Tram-Projekt: Grüne wollen Abstimmungsdebakel analysieren

Wie konnte es zum überraschenden Nein beim Tram Region Bern kommen? Grüne Grossräte verlangen, dass der Kanton untersucht, warum das Tram Region Bern an der Urne gescheitert ist.

Der Regierungsrat soll das Abstimmungsdebakel von Ende September aufarbeite, verlangt die grüne Grossrätin Rita Haudenschild.

Der Regierungsrat soll das Abstimmungsdebakel von Ende September aufarbeite, verlangt die grüne Grossrätin Rita Haudenschild.

(Bild: Susanne Keller)

Stephan Künzi

Planungskosten von bis zu 30 Millionen Franken, die sich quasi über Nacht in Luft aufgelöst haben. Dazu ein nicht näher bezifferter Aufwand für interne Arbeiten, der nun ebenfalls wenig bis kaum mehr etwas wert ist – nach dem überraschend klaren Nein zum Tram Region Bern könne der Kanton nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sagt Rita Haudenschild.

Eine sorgfältige Analyse

Die grüne Grossrätin aus Köniz verlangt deshalb, dass der Regierungsrat das Abstimmungsdebakel von Ende September aufarbeitet. In einem Vorstoss, den sie zusammen mit ihrem Parteikollegen Bruno Vanoni aus Zollikofen eingereicht hat, stellt sie mit kritischem Unterton fest: Bisher habe die Regierung keine Anstalten gemacht, «die Gründe für diese überaus hohe Ablehnung erkunden zu wollen». Zu Unrecht, wie sie weiter schreibt. «Die hohen Kosten rechtfertigen eine sorgfältige Analyse. Daraus müssen Schlüsse für künftige Planungen gezogen werden.»

Der Regierungsrat bekommt noch in einem weiteren Punkt sein Fett weg. Immerhin hatte Verkehrsdirektorin Barbara Egger (SP) nach dem Urnengang erklärt, jetzt seien die Gemeinden am Zug. Sie müssten Vorschläge bringen, wie sie die Probleme im öffentlichen Verkehr lösen wollten, sagte sie in Richtung Ostermundigen und Köniz. An deren Nein war das Tramprojekt letztlich gescheitert.

Für Haudenschild greift diese Sichtweise zu kurz. Das geht aus einem zweiten Vorstoss hervor, den neben Vanoni auch Parteikollegin Maria Iannino Gerber aus Hinterkappelen mitträgt. «Es drängt sich eine Standortbestimmung aus übergeordneter Perspektive auf», heisst es hier. Und dass dabei gerade dem Kanton eine aktive Rolle zukommen müsse – zu gross sei die Gefahr, dass nach dem Nein zum Tram der öffentliche Verkehr in der Region Bern ins Hintertreffen gerate.

Geld für den Veloverkehr

Politisch ist Haudenschild mehrheitlich als grüne Gemeinderätin von Köniz unterwegs. Vor diesem Hintergrund lässt sie es sich nicht nehmen, eine klar parteipolitisch eingefärbte Forderung in die Vorstösse aufzunehmen. Den Kapazitätsengpässen auf den Pendlerstrecken könne man auch mit einem Ausbau der Fuss- und Velowege begegnen, schreibt sie. Dafür fordert sie keck 80 Millionen – für das Tram hätte der Kanton 250 Millionen ausgegeben.

Berner Zeitung

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