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Thorberg-Direktor: «Nicht jedes Urteil ist richtig»

Der jüngst aus dem Neuenburger Strafvollzug entwichene Sexualstraftäter Jean-Louis B. sitzt jetzt auf dem Thorberg. Für Hans Zoss, den Direktor der Anstalt, gehören begleitete Ausflüge zum menschenwürdigen Vollzug. Im Interview erklärt er, weshalb er solche trotzdem immer wieder ablehnt.

Hans Zoss: «Wenn einer seine Strafe verbüsst hat, muss ich ihn rauslassen - selbst wenn ich davon überzeugt bin, dass es falsch ist.»
Hans Zoss: «Wenn einer seine Strafe verbüsst hat, muss ich ihn rauslassen - selbst wenn ich davon überzeugt bin, dass es falsch ist.»

Haben Sie Ihren Glauben nach 17 Jahren Arbeit mit Schwerverbrechern noch? Hans Zoss: Ich glaubte nie, dass da oben ein Gott sitzt, der die Welt steuert.

Ungewöhnlich für einen Theologen. Ich habe nichts gegen Gott, er ist hilfreich für das Zusammenleben, er steht für Ethik und Regeln. Aber für sich allein existiert Gott nicht, er muss täglich in jeder Begegnung, auch mit Gefangenen, neu gesucht werden. Ich bin ganz im Sinne der Aufklärung fest davon überzeugt, dass ich mein Leben selber gestalten muss und mich nicht auf ein extraterrestrisches Wesen verlassen kann. Gemäss Kant ist die Aufklärung der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Selbst verschuldet heisst, dass man zwar fähig ist, seinen Geist zu gebrauchen, aber dafür zu faul ist und sich deshalb in Abhängigkeit begibt.

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