Im Land der weissen Flecken

Der Berner Jura hat keinen Nationalrat mehr – aber er ist nicht in der Minderheit: Grosse Gebiete gingen bei der Nationalratswahl leer aus.

Johannes Reichen

24 Frauen und Männer vertreten den Kanton Bern in den kommenden vier Jahren im Nationalrat. In geografischer Hinsicht muss man allerdings sagen: Sie vertreten einige Teile des Kantons Bern. Das zeigt der Blick auf die Karte mit den Wohnorten der Gewählten.

Gleich 20 Nationalräte wohnen in einem ziemlich kompakten Streifen, der sich vom Seeland bis in den Oberaargau hinzieht. In diesem Gürtel ist die geballte Macht daheim. Dazu gehört natürlich auch die Stadt Bern, wo gleich 10 Nationalräte wohnen.

Gleich20 ­Nationalräte ­wohnen in einem kompakten ­Streifen, der sich vom Seeland bis in den Oberaargau hinzieht.

Daneben hat sich im Oberland noch ein zweites Machtzentrum herauskristallisiert. Hier, in einem eher bevölkerungsschwachen Kantonsteil, sind immerhin 4 der Parlamentarier daheim. Auch das eine bärenstarke Vertretung.

Leer ausgegangen

Und sonst? Gross war der Aufschrei im Berner Jura, als klar wurde, dass sein bisher einziger Vertreter die Wiederwahl verpasste. Er ist jetzt ein weisser Fleck auf der Karte des Nationalrats. Das freut dort natürlich niemanden. Aber der Berner Jura ist nicht allein.

Ganze Gebiete gingen bei der Wahl leer aus. Zum Beispiel im Oberaargau. Klar, es gibt Madiswil, aber Madiswil ist nicht überall. Der nördliche Teil des Oberaargaus mit Ortschaften wie Langenthal, Herzogenbuchsee, Niederbipp ging im Nationalrat leer aus.

Oder im Seeland. Gut, da ist Suberg und nun doch wieder Rüti bei Büren – und vielleicht am Ende auch wieder Biel im Stöckli. Aber was den Nationalrat angeht, so herrscht im Seeland da, wo es wirklich Seeland ist, also in Biel und rund um den See, und auch sonst in grossen Teilen politisch gesehen tote Hose.

Oder im Emmental. Okay, es gibt Burgdorf und Alchenstorf und Heimiswil, das klingt zwar schön und gut, aber ist nun mal bei weitem nicht das ganze Emmental. Weiter oben an der Emme und auch an der Ilfis, in Langnau, Schangnau und Bärau, da ist das Emmental im Nationalrat eine Einöde.

Karger Süden

Oder im Oberland. Natürlich, wir haben Uetendorf, Frutigen, Oberwil im Simmental, Gstaad im Saanenland. Aber sonst? In Thun und am Thunersee, in Brienz und am Brienzersee und überhaupt überall östlich von Frutigen, da ist das Oberland wie sonst nur im tiefsten Winter ein einziger weisser Fleck.

Oder in der Region Bern. Sicher, die Stadt Bern und auch noch Bäriswil und Urtenen-Schönbühl, Mülchi und Stettlen. Die liegen aber alle im Norden oder wenigstens fast. Und der grosse Süden? Köniz, Worb und Muri, Belp und das ganze Gürbetal, Münsingen und das ganze Aaretal, sie alle fehlen im Nationalratssaal.

Oder in der Region Gantrisch. Gut, hier leben nicht besonders viele Menschen, aber dafür wohl bald ein paar Bären. Die zählen fast ebenso viel wie ein Nationalrat. Kein weisser Fleck, ein braunbärbrauner Fleck.

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