Rechte Esoteriker helfen Lehrplan-Gegnern

Das Komitee der Initiative gegen den Lehrplan 21 wird bei der Unterschriftensammlung von der rechtsesoterischen Vereinigung Alpenparlament unterstützt. Diese verhalf bereits Volksbegehren auf nationaler Ebene zum Erfolg.

Seit Ende Januar sammelt die ­Interessengemeinschaft für eine starke Volksschule im Kanton Bern Unterschriften gegen den Lehrplan 21. (Symbolbild)

Seit Ende Januar sammelt die ­Interessengemeinschaft für eine starke Volksschule im Kanton Bern Unterschriften gegen den Lehrplan 21. (Symbolbild)

(Bild: Keystone)

Marius Aschwanden

Seit Ende Januar sammelt die ­Interessengemeinschaft für eine starke Volksschule im Kanton Bern Unterschriften gegen den Lehrplan 21. Nach der Hälfte der zur Verfügung stehenden Zeit sei auch bereits die Hälfte der 15'000 benötigten Unterschriften zusammengekommen, sagt Rahel Gafner vom Initiativkomitee. Und weiter: «Ohne einflussreiche Verbände und professionelle Sammler im Rücken ist die Unterschriftensammlung natürlich Knochenarbeit.»

Das stimmt aber nur zur Hälfte. Denn das Komitee erhält nicht nur Unterstützung von SVP- und EDU-Politikern, sondern auch vom Verein Alpenparlament (ALP). Wie Gafner, die aus einem christlich-konservativen Umfeld kommt, ist dieser im Oberland beheimatet. Der Verein hat sich in der Vergangenheit auf natio­naler Ebene bereits als erfolg­reicher Unterschriftensammler erwiesen – etwa bei der Hornkuh-initiative oder beim Referendum gegen die Preiserhöhung der Autobahnvignette vor drei Jahren. Beide Volksbegehren sind dank der administrativen Hilfe des Alpenparlaments zustande gekommen, letzteres in Rekordzeit und mit der doppelten Anzahl der benötigten 50'000 Unterschriften.

Austritt aus der SD

«Auch wir sind nicht gegen Niederlagen gefeit», sagt ALP-Zentralsekretär Roland Schöni. Bisher sei dies aber noch nie vorgekommen. Der Grund für den Erfolg sei die gute Vernetzung im Internet. Die Gruppierung betreibt eine Website und ein eigenes Onlinefernsehen. Mitunter werden dort seltsame Ansichten vertreten: Präsentiert wird eine Mischung aus esoterischen Heilmethoden, Verschwörungstheorien und zweifelhaften Energiealternativen.

Der Vereinsgründer Martin Frischknecht propagiert etwa ein elektronisches Gerät, das auch bei schweren Krankheiten wie Hepatitis C helfen soll. Kostenpunkt im Internet: zwischen 900 und 2200 Euro. Oder es wird ­behauptet, dass die USA mittels Versprühen von Giftmischungen das Wetter beeinflussen könnten.

Als Moderator der Onlinesendungen tritt vielfach der Deutsche Michael Vogt auf. Gemäss «Spiegel online» war er für die rechtsextreme Partei NPD tätig. Gegen diese läuft in Deutschland derzeit ein Verbotsverfahren. Frischknecht und Schöni selbst engagierten sich früher bei den Schweizer Demokraten (SD). Nach der Veröffentlichung eines Tonträgers mit rassistischen Inhalten in den 90er-Jahren erntete Frischknecht aber sogar parteiintern Kritik. Daraufhin trat er aus der SD aus. Zuletzt kandidierte er 2015 für das Alpenparlament für den Nationalrat.

Gegen Sexualkundeunterricht

Bei Volksinitiativen und Referenden bestehe die Dienstleistung des ALP im Wesentlichen aus der Erledigung der administrativen Arbeiten, sagt Schöni. «Wir nehmen Unterschriftenbögen entgegen, führen Buch und organisieren die Beglaubigung bei den Gemeinden.» Der Verein sammle aber auch selber Unterschriften. So etwa im Fall der Lehrplaninitiative im Kanton Bern. «Da ich wertkonservativ bin, kann ich mich gut mit dem Anliegen identifizieren.» Schöni macht keinen Hehl daraus, dass er ein Gegner des Sexualkundeunterrichts ist. Deshalb will er, dass die Bevölkerung bei der Ausgestaltung des Lehrplans 21 mitreden kann.

Gafner sieht kein Problem

Für Gafner sind die fragwürdigen Ansichten des Vereins kein Problem. Das Alpenparlament habe sich in der Vergangenheit bei der Beglaubigung von Unterschriften als zuverlässig erwiesen. «Da wir als Bürgerkomitee nicht über grosse Finanzen verfügen, haben wir uns für das Alpenparlament entschieden, weil diese Offerte die günstigste war», sagt sie. Für das Sammeln von Unterschriften würde der Verein aber nicht bezahlt.

Das mache er in Eigeninitiative. Dass das Alpenparlament in manchen Medien in ein schlechtes Licht gerückt werde, zeuge nicht gerade von Qualitätsjournalismus, findet Gafner zudem. «In der freiheitlichen und toleranten Schweiz darf jeder am politischen Leben teilnehmen, egal, welche Weltanschauung er vertritt.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt