Regierungsrat favorisiert Chliforst

Ja zu ­Chliforst-Nord, Nein zu Niederbottigen: Die Kantons­regierung hat sich in der Standortfrage für eine neue BLS-Werkstätte festgelegt.

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Der Berner Regierungsrat schlägt den Standort Chliforst-Nord für den Bau der neuen BLS-Werk­stätte vor. Dies ist das Fazit seiner Anhörungsantwort an den Bund, der letztlich mit einer Anpassung des Sachplans Verkehr über das Geschäft entscheiden wird.

Die Regierung schliesst sich damit der Empfehlung der Begleitgruppe Werkstätten BLS an. Diese hatte neben Chliforst-Nord den Standort Niederbottigen geprüft. Der Regierungsrat erachtet den Standort Chliforst-Nord ebenfalls als die bessere Lösung, teilte er gestern mit. Er bedauert es jedoch, dass kein Standort in einer Bauzone oder in einem bereits überbauten Gebiet gefunden werden konnte.

«Perfekten Ort gibt es nicht»

Laut dem zuständigen Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP), Vorsteher der kantonalen Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion, ist weder Niederbottigen noch Chliforst-Nord ein perfekter Standort für die neue BLS-Werkstätte. «Den perfekten Standort, der alle zufriedenstellt, gibt es wohl nicht», so Neuhaus. Er erinnert daran, dass die BLS in einem mehrjährigen Verfahren zahlreiche Standorte evaluiert habe. Zu den beiden verbliebenen Varianten habe der Regierungsrat «eine Abwägung der Gesamtheit der Argumente» vorgenommen. Chliforst-Nord sei zwar «nicht absolut besser geeignet» als Niederbottigen, und dennoch: «Der Entscheid des Regierungsrats fiel am Ende klar zugunsten – Gegner würden sagen: zulasten – von Chliforst-Nord aus.»

Pikant ist, dass die Regionalkonferenz Bern-Mittelland beide Standorte ablehnt und betreffend Standort Chliforst-Nord nicht zuletzt damit argumentiert, dass ein dortiger Bau nicht mit dem Regionalen Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept (RGSK) vereinbar sei – ein Planungsinstrument, das vom Regierungsrat genehmigt wird. Torpediert die Kantonsregierung das RGSK? «Oder torpediert die Regionalkonferenz die Regierung?», fragt Neuhaus zurück.

Die Stellungnahme des Kantons sei «seine klar deklarierte Meinung». Der Ball liege am Ende beim Bund, der sich vor seinem Entscheid auf viele «Meinungen und Fachberichte» abstützen werde. «Ich bin gespannt, wie der Bund entscheiden wird.» Dort rechnet man weiterhin mit einem Entscheid per Ende Jahr, heisst es beim Bundesamt für Verkehr.

«Schwerer Eingriff»

Der Berner Gemeinderat bezeichnete im Februar beide Varianten als «schweren Eingriff in die Landschaft». Falls es bei ­dieser Zweierauswahl bleibe, favorisiere er aber klar Chliforst-Nord – Niederbottigen würde eine künftige Stadtentwicklung in Brünnen-Süd deutlich erschweren.

Beim Verein Chliforst, der sich vehement dagegen wehrt, dass die Werkstätte ins dortige Kulturland gebaut wird, ist man selbstredend nicht zufrieden mit dem Entscheid des Regierungsrats. Gegenüber dem «Bund» sagte der Vereinspräsident, die Begleitgruppe sei voreingenommen gewesen. Dass deren Leiter, Alt-SP-Grossrat Bernhard Antener, im März zum BLS-Verwaltungsrat ernannt wurde, erntete verbreitet Kritik.

hae

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