Salzbatterie speichert Solarstrom

Die BLS spart in Technikgebäuden und Schaltstationen Strom. Dies mit weniger Dämmung, Solaranlagen und Salzbatterien.

Die Solarpanels auf der neuen Schaltstation Holligen. Foto: Nicole Philipp

Die Solarpanels auf der neuen Schaltstation Holligen. Foto: Nicole Philipp

Julian Witschi

Von Bern-Holligen aus, unweit des Freibads Weyermannshaus, versorgt die BLS die Bahnlinien im Westen von Bern mit Elektrizität. Der Starkstrom für die Fahrleitungen kommt zwar weiterhin vornehmlich aus Wasserkraftwerken. Die technischen Geräte in der neuen Schaltstation betreibt die BLS aber mit Solarstrom.

Auf dem Dach sind dazu Solarpanels mit einer Fläche von rund 70 Quadratmetern montiert, wie Elmar Bumann sagt. Der Leiter Ausführung Hochbau der BLS zeigt sich bei einem Rundgang stolz über die Pionierarbeit.

Um überschüssigen Solarstrom speichern zu können, verwendet die BLS als erstes Bahnunternehmen Salzbatterien.Bumann preist deren Vorteile, sodass man zuerst nicht ver­stehen kann, warum Salzbatterien nicht schon viel häufiger anstelle von Lithium- oder Blei­batterien eingesetzt werden. Allerdings benötigen sie geschmolzenes Salz und damit eine Betriebstemperatur von gegen 300 Grad mit entsprechender Isolation. Sie eignen sich damit weniger für kleine, tragbare Geräte als für die stationäre Stromspeicherung.

«Das neue Technikgebäude benötigt fast zwei Drittel weniger Strom.»Marc Hächler, Leiter Gebäudetechnik der BLS

Die BLS habe sich für Salz­batterien entschieden, weil diese umweltfreundlich seien, da sie aus Kochsalz, Nickel, Eisen und Keramik bestünden, sagt Bumann. Diese Rohstoffe könnten unproblematisch gewonnen und rezykliert werden. Geliefert wurden die Salzbatterien von der Tessiner Herstellerin FZSoNick.

Insgesamt günstiger

Über das Ganze gesehen seien Salzbatterien günstiger, sagt Marc Hächler, Leiter Gebäudetechnik der BLS. So können sie im Gegensatz zu Blei- oder Lithiumbatterien weder brennen noch explodieren. Entsprechend sind geringere Brandschutzmassnahmen nötig. Und der Platzbedarf ist ein Drittel ge­ringer. Die Salzbatterien dienen auch als eine Art Notstromaggregat für Signale, Stellwerke und Perronanzeigen.

Ein weiterer Vorteil von Salzbatterien ist, dass sie in kalten oder sehr warmen Räumen nicht an Leistung einbüssen. Die Schaltstation Holligen hat die BLS deshalb nicht mehr stark isoliert. Die Abwärme der technischen Ge­räte soll so besser durch die Gebäudehülle entweichen können. Im Winter kühle die Aussenluft den Raum, erklärt Hächler. Im Frühling und im Herbst wird das Raumklima über Umluft reguliert, konkret mit der Umwälzung kühlerer Bodenluft aus einem Hohlraum unter den Geräten. Im Sommer wird das Gebäude mit Solarstrom gekühlt.

Die Solaranlage deckt zudem im Sommer den gesamten Energiebedarf, dank der Salzbatterien auch über Nacht. Im Frühling und im Herbst sind es 50 bis70 Prozent und während dersonnenarmen Wintermonate nur 10 Prozent. Der restliche Strom wird dann aus dem Netz bezogen. Denn ein grosses Problem kann auch die Salzbatterie nicht lösen: Strom saisonal speichern.

Insgesamt könne mit der neuen Strategie fast zwei Drittel des Energiebedarfs des Technikgebäudes eingespart werden, sagt Hächler. Das entspreche der jährlichen Kühlleistung von etwa vierzehn Kühlschränken. Das sind für ein Bahnunternehmen zwar nicht gewaltige Mengen, aber der BLS gehe es darum, «Schritt für Schritt einen Beitrag zur Energiestrategie des Bundes zu leisten». Nach der Schalt­station Holligen und dem Stellwerk in Menznau LU sollen nächstes Jahr auch Technikgebäude in Biglen und Biberist SO mit Solaranlagen und Salzbatterien ausgerüstet werden.

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