Unbenutztes Toi-Toi und anonyme Morddrohungen

Ausländische Fahrende machen immer wieder auf Privatgrundstücken halt – im Frühling etwa in Tägertschi und Etzelkofen. Grössere Zwischenfälle gab es nicht, störend waren jedoch die Fäkalien am Wegrand.

Das mobile WC in Münsingen blieb von den Fahrenden ungenutzt. (Symbolbild)

Das mobile WC in Münsingen blieb von den Fahrenden ungenutzt. (Symbolbild) Bild: Walter Pfäffli

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Der offizielle Transitplatz für ausländische Fahrende in Brügg bietet Platz für lediglich 15 bis 20 Wohnwagen und ist seit seiner Eröffnung im April voll belegt. Deswegen weichen ausländische Fahrende auf private Grundstücke aus.

Das machen sie zwar nicht, ohne den jeweiligen Landbesitzer um Erlaubnis zu bitten. Oft erzählen sie diesem aber nur die halbe Wahrheit. Bei Landwirt Paul Stähli in Tägertschi etwa klingelten Anfang Juni drei Männer.

An ihren Autos prangten Schweizer Kennzeichen. «Sie haben mich gefragt, ob sie mein Land für eine gewisse Zeit nutzen könnten. Ich habe Ja gesagt. Ich wusste aber nicht, dass ich mein Land an ausländische Fahrende vermiete.» Als er es bemerkte, war es zu spät: Der Nutzungsvertrag war abgeschlossen, das Landstück zwischenzeitlich von knapp 40 Wohnwagen mit vorwiegend französischen Kennzeichen belegt.

Die Gemeinde Münsingen schaltete sich ein und schloss mit den Fahrenden eine Zusatzvereinbarung ab. Die Fahrenden mussten eine Toi-Toi-Toilette organisieren und für die regelmässige Abfallentsorgung bezahlen. «Die Fahrenden hielten weitgehend Ordnung», attestiert ihnen Münsingens Gemeindepräsident Beat Moser (Grüne).

Jedoch hätten sie auf einem nahen Feldweg regelmässig ihr Geschäft verrichtet und die Fäkalien liegen lassen. «Ich möchte das nicht über­bewerten», sagt Moser.Auch Landwirt Stähli sind die Fäkalien aufgefallen. «Sie haben das Toi-Toi nie benutzt.» Ansonsten seien die Fahrenden im Umgang friedlich gewesen.»

Sein Land wird er ihnen künftig aber eher nicht mehr zur Ver­fügung stellen. Dies wegen der vielen negativen Reaktionen in seinem Dorf Tägertschi. Dort waren die Fahrenden Gesprächsthema Nummer eins. «Es gibt Leute im Dorf, die grüssen mich nicht mehr», sagt Stähli. «Und anonyme Morddrohungen habe ich auch erhalten.» Vor wenigen Tagen haben die Fahrenden Tägertschi wie abgemacht verlassen.

Fäkalien-Bussen

Gar bis zu 70 Wohnwagen beherbergte Simon Winistorf auf seinem Grund in Etzelkofen. Vor knapp sieben Wochen hätten Fahrende angefragt, ob sie wegen einer bevorstehenden Hochzeit auf seinem Land haltmachen dürften. Mittlerweile ist die Gruppe auf etwa 15 Wohnwagen geschrumpft.

Am kommenden Sonntag müssen die Fahrenden weiterziehen, so ist es abgemacht. «Ich hatte sie schon letztes Jahr bei mir», sagt Winistorf. Und an die kleinere Gruppe, die jetzt auf seinem Land haltmacht, würde er auch künftig wieder vermieten. Nicht aber an so eine grosse Gruppe mit 70 Wohnwagen. «Da hatte es ein paar schwarze Schafe dabei.»

Es gab nicht viele Gründe für Beanstandungen, auch in der Gemeinde Fraubrunnen, zu der Etzelkofen gehört, gingen keine Reklamationen ein. Die Behörden standen jedoch in Kontakt mit Landwirt Winistorf. Dieser kennt das Problem mit den ­Fäkalien, das in Tägertschi auftrat, auch. «Ich musste am Waldrand oft putzen gehen.» Das habe er dann den Fahrenden jeweils verrechnet. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.06.2018, 06:04 Uhr

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