Bürgerliche wollen die Archäologie schwächen

Kallnach

Eine Rettungsgrabung für 15 Millionen ­Franken wegen eines Kies­abbauprojekts bei Kallnach sorgte im Kantonsparlament für Diskussionen.

Archäologische Rettungsgrabungen sollen künftig kein Killerkriterium mehr für ein Bau- oder ein Abbauprojekt sein.

(Bild: Fotolia)

Maximal 15 Millionen Franken dürfen die Rettungsgrabungen für die keltischen Gräber im Challnechwald kosten, sofern der Grosse Rat heute Ja dazu sagt. Bereits am Dienstag hat der vom Regierungsrat beantragte Kredit im Kantonsparlament zu Diskussionen geführt. Fertig beraten wurde er noch nicht. Trotzdem ist absehbar, dass die Ratsmehrheit dem Antrag der vorberatenden Kommission folgt und den Kredit annehmen wird. Von den Parteien wehren sich einzig die GLP, Teile der SP und einzelne SVP-Vertreter gegen das Vorhaben.

Die Rettungsgrabungen werden überhaupt erst nötig, weil die Firma Hurni in den nächsten Jahrzehnten im Wald bei Kallnach Kies abbauen will. Genau dort befindet sich aber ein archäologisches Schutzgebiet. Damit der Kiesabbau vom Kanton bewilligt wird, muss der Archäologische Dienst eine Rettungsgrabung durchführen.

Von den Gesamtkosten von 15 Millionen Franken für die Jahre 2017 bis 2028 übernimmt der Bund voraussichtlich ein Viertel. Den Rest teilen sich der Kanton und die Burgergemeinde als Grundeigentümerin. Für ersteren resultieren so Kosten von 5,7 Millionen Franken.

Finanzen versus Entwicklung

Der GLP und der Kommissionsminderheit ist das noch immer zu viel. Grossrat Thomas Brönnimann (GLP, Mittelhäusern) sagte, dass die Finanzen für die Partei eines der wichtigsten Argumente für ein Nein seien. «Es ist zudem vertretbar, wenn der Kies nicht direkt in der Region abgebaut, sondern aus der Nachbarschaft zugeliefert wird», sagte er. Letztlich sei es für den Schutz der archäologischen Gräber das Beste, wenn sie im Boden belassen würden. Derselben Meinung ist ein Teil der SP. Wobei die Finanzen für die Genossen keine Rolle spielten, wie Nicola von Greyerz (Bern) sagte.

Die übrigen Fraktionen gewichteten die Bedeutung des neuen Kiesabbaugebietes für die wirtschaftliche Entwicklung der Region höher als finanzielle oder archäologische Aspekte. Sie kündigten an, den Kredit zu genehmigen. «Nicht zuletzt werden dank dem Vorhaben Arbeitsplätze erhalten», sagte etwa Käthi Wälchli (SVP, Obersteckholz).

Schutz soll gelockert werden

Trotzdem störten sich auch Wälchli und FDP-Fraktionsspre­cherin Corinne Schmidhauser (Interlaken) an den hohen Kosten. Das Ja zum Kredit sei lediglich das kleinere Übel. Mit einer Motion wollen deshalb die Fraktionen von SVP, FDP und EDU das Denkmalpflegegesetz abschwächen.

Heute sieht dieses bei archäologischen Funden im Rahmen eines Bau- oder Abbauprojektes nur zwei Möglichkeiten vor: das Vorhaben zu versenken und die Funde im Boden zu belassen oder eine Rettungsgrabung vorzunehmen. «Es fehlt eine Realisierung des Projekts mit einem Verzicht auf jegliche archäologische Massnahme», sagte Schmidhauser am Rande der Session.

Deshalb wollen die Motionäre eine Güter­abwägung zwischen Archäologie und öffentlichen oder privaten Interessen im Gesetz verankern. Sprich: Trotz archäologischen Funden soll ein Projekt künftig bewilligungsfähig sein, auch wenn keine Rettungsgrabung vorgenommen wird.

Berner Zeitung

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