Lyss/Kappelen

Bundesasylzentrum: Lyss erhält Rückendeckung

Lyss/KappelenDas Kantonsparlament hat dem Regierungsrat den Auftrag erteilt, dem Bund den Standort Kasernenareal für ein neues Asylzentrum auszureden.

Aus- statt Neubau: Der Berner Regierungsrat will dem Bund vorschlagen, das Asylzentrum in Kappelen zu erweitern.

Aus- statt Neubau: Der Berner Regierungsrat will dem Bund vorschlagen, das Asylzentrum in Kappelen zu erweitern. Bild: Enrique Muñoz Garcia

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Grosse Rat hat sich am Montag deutlich gegen ein zweites Bundesasylzentrum in Lyss ausgesprochen. Anlass war eine Motion des Lysser Grossrats und Grünliberalen Michel Rudin. Rudin und seine Mitunterzeichner hatten gefordert, dass der Berner Regierungsrat ein zweites Asylzentrum in der Seeländer Gemeinde verhindert. Das heutige Kasernenareal dürfe nach dem Abzug des Militärs nicht zur zusätzlichen Asylunterkunft umfunktioniert werden. Das Areal – laut Rudin «ein städtebauliches Filetstück» – soll demnach nicht einem Asylzentrum weichen. Sondern irgendwann mal verdichtet überbaut werden.

Die Motionäre drangen mit ihrem Anliegen im Rat durch. Parlamentarier aller politischer Couleurs zeigten sich einig: Zwei Zentren sind eines zu viel. Nach rund einstündiger Debatte fiel das Votum mit 138 Ja-Stimmen bei einer Gegenstimme und drei Enthaltungen klar aus.

Kritik an Plänen des Bundes

Lyss lebt bereits seit Jahren mit einer Asylunterkunft. Die Anlage liegt auf dem Grund der Nachbargemeinde Kappelen. Faktisch steht die Unterkunft im Lysser Industrieareal. Der Bund er­weitert die heutige Kollektivunterkunft bis 2019 in ein ­Bundesasylzentrum. Der Kanton Bern ist verpflichtet, zwei davon zu stellen. 270 Menschen sollen dereinst dort leben.

Die Stimmung in Lyss kippte, als im April die Pläne für ein ­zweites Bundeszentrum bekannt wurden: Auf dem heutigen Ka­sernenareal will der Bund eine Unterkunft für 350 weitere Asylsuchende errichten. Die Idee stiess von Beginn an auf Widerstand. Insbesondere der Lysser Gemeinderat stemmt sich seit Bekanntwerden vehement gegen das Vorhaben. Auch die Berner Regierung äusserte sich damals kritisch: Man sei erstaunt, dass der Bund zwei Asylunterkünfte im Siedlungsgebiet von Lyss plane, liess der Regierungsrat im Juni in einer Mitteilung verlauten.

Ein grösseres Zentrum

«Lyss hat den kleinen Finger hingehalten, der Bund die ganze Hand genommen», argumentierte Grossrätin Margrit Junker (SP) am Montag. Gemeinsam mit Christine Schnegg (EVP) for­derte Junker – ebenfalls mittels Motion –, dass bei der Standortsuche nach potenziellen Bundeszentren vermehrt auf die re­gionale Verteilung Rücksicht genommen wird. Die Motion wurde in ein Postulat umgewandelt und schliesslich ebenfalls an­genommen.

Kann die Berner Regierung dem Bund den Standort Kasernenareal ausreden? Das ist nun die Frage. Unbestritten ist mittlerweile: Kommt das zweite Zen­trum nicht, wird als Kompromiss die Infrastruktur in Kappelen ausgebaut.

Den definitiven Entscheid fällt der Bundesrat voraussichtlich bis Ende Jahr. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.09.2017, 18:54 Uhr

Artikel zum Thema

Lyss stemmt sich weiter gegen Asylzentrum

Lyss Am Informationsabend zum geplanten Bundesasylzentrum in Lyss kritisierte Gemeindepräsident Andreas Hegg den Bund. Mehr...

Heggs Trumpf gegen das zweite Asylzentrum

Lyss Unerwartete Wende im Streit um das Bundesasylzentrum in Lyss: Ein aufgetauchter Kaufvertrag verbietet es dem Bund offenbar, das Kasernenareal nicht militärisch zu nutzen. Mehr...

Die Asylkritiker formieren sich

Lyss Die SVP reicht gegen das geplante Bundesasylzentrum in Lyss eine Petition mit 1800 Unterschriften ein. Sie spielt damit Gemeindepräsident Andreas Hegg (FDP) in die Hände. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Blogs

Bern & so Eine Stadt im Wandel

Sportblog Ich, ich, ich!

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 29.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Hammerschlag für die Kunst: 15 Asylsuchende aus Afghanistan, Eritrea und Sri Lanka arbeiten im Kunstsilo in Emmen für die Ausstellung «Ich bin hier». (21. September 2017)
(Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey) Mehr...