Ständerat Hans Stöckli fordert Klarheit über Olympia-Leck

Wollte die Spitze der Berner Politik, die wahren Sicherheitskosten für die Olympischen Spiele 2026 verschweigen? Ständerat Hans Stöckli (SP) verneint erzürnt und fordert Transparenz.

Olympiafreund Hans Stöckli.

Olympiafreund Hans Stöckli.

(Bild: Keystone Anthony Anex)

Stefan von Bergen@StefanvonBergen

SP-Ständerat Hans Stöckli ist verärgert. Denn am Wochenende behauptete die «SonntagsZeitung», vor allem er habe an einer vertraulichen Sitzung mit der Berner Kantonsregierung für ein Stillhalteabkommen geweibelt: Die neu berechneten Sicherheitskosten für Olympische Winterspiele 2026 in Sitten seien bis nach der Walliser Kantonsabstimmung vom 10. Juni zu verschweigen.

Die Zeitung schrieb, Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP) rechne nicht mehr wie bisher mit 10 Millionen Franken, sondern dem doppelten oder gar dem dreifachen Betrag.

«Ich habe mich an der Sitzung vom letzten Mittwoch mit keiner Silbe zu der Olympiakandidatur geäussert. Es ist also objektiv falsch, zu behaupten, ich wolle etwas verschweigen», sagt Stöckli. Entweder lüge die Zeitung, die sich auf mehrere direkt involvierte Quellen beruft, oder aber zwei bis drei Personen, die an der Sitzung anwesend waren. Laut Stöckli waren das: er selber, sein Ständeratskollege Werner Luginbühl (BDP), die vollzählige Kantonsregierung, Staatsschreiber Christoph Auer und Regierungssprecher Christian Kräuchi.

Wer hat da geplaudert?

Stöcklis Zorn erklärt sich auch daraus, dass er Vizepräsident des Kandidaturkomitees Sion 2026 ist. «Die unwahren Aussagen über die angebliche Verschleierung bedeuten eine willentliche Schädigung der Olympiakandidatur», erklärt er. Noch nie habe er «einen so krassen Regelverstoss durch Mitglieder des Regierungsrats oder aber durch eine Zeitung» erlebt. «Wenn die Gespräche mit der Berner Regierung nicht mehr vertraulich sind, brauche ich nicht mehr dabei zu sein», findet Stöckli.

«Die unwahren Aussagen über die angebliche Verschleierung bedeuten eine willentliche Schädigung der Olympiakandidatur.»Hans Stöckli

Vom Berner Regierungsrat fordert er nun Klarheit, wie und durch wen es zu den Behauptungen der Zeitung kommen konnte. Regierungssprecher Christian Kräuchi zeigte gestern Verständnis für Stöcklis Zorn, konnte aber noch keine Angaben machen. Die Regierung diskutiere das Thema erst an ihrer heutigen Sitzung. Er gehe davon aus, dass sie anschliessend eine Verlautbarung publiziere.

«Einen so krassen Regelverstoss durch Mitglieder des Regierungsrats oder aber durch eine Zeitung habe ich noch nie erlebt.»Hans Stöckli

Ist es denkbar, dass Regierungsmitglieder Inhalte der vertraulichen Sitzung ausgeplaudert haben? «Ich kann das nicht ausschliessen, weil ich es nicht weiss», sagt Kräuchi. Er könne nur von sich sagen, dass er es nicht gewesen sei.

Ammanns Andeutung

Die Aufregung über die angeblich höheren Sicherheitskosten hat sich Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann auch ein Stück weit selber zuzuschreiben. Denn er hat am 4. Mai im «Regionaljournal» von Radio SRF erklärt, dass man «Stand heute, mit neusten Zahlen, die erst im Entwurf vorliegen, von höheren Kosten ausgehen» müsse.

Auf diese Aussage stützte sich der grüne Walliser Kantonsparlamentarier Thierry Largey, als er mit einer Interpellation wissen wollte, ob auch die Walliser Sicherheitskosten höher ausfallen. Mündlich habe ihm die Walliser Regierung versichert, dass das nicht so sei, sagt Olympiagegner Largey.

Er habe aber keine ­verlässlichen Angaben über die ­Sicherheitskosten erhalten. Dass Volkswirtschaftsdirektor Ammann nach seiner Äusserung im «Regionaljournal» nun die höheren Kosten dementiere, mache die Lage nicht transparenter, findet Largey. Es würde ihn nicht wundern, wenn die Unklarheiten am 10. Juni bei der Walliser Abstimmung eine Rolle spielen. Ein Nein zum geforderten 100-Millionen-Kredit würde das vorzeitige Ende der Olympiaträume bedeuten.

Der Kanton Bern verfüge bisher lediglich über geschätzte, aber nicht über errechnete Zahlen, sagt Hans Stöckli. Die verbindlichen Kosten müsse der Volkswirtschaftsdirektor für seinen Antrag an Regierungsrat und Grossen Rat erst eruieren, nimmt Stöckli seinen Parteikollegen Ammann in Schutz. Die Walliser aber hätten die Sicherheitskosten schon exakt berechnet – es sind 40 der vorgelegten 100 Millionen Franken. Deshalb sei es falsch zu behaupten, höhere Berner würden auch höhere Walliser Sicherheitskosten bedeuten, sagt Stöckli.

Bei den Kosten spielt eine Rolle, dass die Olympiaaustragungsorte für den Einsatz von Polizisten aus anderen Kantonen bezahlen müssen.

Berner Zeitung

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