Rickenbacher fordert Medizin-ETH für Bern

Der Volkswirtschaftsdirektor lanciert die Idee einer eidgenössischen medizinischen Hochschule in Bern. Eine solche würde das Inselspital stärken und den Kanton wirtschaftlich weiterbringen, ist Andreas Rickenbacher überzeugt.

Noch spricht Andreas Rickenbacher von einer Vision, doch die Vorteile für die Bundeshauptstadt wären konkret: Dem bernischen Volkswirtschaftsdirektor schwebt eine eidgenössische Hochschule für Medizin in Bern vor.

Noch spricht Andreas Rickenbacher von einer Vision, doch die Vorteile für die Bundeshauptstadt wären konkret: Dem bernischen Volkswirtschaftsdirektor schwebt eine eidgenössische Hochschule für Medizin in Bern vor.

(Bild: Andreas Blatter)

Der Bund soll Bern zu einem Zentrum der Medizin machen: Aus dem Inselspital wird ein Kompetenzzentrum für Gesundheit, in der Bundeshauptstadt öffnet eine eidgenössische medizinische Hochschule ihre Tore, und im Kanton Bern siedeln sich Unternehmen aus der Medizinbranche an.

Der bernische Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher (SP) glaubt, dass Bern das Potenzial hat, um seine Idee umzusetzen. Er lanciert sie deshalb heute an einem Gastvortrag am Inselspital. Die Kantone und ihre Universitäten hätten zunehmend Mühe, die nötigen finanziellen Mittel für die Medizin aufzubringen, hält Rickenbacher gemäss Redetext fest. Man könne sich eine Verzettelung der Kräfte im Gesundheitsbereich deshalb nicht länger leisten. Damit die Schweiz sich weiterhin dem globalen Wettbewerb stellen könne, müsse der Bund das Heft in die Hand nehmen, denn nur er könne das nötige Geld bereitstellen.

Klares Erfolgsrezept

Dass eine solche eidgenössische medizinische Hochschule ihren Standort in Bern haben müsste, liegt für den bernischen Volkswirtschaftsdirektor auf der Hand. Bern liege zentral und habe den Vorteil, dass bereits das Bundesamt für Gesundheit sowie das Heilmittelinstitut Swissmedic hier angesiedelt seien. Zudem verweist Rickenbacher auf die grosse wirtschaftliche Chance für den Kanton Bern, denn eine solche Bundesinstitution würde Unternehmen aus der Medizinbranche anziehen. Das Erfolgsrezept sei das Miteinander von Forschung, Ausbildung, Medizintechnik und Klinik, so Rickenbacher.

Harte Konkurrenz

Auf dieses Erfolgsrezept setzen allerdings auch andere Kantone, und etwa Zürich ist Bern bereits einige Schritte voraus. Ende September hat die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) gemeinsam mit der Universität und dem Universitätsspital den Verbund Hochschulmedizin Zürich lanciert. Zürich habe ein einmaliges Potenzial, hatte Daniel Wyler, Prorektor Medizin und Naturwissenschaften der Uni Zürich, diesen Schritt gegenüber den Medien begründet. Ziel sei, dass sich Zürich in der universitären Medizin und der Medizinaltechnik zu einem führenden Zentrum mit internationaler Ausstrahlung entwickle. Der Zürcher Verbund setzt Schwerpunkte bei der personalisierten Medizin, bei der Entwicklung von Kunstherzen und bei der medizinischen Bildgebung, etwa der Magnetresonanztomografie. Bereits ein Jahr zuvor war eine vom Zürcher Regierungsrat beauftragte Arbeitsgruppe zum Schluss gekommen, dass die enge Zusammenarbeit von Unispital, Uni und ETH ein Vorteil sei gegenüber internationalen, aber auch gegenüber nationalen Mitbewerbern.

Das blendet Rickenbacher nicht aus. Dass in Zürich die Universität mit der ETH zusammenspanne und die ETH in Lausanne erwäge, eine medizinische Fakultät zu installieren, müsse Bern wachrütteln.

Bestehende Strategie

Mit seiner Idee treibt Rickenbacher die Strategie der bernischen Gesundheitsdirektion weiter. Diese will den Medizinalstandort Bern ebenfalls stärken. So bereiten das Inselspital und die Spital Netz Bern AG einen Zusammenschluss vor. Dank diesem könne man sich von allen Spitälern der Schweiz abheben und sich auch international sichtbar machen, hatte Verwaltungsratspräsident Joseph Rohrer das Projekt in einem Interview mit dieser Zeitung begründet. Ausserdem will die Gesundheitsdirektion die hoch spezialisierte Medizin beim Inselspital konzentrieren.

Weitere Bestrebungen

Daneben gibt es weitere Bestrebungen, den Standort Bern im medizinischen Bereich zu stärken. So ist zurzeit ein Beistand aus Vertretern der Medizin, der kantonalen und nationalen Politik sowie der Wirtschaft im Aufbau begriffen. Dieser setzt sich zum Ziel, die medizinische Fakultät als Kern des bernischen Gesundheitswesens zu stärken.

Berner Zeitung

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