Alle gegen Ruedi Matter

Der SRF-Chef im Gegenwind: Die Stadt- und Kantonsregierungen von Bern, Freiburg und Wallis wehren sich gegen den Umzug der Radiostudios von Bern nach Zürich.

Kämpferisch: Thierry Steiert, Stadtammann von Freiburg, der Berner Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann, der Freiburger Ständerat Beat Vonlanthen, der Berner Regierungspräsident Bernhard Pulver und der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (v. r.) stellen sich gegen die SRG-Führung.

Kämpferisch: Thierry Steiert, Stadtammann von Freiburg, der Berner Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann, der Freiburger Ständerat Beat Vonlanthen, der Berner Regierungspräsident Bernhard Pulver und der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (v. r.) stellen sich gegen die SRG-Führung.

(Bild: Nicole Philipp)

Philippe Müller

Die Bombe platzte am 4. April: Genau einen Monat nach der Volksabstimmung zur No-Billag-Initiative gab die SRG bekannt, dass sie den Umzug der Radiostudios von der Berner Schwarztorstrasse nach Zürich Leutschenbach erwäge.

Diese Ankündigung liess im Hintergrund die Drähte und die Köpfe glühen. Auf verschiedenen Ebenen formierte sich Widerstand, der gestern in einer gemeinsamen Medienkonferenz der Städte Bern und Freiburg sowie der Kantone Bern, Freiburg, Wallis und der Hauptstadtregion Schweiz gipfelte.

Die Worte, die dort fielen, ­waren deutlich. «Diese Idee gehört in den Papierkorb», sagte etwa der Freiburger Ständerat Beat Vonlanthen (CVP). Mit dem Nein zu No Billag habe die Stimm­bevölkerung auch klargemacht, dass sie weiterhin eine regionale Verankerung der SRG wünsche.

Der Berner Volkswirtschafts­direktor Christoph Ammann (SP) doppelte nach: «Das ist keine idée suisse, sondern eine idée Leutschenbach.» Die Bundeshauptstadt Bern ohne starken SRG-Standort sei «undenkbar».

Für den Walliser Staatsrat Christophe Darbellay (CVP) ist das SRG-Manöver nicht überraschend: «Es ist nicht das erste Mal, dass wir für Bern kämpfen müssen. Ich erinnere mich, dass früher die Parteipräsidenten nach Abstimmungen nach Zürich fahren mussten. Erst später ­haben wir erreicht, dass im Bundeshaus ein Medienzentrum eingerichtet wurde.»

Selbstbewusste Forderung

Die prominenten Redner zerzausten nicht nur die Umzugspläne der SRG, sie platzierten auch gleich eine selbstbewusste Forderung: «Wir verlangen, dass in Bern, im politischen Zentrum der Schweiz, ein Kompetenzzentrum Information inklusive Forschung und Entwicklung mit der Inlandberichterstattung, SRF News, SRF Wirtschaft und den Auslandkorrespondenten geschaffen wird», so Ammann.

Wie die SRG auf die Kritik und die Ausbauforderung reagiert, ist nicht klar. Fest steht, dass die Kantone nun den Dialog mit dem Verwaltungsrat suchen. Vom politisch zusammengesetzten Gremium um Präsident Jean­Michel Cina erhoffen sie sich mehr Verständnis für eine regionale Verteilung der Redaktionen als von der operativen Führung um Ruedi Matter. Dieser hatte letzte Woche in einem Interview keinen Zweifel daran gelassen, dass er die Radiostudios in Zürich ansiedeln möchte und sich davon Synergien verspricht.

Einen Entscheid dürfte der SRG-Verwaltungsrat im Verlauf des Jahres fällen.

Berner Zeitung

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