Sparziel bei den Schulen fast erreicht

Die Vorgabe galt als kaum umsetzbar. Trotzdem rechnet Erziehungsdirektor Bernhard Pulver damit, dass er im Schuljahr 2015/2016 bei der Volksschule 10,7 Millionen Franken einsparen kann.

Erziehungsdirektor Bernhard Pulver hat «erstaunlich wenige negative Rückmeldungen erhalten».

Erziehungsdirektor Bernhard Pulver hat «erstaunlich wenige negative Rückmeldungen erhalten».

(Bild: Andreas Blatter)

Marius Aschwanden

Dass es beinahe eine Punktlandung wird, hat wohl niemand erwartet. Ganz besonders nicht, weil die vom Grossen Rat beschlossene Sparmassnahme bei der Volksschule aus dem sogenannten Giftschrank stammt. Dorthin hat die Berner Regierung 2013 während der Spardebatte Vorschläge verfrachtet, die sie zwar selber gemacht hat, jedoch für besonders schädlich und kaum umsetzbar hielt.

Jetzt aber könnte es Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) annähernd schaffen, wie verlangt auf das Schuljahr 2015/2016 jährlich 11 Millionen Franken einzusparen. «Wir gehen für das laufende Schuljahr von Einsparungen über 10,7 Millionen Franken aus», sagt Pulver.

Dies, obschon die durchschnittliche Klassengrösse im Kanton Bern mit 19,1 Schülern nach wie vor unter dem vom Grossen Rat geforderten Schnitt von 19,7 liegt.

Aufschrei blieb aus

«Weil wir ein eher ländlicher Kanton sind, konnten wir die Klassengrösse nicht beliebig erhöhen. Deshalb haben wir primär bei der Anzahl Lektionen gespart», sagt Pulver. Er nennt etwa Spezialstunden mit nur einem Teil einer Klasse oder andere Unterstützungsmassnahmen, die mancherorts gestrichen worden seien.

In den letzten zwei Jahren wurden zudem 79?Klassen geschlossen – der grösste Teil im vergangenen Schuljahr. Gleichzeitig sind die Schülerzahlen von 81'371 auf 81'800 angestiegen. Aktuell werden im Kanton Bern 4284 Klassen unterrichtet.

Mit diesen Massnahmen hat sich Pulver nicht nur Freunde gemacht. Der ganz grosse Aufschrei blieb aber aus. «Das Schulinspektorat ist bei der Umsetzung extrem sorgfältig vorgegangen. Dies hat sicherlich dazu beigetragen, dass wir erstaunlich wenige negative Rückmeldungen erhalten haben», sagt der Erziehungsdirektor.

Zudem gebe es auch gegenläufige Tendenzen zu den Sparmassnahmen. «Wo es nötig ist, können wir auch wieder investieren. So bauen wir derzeit etwa die Deutschkurse für Migrantinnen und Migranten aus.» Solch positive Zeichen seien insbesondere für die Lehrer wichtig.

Lebe kritisiert Gemeinden

Auch Christoph Michel vom Berner Lehrerverband Lebe spricht von einer Umsetzung der Sparvorgaben «mit Bedacht» – aber: «Es gab Härtefälle. Wenn ein Lehrer sein Pensum verliert und sich an einem komplett anderen Ort wieder in ein Kollegium integrieren muss, ist dies immer schwierig», sagt er.

Lebe geht davon aus, dass aufgrund der Massnahmen rund 130 Vollzeitstellen bei der Volksschule abgebaut wurden oder noch werden. Einen genauen Überblick hat aber weder Lebe noch die Erziehungsdirektion. «Ob mehrheitlich die Pensen reduziert und damit ein Lohnabbau vorgenommen wurden oder der Abbau mit der natürlichen Fluktuation aufgefangen werden konnte, wissen wir nicht», sagt Michel.

Manche Gemeinden hätten zudem die Sparvorgaben als Vorwand benutzt, um Klassen schneller zu schliessen, als es vom Schulinspektorat verlangt wurde. Denn seit der neuen Finanzierung der Volksschule werden Gemeinden mit gegen 100'000 Franken entlastet, wenn sie eine Klasse schliessen.

Courant normal in der Schule

Bleibt der Fakt, dass die Klassengrösse im Kanton Bern nach wie vor kleiner ist, als vom Grossen Rat gefordert. Sollte sich aber der prognostizierte Sparbetrag von beinahe 11 Millionen Franken bewahrheiten, will Pulver die Klassen nicht mehr weiter vergrössern. «Ich gehe davon aus, dass sich die Zahl irgendwo bei 19,2 Schülern einpendeln wird.»

Nach den massiven Einschnitten folgt jetzt also wieder der Courant normal. Pulver: «Für uns heisst das aber nichts anderes, als weiterhin kostenbewusst zu arbeiten.»

Berner Zeitung

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