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Wahlduell von BDP und SVP nimmt Form an

Wie finden Wähler im Kanton Bern heraus, welche Kandidatinnen und Kandidaten zu ihren Vorstellungen passen? Mit der Onlinehilfe Smartvote geht das bequem. Und sie liefert erste Aufschlüsse zum Duell von SVP und BDP.

Duell mit der SVP: Die BDP nominierte Beatrice Simon zu ihrer Kandidatin als Regierungsrätin.
Duell mit der SVP: Die BDP nominierte Beatrice Simon zu ihrer Kandidatin als Regierungsrätin.
Adrian Moser

Das springt als kleine Überraschung ins Auge: Beatrice Simon (BDP) lehnt das seit dem 1.Juli im Kanton Bern geltende Rauchverbot rundherum ab und verteidigt mit einem Kommentar die Freiheit von Rauchern und Wirten. SVP-Mann Albert Rösti hingegen ist tendenziell dafür.

Dieses Ergebnis liefert die seit wenigen Tagen aufgeschaltete Onlinewahlhilfe Smartvote. Dort gibt es noch 64 weitere Fragen, zu welchen die Kandidatinnen und Kandidaten für Regierungsrat und Grossen Rat klar Position beziehen.

Gratis und schnell

Dank einer Kooperation von Berner Zeitung, Thuner Tagblatt und Berner Oberländer mit Smartvote bekommen die Wählerinnen und Wähler im Internet mit wenigen Schritten eine auf sie zugeschnittene Wahlempfehlung. Sie müssen bloss minimal eine und maximal 65 Fragen selber beantworten, um herauszufinden, welche Kandidierenden ihnen mit ihren Positionen nahestehen – sei es zum Ausstieg aus der Atomenergie, zu Steuersenkungen im Kanton Bern oder zur Frage, wo Schüler ihre Aufgaben erledigen sollen.

Smartvote liefert die Empfehlung gratis und schnell: eine Liste derjenigen Kandidierenden, welche der persönlichen Überzeugung der einzelnen Wählenden entsprechen – mit einer Skala zwischen 100 und 0 Prozent Übereinstimmung. Oder auch eine Liste der Parteien.

Schon 2600 Empfehlungen

41 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten für den Regierungsrat und den Grossen Rat haben sich seit der Aufschaltung registriert. Und das lohnt sich für sie: Schon mehr als 2600 Wahlempfehlungen wurden in den vergangenen Tagen ausgestellt.

Das Duell Simon–Rösti

Im mit Spannung erwarteten Duell zwischen BDP und SVP liefert Smartvote nun viel Anschauungsmaterial, wo sich die beiden Parteien unterscheiden und wo sie relativ ähnlich ticken. Zum Beispiel bei Beatrice Simon (BDP) und Albert Rösti (SVP), welche sich um den frei werdenden Sitz von Urs Gasche (BDP) in der Regierung duellieren: Markant gehen ihre Ansichten bei der Finanzpolitik auseinander. Rösti will mehr Geld für die öffentliche Sicherheit ausgeben, aber weniger für Kulturförderung, Gesundheit, soziale Sicherheit sowie Umwelt- und Raumplanung. Rösti will also Staatsaufgaben abbauen. Steuersenkungen haben für ihn in den nächsten vier Jahren klar Priorität. Simon dagegen will die Ausgaben des Kantons Bern insgesamt erhöhen, durch Mehrausgaben bei der öffentlichen Sicherheit und bei der Bildung. Die Frage nach der Priorität von Steuersenkungen beantwortet sie deshalb zögerlich (eher ja). Albert Rösti andererseits kann bei seiner forschen Steuersenkungspolitik nicht auf geschlossenen Support in seiner Partei zählen. Viele Grossratskandidatinnen und -kandidaten der SVP stehen nicht hundertprozentig dahinter.

Streitobjekt Schule

Bei den Fragen zu Sozialem, Familie, Gesundheit und Umwelt liegen Rösti und Simon nahe beieinander. Geht es um die Schule, differieren die Ziele stark: Simon hat Ja zu HarmoS gestimmt, Rösti dagegen. Simon wäre eher dafür, dass an Stelle von Hausaufgaben in der Schule sogenannte Aufgabenstunden nach dem Unterricht eingeführt würden. Rösti will, dass die Schüler die Aufgaben daheim im Kreis der Familie erledigen. Für Simons Position gibt es bei den Grossratskandidaten der BDP viel Unterstützung, aber es gibt auch etliche, die eher auf Röstis Linie liegen. In der Aussenpolitik vertritt Beatrice Simon die Haltung ihrer Partei, während Albert Rösti von der SVP abweicht: Er will das Personenfreizügigkeitsabkommen «eher nicht» aufkündigen.

Zu allen 65 Fragen legen sich die Kandidaten bei Smartvote mit ihrer Unterschrift fest. Es sind keine bei Wahlkampfveranstaltungen rasch ins Säli geworfene Versprechungen, die sich bald in Luft auflösen, die Kandidierenden können damit später konfrontiert werden. Aufgebaut wurde die Plattform von Politologen und Informatikern der Uni Bern. Sie wurde in der Schweiz bei zahlreichen Wahlen erprobt. Sie wird wissenschaftlich begleitet von der Hochschule für Öffentliche Verwaltung in Chavannes-près-Renens VD.

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