Regierungsrat will eine Hanf-Professur

Mehrere Grossräte fordern, dass Bern eine führende Rolle in der medizinischen Cannabisforschung einnimmt. Die Regierung unterstützt dieses Vorhaben.

Das Cannabinoid CBD hat mehrere positive Wirkungen. Gerade für ältere Personen kann es schmerzlindernd wirken, zum Beispiel bei Arthrose.

Das Cannabinoid CBD hat mehrere positive Wirkungen. Gerade für ältere Personen kann es schmerzlindernd wirken, zum Beispiel bei Arthrose.

(Bild: iStock)

Quentin Schlapbach@qscBZ

Bern soll in der medizinischen Erforschung von Cannabis eine Vorreiterrolle einnehmen. Das fordern mehrere Grossräte, die im Herbst 2018 dazu eine Motion an den Berner Regierungsrat überreicht hatten. Die sechs Motionäre (2 EDU, 1 SP, 1 SVP, 1 BDP, 1 Grüne) forderten den Regierungsrat auf, einen Lehrstuhl im Bereich der medizinischen Cannabisforschung an der Universität Bern zu schaffen. Auch verschiedene «Finanzierungsoptionen» sollten dabei geprüft werden.

Keine neuen Gelder

Nun hat der Regierungsrat geantwortet. Und er ist dem Anliegen positiv gesinnt. «Der Regierungsrat anerkennt die Relevanz der Cannabisforschung», schreibt er in seiner Antwort. Zwar hält es die Berner Exekutive für «nicht zielführend», der Uni direkte Vorgaben darüber zu machen, in einem bestimmten Bereich einen Lehrstuhl zu schaffen. Aber: Im Hinblick auf die laufende Stärkung des Medizinstudiums wolle man die Universität «bitten, einen Ausbau der Cannabisforschung zu prüfen und zu klären, ob die Schaffung einer entsprechenden Professur sinnvoll ist».

Neue Gelder will der Regierungsrat dazu aber nicht sprechen. Die finanziellen Beiträge an die Uni erfolgen in Bezug auf den gesamten Leistungsauftrag und nicht für bestimmte Professuren. Ein Sonderbeitrag für die Cannabisforschung sei deshalb «nicht realistisch und systemfremd». Die Uni Bern müsste den entsprechenden Ausbau also mit den bisherigen Mitteln bestreiten, sprich durch eine Umverteilung vollziehen.

Uni will «vertieft abklären»

Die Universität Bern hat in einer ersten Reaktion signalisiert, dass sie die Schaffung einer Professur im Bereich der medizinischen Cannabisforschung «vertieft abklären» werde. Bereits heute befassen sich zwei Institute in ihrer Forschungstätigkeit mit der Wirkung von Cannabis. Das Institut für Sozial- und Präventivmedizin untersucht die gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen des Cannabiskonsums. Das Institut für Biochemie und Molekulare Medizin befasst sich mit der Grundlagenforschung.

Cannabis – auch Hanf genannt – ist eine Pflanze, die über 100 Wirkstoffe (Cannabinoide) enthalten kann. Bekannt ist vor allem der Wirkstoff THC, der «high» macht, weshalb Cannabis auch als Droge bekannt ist. In den letzten Jahren rückte aber vermehrt das Cannabinoid CBD in den Fokus der Öffentlichkeit, dem positive medizinische Wirkungen nachgesagt werden.

Gerade für Patienten, die an chronischen Schmerzen leiden, sind Cannabisprodukte eine alternative Behandlungsmethode, weil sie schmerzlindernd wirken und im Vergleich zu anderen Medikamenten lediglich leichte bis moderate Nebenwirkungen haben. Sogenanntes CBD-Hanf kann heute in der Schweiz bereits legal bezogen werden.

Berner Zeitung

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