«Sozialinspektoren haben auch eine präventive Wirkung»

Für den Kanton lohnt sich der Einsatz von Sozialinspektoren finanziell: Die Massnahme kostet weniger, als dadurch in die Kasse zurückfliesst.

Janine Heldner, Leiterin Abteilung Existenzsicherung bei der kantonalen Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF).

Janine Heldner, Leiterin Abteilung Existenzsicherung bei der kantonalen Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF).

(Bild: zvg)

Frau Heldner, hat der Missbrauch in der Sozialhilfe tatsächlich zugenommen, oder schaut man einfach genauer hin als früher?Janine Heldner:Die Sozialdienste hatten schon immer den Auftrag, genau hinzuschauen. Die Verantwortlichen machen ihre Arbeit richtig und gut. Wenn sie allerdings selber nicht mehr weiterkommen, bietet der Kanton seit 2012 die Hilfe von Sozial­inspektoren an. Auf diese Weise kann natürlich in einem Verdachtsfall eher Klarheit gewonnen werden.

In welchen Fällen ziehen Sozialdienste Inspektoren bei? Vieles können Sozialarbeiter selber abklären. Oft stossen sie aber an ihre Grenzen. Wenn es beispielsweise darum geht, herauszufinden, ob ein Sozialhilfebezüger einen Untermieter einquartiert hat oder schwarzarbeiten geht, haben Inspektoren andere Mittel als Sozialarbeiter.

Sie meinen zum Beispiel Observationen? Zum Beispiel. Sozialinspektoren machen aber auch unangemeldete Hausbesuche oder aufwendige Internetrecherchen.

Lohnt sich der Einsatz von Sozialinspektoren für den Kanton finanziell? Ja, das Verhältnis von Aufwand und Ertrag ist positiv. Die Summe von zu Unrecht bezogener Sozialhilfe, die zurückgezahlt werden muss, ist höher als die Kosten für die Inspektoren. Dazu kommt noch die aus unserer Sicht präventive Wirkung der Sozialinspektoren. Die Hürde für einen missbräuchlichen Bezug ist doch deutlich höher, wenn jemand weiss, dass er überprüft werden kann.

Müssen die Sozialdienste das kantonsinterne Angebot in ­Anspruch nehmen, wenn sie Inspektoren benötigen? Die Mehrheit der Sozialdienste macht dies, weil die Kosten so über den Leistungsvertrag abgegolten sind. Sie dürfen aber auch private Firmen beauftragen und die Rückerstattung der Kosten beantragen.

Berner Zeitung

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