahnlinie und der Strassenverkehr durch die schmale Schlucht.

In den steilen Felswänden wurde vor gut zwanzig Jahren das weltweit dichteste Vorkommen von Dinosaurierspuren gefunden: Die Urechsen haben vor rund 150 Millionen Jahren über 2000 Fussabdrücke hinterlassen, die bis zu 140 Zentimeter gross sind.

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