Reaktionen aus Mühleberg: «AKW war ständige Bedrohung»

Mühleberg

Am Mittwochmorgen liess die BKW die definitive Schliessung des Atomkraftwerkes Mühleberg ab 2019 verlauten. Bernerzeitung.ch/Newsnetz war in Mühleberg und fragte die Einheimischen, was sie vom Beschluss halten.

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Idyllisch, ruhig und etwas verschlafen - das Dorf Mühleberg wirkt auf den ersten Blick nicht wie ein Ort, dessen grösster Arbeitgeber gerade die geplante Schliessung seines Werks bekanntgegeben hat. Mit dem Ende des AKW Mühlebergs ab 2019 sind bis zu 300 Arbeitsplätze gefährdet.

Angst, dass alles teurer wird

Die junge Mutter Lara Staudenmann (26) hat Angst davor, dass mit der geplanten Schliessung alles viel teurer werden wird. Durch das AKW profitieren die Mühleberger von einen relativ tiefen Steuersatz, das könnte sich ab 2019 ändern.

Auch die 43-jährige Rita Mäder fürchtet sich vor den schwindenden Arbeitsplätzen, denn schliesslich ist das Kernkraftwerk der grösste Arbeitgeber in der Region und neben der Landwirtschaft haupttragend für die wirtschaftliche Lage des Dorfs.

Energieengpässe vorprogrammiert

Ein ehemaliger Mitarbeiter des AKWs, der 30 Jahre in der Steuerung und Überwachung des Kraftwerks tätig war, sorgt sich vor allem um zukünftige Energieengpässe. Heute könne man die Nuklearenergie, beispielsweise durch Solarenergie, noch gut substituieren. Diese alternativen Ressourcen würden aber an manchen Tagen knapp werden, dann werde eine Schliessung wie die des grössten Berner Kraftwerks doppelt spürbar.

Laut dem 66-Jährigen ist der hochumstrittene Reaktor keinesfalls sanierungsbedürftig. Im Kraftwerk sei stets nachgerüstet worden und man habe zudem die Reaktorschutzsteuerung ausgewechselt. «Aber in den vergangenen Jahren glaubte man jedem Hobbykernphysiker mehr als den Behörden», stellt der Pensionär fest.

Eigene Wohnsiedlung für AKW-Mitarbeiter

Ursula Brunner (65), die erst seit Kurzem mit ihrem Mann im Dorf lebt, bemängelt vor allem die schwindenden Arbeitsplätze. In Mühleberg gebe es eigens einen Dorfteil, der nur aus Wohnungen von AKW-Mitarbeitern besteht. Auch Dorfbäckerin Irene Guggisberg (39) blickt in eine düsteren Zukunft. Ihre Bäckerei «Spontan» ist die Brotlieferantin des Kraftwerks - somit bedeutet die Schliessung für sie gleichzeitig Verlust einer zentralen Einnahmequelle.

Einzig die Politologie- und Geschichtsstudentin Rahel Freiburghaus (19) äussert sich grundsätzlich positiv zu der Schliessung. Das Kraftwerk habe für sie stets eine indirekte Bedrohung dargestellt. Sie hofft auf dynamische Entwicklungen in der Gemeinde, wenn das AKW im 2019 seine Türen schliesst.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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