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So kommentiert die Schweizer Presse die Berner Ständeratswahl

Werner Luginbühl (BDP) und Hans Stöckli (SP) wurden am Sonntag in den Ständerat gewählt, während für den abgewählten Adrian Amstutz (SVP) noch der Nationalrat bleibt. Am Montag schreiben die Schweizer Medien vor allem über Stöckli und Amstutz.

Die spektakuläre Wahl des Berner Ständerates ist ein grosses Thema in den Schweizer Zeitungen.
Die spektakuläre Wahl des Berner Ständerates ist ein grosses Thema in den Schweizer Zeitungen.
Adrian Kammer
Trotz drei gewonnenen Wahlgängen, ist Amstutz der Verlierer.
Trotz drei gewonnenen Wahlgängen, ist Amstutz der Verlierer.
Adrian Kammer
Die NZZ titelt gewohnt nüchtern.
Die NZZ titelt gewohnt nüchtern.
Adrian Kammer
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Der Bund

«Seriensieger Amstutz wird von Stöckli abgefangen», titelt der Bund am Montag zum Wahlspektakel am Sonntag. Der Fokus liegt beim grossen Verlierer Adrian Amstutz (SVP) und beim Gewinner Hans Stöckli (SP). Stöckli ist der Gewinner des Tages, obwohl Werner Luginbühl (BDP) viel mehr Stimmen holte. So schreibt auch der «Bund»: «Vom grossen Sieger, dem Bisherigen BDP-Ständerat, Werner Luginbühl, sprach gestern schon fast niemand mehr.»

Tagesanzeiger

Der Tagesanzeiger kommentiert den Wahlausgang in Bern mit dem Titel «Stöckli verdrängt Amstutz aus dem Stöckli». Titel und Artikel drehen sich hier auch um die Achse Amstutz-Stöckli.

Die Zeitung hält fest, dass sich Kandidaten durchsetzten, welche sich auch einmal von der reinen Lehre ihrer Parteien distanzierten. Während Amstutz auf der Zürcher SVP-Linie politisiere, wolle Stöckli nicht inbedingt den Kapitalismus abschaffen wie im SP-Parteiprogramm vorgesehen. So habe der als pragmatisch geltende Stöckli das Rennen gemacht.

Bieler Tagblatt

Das Bieler Tagblatt spricht von einer «sensationellen Wahl von Hans Stöckli». Bei der Seeländer Zeitung überwiegt das Interesse am Sieg des ehemaligen Bieler Stadtpräsidenten. Sein Geschick im Wahlkampf wird gelobt. Seine Ankunft bei den SP-Mitgliedern vor der Krone in Bern wird mit der Ankunft eines Messias verglichen. Der Titel des Artikels heisst «Wahlvolk erhört die Signale» und lehnt an den Text der Internationalen an, welche die Genossen der SP am Sonntag gesungen haben.

Im Bieler Tagblatt äussern sich die Seeländer Politiker erfreut über ihre Vertretung im Ständerat. Auch politische Gegner wie der Nidauer Stadtpräsident und FDP-Grossrat Adrian Kneubühler zollen Hans Stöckli Respekt. So sagt er zum Bieler Tagblatt: «Kein anderer Seeländer hätte geschafft, was Stöckli gelungen ist.»

Blick

Der Blick stellt SVP-Kandidat Amstutz in den Vordergrund. «Neue Schlappe für die Blocher-SVP: Das Volk wählt Amstutz ab» lautet die Überschrift. Der Blick sieht die Abwahl als eine Art Rache der BDP. So schreibt er: «Bei der BDP vergass jedenfalls keiner, dass die SVP am 14. Dezember Bundesrätin Eviline Widmer-Schlumpf aus dem Bundesrat entfernen will.»

Der Blick setzt die Abwahl von Amstutz in einen gesamtschweizerischen Kontext und sieht sie als weitere Schlappe der SVP nach dem Scheitern von Fraktionschef Caspar Baader (BL) und Partei-Vize Jean-François Rime (FR) bei ihrem «Sturm aufs Stöckli».

Südostschweiz

Klare Worte zum Wahlausgang findet David Sieber, Chefredaktor der Zeitung «Südostschweiz». Unter dem Titel «Sturm aufs Stöckli ist ein Rohrkrepierer» schreibt er unter anderem: « ... Richard Gere aus dem Berner Oberland ist, um in der Filmsprache zu bleiben, kein Garant für einen Blockbuster, sondern pures Kassengift.» Weiter sagt er, es sei peinlich, dass ein grosser Star der SVP wie Adrian Amstutz seinen Platz im Ständerat nach nur acht Monaten wieder räumen muss.

Den Sieg von Stöckli sieht Sieber nicht als Sieg seiner Partei, sondern als Sieg seiner Person. Die Abwahl von Amstutz deutet er jedoch als klares Nein der Wähler zu der extremen politischen Linie der SVP. Wenn aus dem Trio Toni Brunner (SG), Christoph Blocher (ZH) und Ulrich Giezendanner (AG) am nächsten Sonntag nicht mindestens zwei gewählt werden, hätte die SVP schwierige Zeiten vor sich.

NZZ

Daniel Gerny von der Neuen Zürcher Zeitung zeigt sich wenig überrascht über die Wiederwahl von Luginbühl. Für erstaunlich befand er den Einzug von Stöckli in die kleine Kammer und bezeichnet ihn als Coup. Für ihn war Amstutz als Mitglied der wählerstärksten Partei der Favorit und sein Gegner Stöckli nicht unschlagbar. Dies mache die Niederlage für Amstutz wohl besonders bitter.

Die Gründe für die Abwahl von Amstutz sieht Gerny in der mangelnden Unterstützung der anderen Parteien. Zudem sei Stöckli wählbarer als Ursula Wyss, gegen die sich Amstutz bei den Ersatzwahlen im Frühling behaupten konnte, da er moderater ist. Für Gerny kam der Wahlausgang überraschend und auch er sieht ihn im nationalen Zusammenhang: «Amstutz’ überraschende Abwahl steht für die desolate Bilanz des gross inszenierten SVP-Sturms.»

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