Verbot von Asphaltier-Trupps: Fahrende «schockiert»

Schweizer Fahrende sind erbost über die Forderung des Berner Regierungsrates, Reisenden gewisse Tätigkeiten zu untersagen und sie damit arbeitslos zu machen.

Die Fahrenden wehren sich: Das Bild stammt von einer Protestaktion 2014. Vorne links Mike Gerzner, Präsident der Bewegung der Schweizer Reisenden.

Die Fahrenden wehren sich: Das Bild stammt von einer Protestaktion 2014. Vorne links Mike Gerzner, Präsident der Bewegung der Schweizer Reisenden. Bild: Urs Baumann

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Schweizer Fahrende gehen mit dem Berner Regierungsrat hart ins Gericht. Dieser wolle ihnen Bauarbeiten wie das Teeren von Vorplätzen verbieten und sie so zur Arbeitslosigkeit verdammen.

Das angestrebte Verbot wäre eine «völlig ungerechtfertigte und diskriminierende Massnahme», mahnen mehrere Fahrenden-Organisationen in einem gemeinsamen Communiqué vom Wochenende. Zudem wäre das Arbeitsverbot aus ihrer Sicht verfassungswidrig.

Den Zorn der Fahrenden auf sich gezogen hat der Berner Regierungsrat mit seiner Antwort auf eine Vernehmlassung. Der Bund will die Verordnung über das Reisendengewerbe verschärfen und den Fahrenden gewisse Dienstleistungen untersagen.

Streit bei Bauarbeiten

Der Berner Regierungsrat geht einen Schritt weiter und fordert, dass Arbeiten des Bauhaupt- und Baunebengewerbes verboten werden. Seit einiger Zeit böten Fahrende ja auch Maler- oder Belagsarbeiten an, beispielsweise das Teeren von Vorplätzen und Zufahrten. Solche Angebote verursachten regelmässig Probleme, schreibt die Berner Regierung in ihrer Vernehmlassungsantwort, die am Donnerstag publiziert wurde. Leistungen würden ohne die erforderliche Bewilligung erbracht und Umweltvorschriften verletzt.

Schweizer Fahrende wehren sich

Probleme gebe es nur mit ausländischen Reisenden, entgegnen die Schweizer Fahrenden-Organisationen. Diese durchquerten die Schweiz, praktizierten in den angesprochenen Geschäftszweigen und kehrten in ihr Land zurück. Schweizer Fahrende hingegen verfügten über die erforderlichen Bewilligungen und respektierten die Umweltgesetze.

Die angesprochenen Geschäftsbereiche gehörten zu ihrer Kultur. Den Kunden böten sie ihre Telefonnummern und Adressen an - wenn ein Problem vorliege, seien sie leicht zu kontaktieren. Daher sei es völlig abwegig, wegen Problemen mit ausländischen Fahrenden eine diskriminierende Kollektivstrafe einzuführen.

In der Vergangenheit hätten die Behörden immer wieder versucht, die nomadische Lebensweise zu beseitigen. Ein Arbeitsverbot wäre ein weiterer Schritt in diese Richtung, befürchten die Fahrenden. Es sei widersinnig, wenn die Behörden einerseits nach Plätzen für Fahrenden suchten und diesen anderseits die Arbeit entziehen wollten. (mb/sda)

Erstellt: 21.01.2017, 11:14 Uhr

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