SBB müssen dringend Klarheit schaffen

Ressortleiter Stephan Künzi über den Streit von SBB und BLS im Fernverkehr.

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Im Fernverkehrsgerangel mit der BLS machen die SBB eine immer schlechtere Falle. Ja, mittlerweile darf man die Art, wie die grosse nationale Bahn die kleine kantonale Mitbewerberin an die Wand zu drücken versucht, mit Fug und Recht als Trauerspiel bezeichnen. Erst ­offerieren die SBB als Alternative zum umstrittenen BLS-Neubau Platz in den eigenen Werkstätten, was sie doch ­gerade erst noch als völlig unmöglich ­bezeichnet haben. Dann verweigern sie dem Kanton als BLS-Mehrheitseigner die Unterschrift unter den Baurechtsvertrag für den neuen Fachhochschulcampus in Bern. Mal ein bisschen Zuckerbrot, mal sehr viel Peitsche: Mit diesen Manövern verspielen sich die SBB nicht nur viele Sympathien, sie untergraben auch ihre Glaubwürdigkeit.

Dabei hätten die SBB dies gar nicht nötig. Zu gut hört sich an, was sie eng verknüpft mit den Werkstättenkapazitäten anbieten. Sie wollen der BLS ein paar Regionallinien abtreten, vor allem aber die BLS in ähnlichem Umfang für den gemeinsamen Betrieb von Strecken im Fernverkehr gewinnen. Die BLS kann sich dann zwar in diesem zweiten Bereich nicht mehr wie geplant als Bahn profilieren, die in freier unternehmerischer Verantwortung handelt. Dafür ist es ihr mit dem gebotenen Paket möglich, ihr Netz massvoll zu ergänzen und organisch abzurunden. Die Abgeltungen, die auf den zusätzlichen Regionallinien von der öffentlichen Hand und auf den Strecken im Fernverkehr von den SBB winken, minimieren obendrein das wirtschaftliche Risiko. Dem Kanton Bern und seinen Steuerzahlern dürfte es nur recht sein, wenn sich ihre Bahn nicht auf ein unternehmerisches Experiment mit vielen offenen Fragen einlässt.

Doch statt auf die Stärken ihres Angebots zu vertrauen, setzen die SBB auf ein reines Machtspiel. Dass sie in ihren Werkstätten nur Platz machen wollen, wenn die BLS im Regional- und vor allem im Fernverkehr nach ihrer Pfeife tanzt, hat ihnen schon in den letzten Wochen den Vorwurf eingetragen, in unzulässiger Art Themen ohne eigentlichen Bezug zueinander zu vermischen. Wenn sie nun sogar einen Baurechtsvertrag des Kantons mit der Fernverkehrsfrage der BLS verknüpfen, lässt sich dieser Verdacht definitiv nicht mehr wegwischen.

Die SBB betonen zwar offiziell, die beiden Geschäfte hätten nichts miteinander zu tun. In der aktuellen Situation wirkt diese Beteuerung aber etwas gar scheinheilig. Zumal die Verantwortlichen beim Thema Werkstätte den Beweis, dass es ihnen wirklich ernst ist, nach wie vor schuldig sind. Nach dem so lange so kategorischen Nein lassen sie nach wie vor offen, wie genau sie auf ihren Anlagen, von denen keine in der engeren Region Bern liegt, überhaupt Platz schaffen wollen. Wenn sie glaubwürdig bleiben wollen, müssen sie in diesem Punkt dringend Klarheit schaffen.

Berner Zeitung

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