Ständerat: SVP muss heikle Fragen beantworten

Tritt die SVP mit Albert Rösti zum zweiten Wahlgang an? Falls ja, könnte dem SVP-Mann das gleich Schicksal wie Adrian Amstutz vor vier Jahren blühen.

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Die grosse Frage vor dem zweiten Ständeratswahlkampf im Kanton Bern lautet: Tritt Albert Rösti von der SVP noch einmal gegen die beiden Bisherigen an? Rösti will sich bis am Dienstagmittag entscheiden, bis dahin muss er mit seiner Partei noch knifflige Fragen klären.

Die Krux ist, dass Rösti im ersten Wahlgang von den beiden Bisherigen, Werner Luginbühl (BDP) und Hans Stöckli (SP), quasi in letzter Minute noch abgefangen wurde und auf dem dritten Platz landete.

Damit droht Rösti ein ähnliches Schicksal wie vor vier Jahren dem wesentlich bekannteren Adrian Amstutz, der im zweiten Wahlgang an Luginbühl und Stöckli scheiterte. Wahlchancen hat Rösti eigentlich nur, wenn sich SVP, BDP und FDP zu einem Schulterschluss durchringen können.

Kommt es nicht zum Schulterschluss auf bürgerlicher Seite, dürfte es schwer werden für Rösti. Stöckli würde dann alle Stimmen aus dem rot-grünen Lager auf sich vereinen, und Luginbühl gilt als undogmatischer Politiker, der weit über seine Partei hinaus für viele wählbar ist.

Rösti macht BDP schöne Augen

Kein Wunder, machte Rösti bereits am Sonntagabend erste Avancen gegenüber der BDP. Deren Ständerat, Werner Luginbühl, lächelte nur - und schwieg. Die BDP dürfte es sich gut überlegen, ob sie mit der SVP nochmals gemeinsame Sache macht. Bei den kantonalen Wahlen 2014 verbrannte sich die Partei gehörig die Finger, als sie mit Erzrivalin SVP ins Lotterbett steig. Bei ihm sei die SVP auf jeden Fall noch nicht vorstellig geworden, sagte BDP-Kantonalpräsident Heinz Siegenthaler auf Anfrage.

BDP-Wahlkampfleiter und Nationalrat Lorenz Hess meinte, der Parteivorstand werde die Frage wohl noch diskutieren. Hess persönlich hält wenig von neuen «Päckli» mit der SVP, wie er auf Anfrage sagte. Dies sei eine Frage der Glaubwürdigkeit. Luginbühl habe seiner Meinung nach auch ohne solche Allianzen gute Wahlchancen. Bei der FDP wird die Frage nach einem bürgerlichen Schulterschluss am Donnerstag diskutiert, wie Geschäftsführer Stefan Nobs auf Anfrage sagte.

Was macht Rösti?

«An mir soll es nicht liegen», sagte Albert Rösti am Sonntagabend. Er habe immer gesagt, er werde bis zuletzt kämpfen. Seine Partei hatte am Montagmittag noch keinen Entscheid gefällt, wie SVP-Geschäftsführerin Aliki Panayides auf Anfrage sagte.

Und auch Rösti sagte am Montagnachmittag auf Anfrage, der Entscheid müsse wohl überlegt sein. Eine Frage hat sich geklärt: «Eine Kandidatur für die Regierungsrats-Ersatzwahlen ist kein Thema», sagte der Berner Oberländer auf Anfrage.

Sein Name wurde verschiedentlich im Zusammenhang mit den im Februar 2016 anstehenden Ersatzwahlen in die Berner Regierung genannt. Bei der Ersatzwahl steht die rot-grüne Regierungsmehrheit auf dem Spiel.

BDP und SP haben es leichter

Dass die BDP Werner Luginbühl in den zweiten Ständeratswahlgang schickt, dürfte klar sein, auch wenn die Partei dies noch nicht offiziell kommuniziert hat. Luginbühl lieferte am Sonntag das beste Ergebnis aller Ständeratskandidaten. Für die SP wird mit allergrösster Wahrscheinlichkeit Hans Stöckli in den zweiten Wahlgang steigen. Er sagte schon am Sonntag, er freue sich darauf.

Die Grüne Christine Häsler wird kaum mehr zum zweiten Wahlgang antreten. Die Partei wird dies am Dienstag noch offiziell besprechen. Ein Blick auf die Resultate zeige aber ein klares Bild, liess Häsler ihren Rückzug zu Gunsten von Stöckli durchblicken.

Auch von den übrigen elf Kandidierenden dürfte kaum einer noch für den zweiten Wahlgang in Frage kommen. Zu weit weg von Luginbühl, Stöckli und Rösti lagen sie alle im ersten Wahlgang.

Zum zweiten Wahlgang dürfen theoretisch im Kanton Bern alle Kandidierenden des ersten Wahlgangs antreten. Praktisch werden dies aber nur die Aussichtsreichsten tun. Auch neue Kandidaten können noch bis am 22. Oktober gemeldet werden. Dies dürfte aber kaum der Fall sein.

abe/sda

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