Support für den Wolf im Grossen Rat

Der Grosse Rat will nichts wissen von einem härteren Vorgehen gegen den Wolf. Das ärgert die Vertreter der Schafhalter im Parlament, welche den Wolf zum Teil am liebsten abgeschossen sähen.

Im Grossen Rat wurde eine Abschussbewilligung für den Wolf M76 gefordert (Symbolbild).

Im Grossen Rat wurde eine Abschussbewilligung für den Wolf M76 gefordert (Symbolbild). Bild: iStock

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Diesen Sommer entflammte die Diskussion um den Wolf erneut, als im Lauterbrunnental einzelne Schafe gerissen wurden. Am Mittwoch nun diskutierte auch das Kantonsparlament einmal mehr über die Grossraubtiere. Thomas Knutti (SVP, Weissenburg) hatte seine Motion im Herbst 2017 eingereicht und forderte eine Beschränkung und Regulierung des Grossraubtierbestandes sowie eine generelle Lockerung des Wolfsschutzes.

Knutti präsidiert den Verein zum Schutz von Wild- und Nutztieren vor Grossraubtieren im Kanton Bern, der sich dem Kampf gegen Luchs und Wolf verschrieben hat. Quasi zum Staatsfeind Nummer eins erklärte Knutti in der Debatte M76. Jenen Wolf also, der im Oberland für zahlreiche Schafsrisse verantwortlich gemacht wird. «Es wäre Zeit, für diesen Wolf beim Bund eine Abschussbewilligung zu erwirken.» Diese sei im Konzept Wolf Schweiz explizit vorgesehen.

Für Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP) hat bisher jedoch im Kanton Bern noch kein Wolf Menschen konkret gefährdet, womit ein Abschuss nicht gerechtfertigt sei. «Wir müssen im Herdenschutz mehr machen», sagte Ammann selbstkritisch. In der Verwaltung sei dafür kürzlich eine neue Stelle geschaffen worden.

Dadurch könne der Kanton die Tierhalter künftig besser unterstützen. Ueli Gfeller (SVP, Schangnau) gab zu bedenken, dass der Herdenschutz nicht in jedem Gelände gleich gut funktioniere. Gfeller sömmert jeweils selber Schafe auf der Alp und hat schon Tiere an den Wolf verloren.

Der Bund ist zuständig

Neben der Mehrheit der SVP unterstützte nur die EDU-Frak­tion Knuttis Vorstoss. EDU-Grossrat Ernst Tanner (Ranflüh) sorgte für allgemeine Erheiterung, als er vom Wolf sprach, als sei dieser ein krimineller Asyl­bewerber: «Wenn er sich nicht an die Regeln hält, soll er kein Bleiberecht haben.»

Der Grosse Rat lehnte die Wolfsmotion deutlich ab. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil Ammann mehrfach darauf hinwies, dass streng geschützte Tiere wie der Wolf und der Luchs in die Kompetenz des Bundes fallen würden. Eine allfällige Lockerung des Wolfsschutzes müsste also von den eidgenössischen Räten beschlossen werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.09.2018, 07:43 Uhr

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