Salzmann will – Brand vielleicht auch

Werner Salzmann will Ständerat werden. Neben ihm bewerben sich Nationalrat Rudolf Joder – und Überraschung: möglicherweise auch der Chef der Grossratsfraktion, Peter Brand.

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Jetzt ist es definitiv: Ausschlaggebend für seinen Entscheid sei die Frage gewesen, ob seine Kandidatur der Berner SVP etwas bringe, erklärte Werner Salzmann am Mittwoch nach der offiziellen Bekanntgabe seiner Kandidatur. Er sei überzeugt, dass die SVP mit ihm als Ständeratskandidaten den Wahlkampf beleben könne. Und er freue sich über die Unterstützung, die ihm nicht nur aus der Bundeshausfraktion, sondern auch aus den Landesteilen zugesichert worden sei.

Mit Salzmann hat der Favorit innerhalb der grössten Berner Partei bereits früh die Karten auf den Tisch gelegt. Als Präsident müsste ihm die Nomination so gut wie sicher sein.

Brand überlegt noch

Neben Salzmann bewirbt sich auch der Belper Nationalrat Rudolf Joder, der sein Interesse bereits Mitte Juni angemeldet hat. Er dürfte an seiner Kandidatur festhalten, gestern war er für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Sicher nicht antreten werden die anderen Berner SVP-Nationalräte. Auch Regierungsrat Christoph Neuhaus hat gegenüber der Zeitung «Der Bund» bereits erklärt, er stehe nicht zur Verfügung, wenn der Parteipräsident antrete.

Eine ernst zu nehmende Möglichkeit bleibt hingegen noch offen: SVP-Fraktionschef Peter Brand sagte gestern auf Anfrage, dass er sich «diese Frage noch nicht im Detail überlegt» hat und er sich die Antwort deshalb offen lasse. Peter Brand unterlag an der Delegiertenversammlung Ende 2012 Werner Salzmann bei der Wahl des neuen Parteipräsidenten nur knapp mit 214 gegen 224 Stimmen.

Würde auch Brand antreten, könnte es bereits Anfang September spannend werden, wenn die SVP Mittelland-Nord, der sowohl er als auch Salzmann angehören, ihre Kandidaten küren. Vollends brisant wird es wenige Tage später, wenn der Landesteilverband Mittelland seine Kandidaten bestimmt und die Bewerber aus den Teilverbänden Süd Stadt Bern und Nord zur Wahl stehen. Möglich ist aber auch, dass die Mittelländer der Kantonalpartei alle drei Kandidaturen unterbreiten.

Pikant ist an dieser Ausgangslage, dass der ehemalige Präsident der Berner SVP gegen seinen eigenen Nachfolger antritt. Und dass die SVP mit dem Chef der Grossratsfraktion und dem lange als Favoriten für das Präsidium gehandelten Peter Brand einen weiteren Bewerber hat, den sie mit der Ständeratskandidatur gewissermassen für die damalige Niederlage «entschädigen» könnte. Tritt Brand an, könnte es eine spannende Ausmarchung geben.

Rudolf Joder hingegen dürfte nur Aussenseiterchancen haben. Schon vorher eher ein Einzelgänger innerhalb der Partei, schmälerte er seine Chancen zusätzlich, als er seine Nomination im Juni in einer überstürzten Aktion bekannt gab. Dabei behauptete er in der entsprechenden Mitteilung, die SVP Mittelland-Süd habe seine Kandidatur «einstimmig» beschlossen, obwohl das Thema weder traktandiert noch darüber abgestimmt worden war. Später erklärte er, es habe ein Missverständnis gegeben und ihm sei ein Fehler unterlaufen.

Umkämpfte Poleposition

Dass das Gedränge um die Ständeratskandidatur innerhalb der SVP so gross ist, hat paradoxerweise mit dem Ständerat nur wenig zu tun. Wer auch immer für die Partei antritt, wird kaum Ständerat. Viel mehr geht es um die Poleposition für den Nationalrat, für den neu antretende Ständeratskandidaten jeweils gleichzeitig kandidieren und damit den Sitz mehr oder weniger auf sicher haben.

Alles deutet nämlich darauf hin, dass die beiden bisherigen Berner Ständeräte Werner Luginbühl (BDP) und Hans Stöckli (SP) 2015 ebenfalls kandidieren werden. Offen ist zurzeit vor allem, ob allenfalls wie bei den Berner Regierungswahlen ein Päckli von SVP, FDP und BDP gegen die SP geschnürt wird.

«Aus meiner Sicht halte ich das zurzeit für unwahrscheinlich», sagt dazu BDP-Präsident Heinz Siegenthaler, der ab November Ursula Haller im Nationalrat ersetzt. Die Wahlanalyse der BDP habe ergeben, dass das Zusammengehen mit der SVP in der kantonalen Wahl einer der Hauptgründe für das schlechte Abschneiden der BDP war. Auch bei der FDP sind keine Signale für ein Päckli auszumachen. «Über diese Frage werden wir erst später entscheiden», sagt Parteisekretär Stefan Nobs. Wahrscheinlicher ist, dass angesichts der Ausgangslage auch die FDP mit einer eigenen Kandidatur antritt, um ihren Wahlkampf zu befeuern.

Berner Zeitung

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