Staatsanwalt zieht den Freispruch weiter

Wirren um einen Trickdiebstahl: Das Bundesgericht muss sich mit einem Fall beschäftigen, der den Kanton viel Geld kosten könnte.

In diesem Fall geht es um einen sogenannten Rip-Deal, der jedoch fehlgeschlagen ist.

In diesem Fall geht es um einen sogenannten Rip-Deal, der jedoch fehlgeschlagen ist.

(Bild: Keystone/Martin Rütschi)

Hans Ulrich Schaad

Das Berner Obergericht hat im letzten Monat einen Mann freigesprochen, der im Juni 2016 an einem missglücktem Trickdiebstahl in einer Berner Bank beteiligt gewesen sein soll. Das Gericht begründete den Freispruch damit, dass belastende Aussage gegen ihn nicht verwertet werden dürfen. Der Beschuldigte habe keine Möglichkeit mehr gehabt, den beiden Zeugen – es sind Mittäter – in einer direkten Konfrontation Fragen zu stellen und damit deren Glaubwürdigkeit zu testen. Die übrigen Beweise und Indizien reichten für einen Schuldspruch nicht aus. Das Regionalgericht Bern-Mittelland hatte den Mann noch zu einer Gefängnisstrafe von 39 Monaten verurteilt.

Mit dieser nicht mehr stattgefundenen Konfrontation seien die Verteidigungsrechte verletzt worden, argumentiert das Obergericht. Dieses Versäumnis haben die Behörden zu verantworten. Die Zeugen konnten später nicht mehr aufgeboten werden, weil sie nach ihrer bedingten Entlassung aus dem Gefängnis ins Ausland gereist respektive ausgeschafft worden sind. Die Staatsanwaltschaft stellte sich auf den Standpunkt, dass eine weitere Befragung nicht mehr nötig gewesen sei.

Die Generalstaatsanwaltschaft hat inzwischen entschieden, das Urteil ans Bundesgericht weiterzuziehen. Die Beschwerde werde in den nächsten Tagen nach Lausanne geschickt, schreibt Markus Scholl, der stellvertretende Informationschef der Staatsanwaltschaft.

Es geht in diesem Fall eines sogenannten Rip-Deals nicht nur um den Freispruch, sondern auch um viel Geld für den Kanton. Der Mann sass insgesamt 627 Tage in Italien und der Schweiz in Haft, dazu kamen gut 200 Tage Hausarrest in Italien. Dafür soll er mit rund 80'000 Franken entschädigt werden. Hinzu kommen Verfahrenskosten und Honorare der Verteidigung von 40'000 Franken.

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