SVP greift mit zwei Kandidaten an

Geht es nach dem SVP-Vorstand, dann treten die bürgerlichen Parteien im Februar mit den beiden SVPlern Lars Guggisberg und Pierre Alain Schnegg zur Regierungsratsersatzwahl an.

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Noch Anfang der Woche gab sich SVP-Präsident Werner Salzmann zurückhaltend. Trotz des Erfolges sei die Wahrscheinlichkeit klein, dass die SVP bei der Regierungsratsersatzwahl im Februar beide frei werdenden SP-Sitze angreife.

Würde die SVP dies tun, handelte sie sich den Vorwurf ein, machthungrig zu sein. So wie bei den Regierungsratswahlen 2006, als die SVP mit vier und die FDP mit zwei Kandidaturen antrat. Die Wähler legten dies als Arroganz aus und straften die Bürgerlichen ab – Rot-Grün erreichte die Regierungsmehrheit.

Die Kandidaten

Inzwischen hat der SVP-Vorstand seine Meinung geändert: Mit den Grossräten Pierre Alain Schnegg aus dem Berner Jura und Lars Guggisberg aus Kirchlindach schlägt die SVP-Spitze nun doch zwei Kandidaten vor. Wie sie in einer Mitteilung schreibt, ist Schnegg als Präsident der Hôpital du Jura bernois SA «bestens qualifiziert», um die Herausforderungen im Gesundheitswesen anzupacken.

Er soll für den bernjurassischen Sitz antreten, den SP-Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud im Juni räumt. Guggisberg sei als Geschäftsführer der HIV-Sektionen Biel/Seeland und Lyss/Aarberg geeignet, die Volkswirtschaftsdirektion zu übernehmen, der SP-Regierungsrat Andreas Rickenbacher vorsteht.

Die SP ihrerseits hat unlängst erklärt, dass sie ebenfalls mit einer Doppelkandidatur antreten wird. Ob die Mitteparteien GLP, EVP und CVP auch mit einer Kandidatur antreten, ist offen (siehe Box).

Antwort auf SP-Anspruch

Den Entscheid, mit zwei Kandidaten anzutreten, erklärt SVP-Präsident Salzmann mit den Wähleranteilen. «Wir wollen die bürgerliche Mehrheit entsprechend den effektiven Mehrheiten in der Bevölkerung wieder herstellen und eine optimale Antwort auf den überproportionalen Anspruch der SP geben.»

Die SP stellt bei einem Wähleranteil von rund 20 Prozent aktuell drei von sieben Regierungsräten, SVP, FDP, Grüne und BDP je einen. «Da die SP mit einer Doppelkandidatur antritt, würden es unsere Wähler nicht verstehen, wenn wir nur einen bürgerlichen Kandidaten bringen», so Salzmann. Die SVP-Delegierten befinden am 3. November über die Strategie der Parteileitung.

Die anderen möglichen SVP-Kandidaten, die Grossräte Mathias Müller und Peter Brand sowie Jolanda Brunner, haben sich gestern zurückgezogen. Nicht so Hans Jörg Rüegsegger. Der Grossrat und Präsident des Berner Bauernverbands meint auf Anfrage zwar, er werde eher nicht kandidieren. Allerdings lässt er es offen, ob er nicht doch noch als wilder Kandidat antritt.

Strategie umstritten

Offen ist, wie FDP, BDP und EDU auf die Strategie der SVP reagieren. Klar ist, dass alle die bürgerliche Mehrheit wieder erlangen wollen. Dazu bekennen sich auf Anfrage zumindest alle Präsidenten. Über das Wie könnte man sich allerdings noch uneins sein. Denn sowohl in der FDP als auch in der BDP gibt es Stimmen, die einer SVP-Doppelkandidatur skeptisch gegenüberstehen. Sei es aus Angst vor der Arroganzkeule oder aus der Überzeugung, dass die SP Anspruch auf einen der beiden freien Sitze habe.

Die von der SVP vorgeschlagenen Kandidaten Schnegg und Guggisberg scheinen indes mehrheitsfähig zu sein. Die FDP-Spitze diskutierte die Strategie am Donnerstagabend, die BDP tut dies nächste Woche. Wann sich die EDU-Leitung bespricht, ist noch unklar. Das letzte Wort haben jeweils die Delegierten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.10.2015, 10:04 Uhr

Kandidat aus der Mitte bleibt ein Thema

Auch die Mitteparteien haben Anspruch auf einen Sitz in der Regierung angemeldet. Mit einem Wähleranteil von gesamthaft 13 Prozent nach den letzten Grossratswahlen sei dieser Anspruch nach wie vor intakt, heisst es seitens EVP und GLP. «Wir müssen nach dem Entscheid der SVP nun intern noch einmal darüber diskutieren, ob wir kandidieren wollen», sagt EVP-Präsidentin Christine Schnegg. Mit den Grossräten Marc Jost und Patrick Gsteiger seien zwei EVP-Kandidaten noch immer im Rennen. Hätte die SVP nicht für den Jura-Sitz kandidiert, wäre für die EVP klar gewesen, auf Gsteiger zu setzen. Die Nominationssitzung findet am 19. November statt.

Zuvor gelte es aber, Gespräche mit der GLP zu führen. Auch die GLP habe etwa mit Nationalrat Jürg Grossen, Nationalrätin Kathrin Bertschy oder Grossrat und Unternehmer Daniel Trüssel einen «valablen Kandidaten», sagt Co-Präsident Michael Köpfli. Wenn die Frage einer Kandidatur gemeinsam mit der EVP geklärt sei, gelte es, weitere Unterstützung zu suchen. Köpfli wäre offen dafür, auch die BDP mit an Bord zu holen, mit der die Mitteparteien bei den nationalen Wahlen Allianzen geschmiedet hatten.

«Die BDP schlug sich sofort auf die bürgerliche Seite, als die Vakanzen in der Regierung bekannt wurden», sagt hingegen EVP-Präsidentin Schnegg. Die Haltung der BDP habe sie irritiert, insbesondere, weil man noch bei den nationalen Wahlen zusammenspannte. «Da fragten wir uns schon, wo die Mitte geblieben ist.» Dadurch sei ein Zusammenspannen mit der BDP für die Ersatzwahlen
«infrage gestellt». sar

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