Der Thorberg ist noch nicht über den Berg

Erst ein Skandal um den Direktor, dann die Reorganisation mit dem Holzhammer, schliesslich Mobbingvorwürfe: Die Justizvollzugsanstalt Thorberg kommt seit Jahren nicht zur Ruhe. Nun zogen die Verantwortlichen Bilanz.

Ziehen Bilanz: Thorberg-Direktor Thomas  Egger, Amts- leiter Thomas Freytag und  Generalsekretär Andreas Michel (von rechts).

Ziehen Bilanz: Thorberg-Direktor Thomas Egger, Amts- leiter Thomas Freytag und Generalsekretär Andreas Michel (von rechts). Bild: Beat Mathys

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In den letzten Jahren blieb in der Justizvollzugsanstalt Thorberg kein Stein auf dem anderen. 2014 musste der damalige Gefängnisdirektor Georges Caccivio wegen Führungsfehlern und Besuchen auf dem Drogenstrich den Hut nehmen. Die darauf folgende Untersuchung hatte erhebliche organisatorische Mängel ergeben.

Caccivios Nachfolger Thomas Egger trat an, um den Betrieb zu reorganisieren. Doch seither wurde immer wieder Kritik laut, er tue dies mit dem Holzhammer. Das neue Schichtmodell sorgte für Zündstoff, es gab überdurchschnittlich viele Kündigungen und Freistellungen, Eggers Kommunikation wurde bemängelt, Mobbingvorwürfe standen im Raum.

Als Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) diesen Februar bei einer Aussprache mit dem Personal fragte, wer alles unzufrieden sei, streckten fast zwei Drittel der Anwesenden die Hand in die Höhe (wir berichteten).

Hierarchie zu flach

Mit Widerstand hatte Egger gerechnet: «Einige werden mich wohl zum Teufel wünschen», hatte er bereits nach drei Monaten im Amt in einem Interview mit dieser Zeitung prognostiziert. Einige Mitarbeiter hätten sich in der Vergangenheit gegen Veränderungen gesträubt.

Egger – er war einst Adjutant des Kommandanten der Schweizer Luftwaffe – war die Hierarchie im Gefängnis zu flach. Er wollte sie klarer strukturieren. «Die Crew muss erkennen, dass es eine Kommandobrücke braucht», sagte er. Der externe Bericht hatte bemängelt, dass es im Thorberg keine eigentliche Geschäftsleitung gebe.

Am Dienstag nun erklärte Egger vor den Medien im Thorberg die Reorganisation offiziell für abgeschlossen. Der Direktor wurde flankiert von Andreas Michel, Generalsekretär der Polizei- und Militärdirektion, und Thomas Freytag, Vorsteher des kantonalen Amts für Justizvollzug. Sie stärkten Egger den Rücken: «Wir befinden uns in einem normalen Reorganisationsprozess», sagte Michel.

«Die Vetterliwirtschafts- und Mobbingvorwürfe erwiesen sich  als haltlos.»Thomas Freytag, Vorsteher des Amts für Justizvollzug

«Wir haben die Vetterliwirtschafts- und Mobbingvorwürfe untersucht – sie erwiesen sich als haltlos», doppelte Freytag nach. Die Gefängnisleitung arbeite daran, das Betriebsklima zu verbessern – etwa mit Konferenzen, an denen Mitarbeitende auch Unmut ausdrücken könnten. Ein offenes Betriebs- und Vertrauensklima sei ebenfalls ein Ziel der Reorganisation.

Handlungsbedarf bleibt

Seit einem Jahr gelten die neuen Strukturen. Die Institution sei nun klarer positioniert, so Egger. Zuvor habe das breite und qualitativ dennoch ungenügende Angebot an einen Tante-Emma-Laden erinnert.

Nun fokussiere man auf den schweizweiten geschlossenen Strafvollzug. Einzelne Bereiche mussten über die Klinge springen. So schloss Egger eine Therapiestation und eröffnete eine Langzeitabteilung mit zwölf Plätzen. Im Thorberg sind 180 Männer inhaftiert, der Personalbestand liegt bei 119,5 Vollzeitstellen und wurde mit der Reorganisation nicht verändert.

Egger sagte aber, dass es auch nach Abschluss der Reorganisation Bereiche mit Handlungsbedarf gebe. So sei die Dokumentierung noch ungenügend, ebenso das Qualitäts- und Projektmanagement. Auch bezüglich Führungs- und Teamkultur gebe es noch einiges zu tun.

Schichtmodell als Knacknuss

Ein Übungsfeld dafür dürfte das stark umstrittene Schichtmodell im Sicherheitsdienst sein, das auf Anfang Jahr eingeführt wurde. Nach vier Monaten habe man dieses evaluieren lassen und festgestellt, dass es verbessert werden müsse.

Mitarbeitende kritisierten unter anderem die vielen -Wochenendeinsätze, die ungenügende Ruhezeit zwischen Nacht- und Frühschicht sowie Personalengpässe.

Man habe nun eine Arbeitsgruppe gebildet, auch Personen aus dem Amt für Wirtschaft Beco und vom Personalverband würden einbezogen, so Egger. Die neue Version des Schichtmodells soll ab 2018 in Kraft treten.

«Das ist ein sehr sportlicher Zeitplan», sagt Daniel Wyrsch vom Bernischen Staatspersonalverband. Es sei wichtig, dass das neue Modell nun sorgfältig erarbeitet werde – nicht auf Biegen und Brechen wie bei der ersten Version. Nur so könne auch die Stimmung beim Sicherheits­personal verbessert werden.

Der Vorwurf der «Holzhammer»-Reorganisation steht also weiterhin im Raum. Das Betriebsklima auf dem Thorberg könnte bald auch zum politischen Thema werden. Die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates wollte erst das Ende der Reorganisation abwarten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.07.2017, 10:35 Uhr

Update folgt...

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