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Der Druck auf das Lehrmittel «Mille Feuilles» wächst

Der Berufsverband der Lehrkräfte und dringliche überparteiliche Vorstösse im Grossen Rat fordern eine Auswahl aus mehreren Französisch-Lehrmitteln.

Stefan von Bergen

Bildung Bern, der Berufsverband der Berner Lehrkräfte, rückt einen Schritt ab vom Frühfranzösisch-Lehrmittel «Mille Feuilles». Man habe das Projekt «Passepartout» mit dem umstrittenen Lehrmittel bis jetzt kritisch und konstruktiv begleitet, schreibt Bildung Bern am Dienstag in einer Medienmitteilung. Nun aber unterstütze man ein Wahlobligatorium.

Franziska Schwab, Co-Leiterin Pädagogik des Berufsverbands, erklärt auf Anfrage, was sie darunter versteht: Die kantonale Erziehungsdirektion solle eine Auswahl mehrerer erprobter Französischlehrmittel treffen, aus der die Schulen eines auswählen müssen. Bildung Bern fordert also eine Alternative zu «Mille Feuilles». «Es ist nicht zielführend, auf einem einzigen Lehrmittel zu beharren, wenn der Widerstand dagegen so gross ist», sagt Franziska Schwab.

Wahlfreiheit gefordert

Seit drei Jahren ist «Mille Feuilles» in der Volksschule im Kanton Bern obligatorisch. Bern gehört mit Basel-Stadt und Baselland, Solothurn, Freiburg und Wallis zum Verbund der Passepartout-Kantone, die das Lehrmittel entwickelt haben. Es setzt auf die Didaktik des sogenannten Sprachbads. Die Schülerinnen und Schüler sollen ab der 3. Klasse im spielerischen mündlichen Umgang Französisch lernen. Von Anbeginn an war «Mille Feuilles» bei Berner Lehrkräften und Eltern umstritten. Sie monieren, das Lehrmittel sei unstrukturiert und vernachlässige Grammatik wie auch Wortschatz.

«Wir verlangen nicht, dass die Schulen völlig frei ein auf dem Markt erhältliches Lehrmittel wählen können», relativiert Franziska Schwab. Und man begrüsse, dass in der «Mille Feuilles»-Version für die 5. Klasse die Kritik von Bildung Bern eingearbeitet worden sei: weniger Stoff, mehr Grammatik und ein realitätsnaher Grundwortschatz.

Englisch toppt Französisch

«Uns ist klar, dass das Geld für ein ganz neues Französisch-Lehrmittel fehlt, wir wollen auch nicht zurück zum früheren Lehrbuch «Bonne Chance», betont Franziska Schwab. Für Bildung Bern gehe es aber um mehr als bloss ein Lehrmittel: «Wir müssen diskutieren über das im Vergleich zum Englischen schlechte Image des Französischen in unserer Gesellschaft und über die Weiterbildung der Französisch-Lehrkräfte», sagt Schwab.

«Mille Feuilles» ist auch das Thema in überparteilichen Vorstössen, die Anfang Woche im Grossen Rat eingereicht wurden. Während die einen wie Bildung Bern eine gewisse Wahlfreiheit beim Französisch-Lehrmittel verlangen, fordert GLP-Grossrat Michael Ritter gar Berns Ausstieg aus dem Passepartout-Verbund.

Auslöser der jüngsten Berner Aufregung ist die Abstimmung im Halbkanton Baselland am letzten Wochenende. Das Volk befürwortete dort deutlich eine Lehrmittelfreiheit. Die Schulen können neu aus einer Liste von Französischlehrmitteln auswählen. Bürgerliche Kritiker von «Mille Feuilles» wollten es gar ganz verbannen. Auch die jetzt gutgeheissene Lösung beendet wohl seine Hoheit.

Unterschlagene Evaluation

Die wachsende Kritik an «Mille Feuilles» hat noch einen weiteren Ursprung. Diese Zeitung hatte Ende September aufgedeckt, dass die Passepartout-Kantone eine schlecht ausgefallene Frühfranzösisch-Evaluation, die sie selber in Auftrag gegeben hatten, ganz verschwiegen. Im Mai hatte das Institut für Mehrsprachigkeit an der Universität Freiburg gezeigt, dass die Passepartout-Lernziele in der 6. Klasse verfehlt worden waren. Nur 32,8 Prozent der Schülerinnen und Schüler erreichten die Ziele beim Leseverstehen, 57 Prozent beim Hörverstehen.

Erziehungsdirektorin Christine Häsler war am Mittwoch absorbiert durch die Session im Grossen Rat und wollte sich nicht äussern zur sich zuspitzenden Frühfranzösisch-Frage.

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