Rathaus soll für 28 Millionen saniert werden

Das fast 600-jährige Rathaus zu Bern soll saniert und erneuert werden: grössere Arbeitsplätze für die Mitglieder des Kantons- und des Stadtparlaments, eine neue Abstimmungsanlage, 160 statt 200 Plätze im Ratssaal und ein Lift.

Der Saal im Berner Rathaus: Die engen Bänke gehören wohl schon bald der Vergangenheit an, denn die Zahl der Sitzplätze soll um 40 auf 160 reduziert werden.

Der Saal im Berner Rathaus: Die engen Bänke gehören wohl schon bald der Vergangenheit an, denn die Zahl der Sitzplätze soll um 40 auf 160 reduziert werden.

(Bild: Andreas Blatter)

Urs Egli

70 Jahre nach der letzten Renovation soll das von 1406 bis 1414 erbaute Rathaus zu Bern wieder der Zeit angepasst und vorsichtig umgebaut werden. Dies jedenfalls ist die Absicht des neunköpfigen Büros des Grossen Rates; an der Spitze steht Grossratspräsidentin Therese Rufer (BDP, Zuzwil). Eine Studie des Berner Architekturbüros Aebi&Vincent zeigt nun, dass eine Auffrischung des bald 600-jährigen Gebäudes «rein bautechnisch machbar wäre». Ob dies auch auf die Finanzierbarkeit zutrifft, ist so sicher nicht. Eine erste grobe Schätzung geht nämlich von Realisierungskosten von 28 Millionen Franken aus. Allein die Erneuerung des Ratssaals – die Zahl der Sitzplätze wird als Folge der Verkleinerung des Grossen Rates von 200 auf 160 Mitglieder entsprechend verkleinert – soll 9 Millionen Franken verschlingen.

Wandbild bleibt erhalten

Nicht dem Zeitgeist geopfert werden soll das 1942 von Karl Walser (der ältere Bruder des Schriftstellers Robert Walser) geschaffene Wandbild «Aufbau». «Das Wandbild bleibt erhalten», hält das federführende Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG) der bernischen Baudirektion fest. Wohl hatte der damalige Baudirektor Robert Grimm das wandfüllende Bild in Spachteltechnik 1942 als zeitlos bezeichnet. Dies hinderte die frühere grüne Stadtberner Grossrätin Barbara Gurtner allerdings nicht daran, 1998 eine Neugestaltung der Saalwand zu verlangen. Denn die halbnackten Männer, welche zum Bau der Berner Altstadt Sandsteinquader aufeinanderschichteten, zeigten nach Ansicht Gurtners eine veraltete, frauenfeindliche Szenerie. Doch der Grosse Rat schickte die Forderung Gurtners bachab. Auch die Denkmalpflege, welche jetzt wieder in das geplante Sanierungsprojekt miteinbezogen wurde, sprach sich schon damals gegen ein neues, zeitgenössisches Kunstwerk aus.

Ersetzt werden soll bei der nun anvisierten umfassenden Sanierung jedoch die elektronische Abstimmungsanlage. Die 16-jährige Anlage sei «technisch veraltet und am Ende ihrer Lebensdauer», so das AGG. Mit «differenzierten baulichen Eingriffen» soll zudem die Arbeitsplatzsituation im Grossratssaal verbessert werden. Benutzerfreundlicher würde in der Rathaushalle im Parterre die Cafeteria. Zudem soll ein Warenlift in den Keller «das effiziente Wegräumen von Möbeln» erleichtern.

Bleibt die Frage: Sind diese Neuerungen tatsächlich so umfassend, dass dafür 28 Millionen Franken aufgewendet werden müssen? «Das Büro des Grossen Rates möchte das Rathaus gerne umfassend sanieren», lautet die knappe, aber nicht eben erhellende Antwort des AGG. Der Betrag erstaunt auch darum, weil an der Aussenhülle des Rathauses nichts geändert werden soll.

Regierungsrat warnt

Dem Begehren des Ratsbüros steht der Regierungsrat grundsätzlich positiv gegenüber: «Eine massvolle Modernisierung mit subtilen Eingriffen, um den Ansprüchen einer modernen Staatsführung zu entsprechen, kann diskutiert werden.» Immer vorausgesetzt, das kulturell wertvolle Erbe bleibe bewahrt. Allerdings wird die Erwartungshaltung der Ratsführung gedämpft: «Der Regierungsrat muss bereits an dieser Stelle auf die beschränkten finanziellen Mittel hinweisen. Dies zwingt uns, strikte Prioritäten zu setzen.» Was dies konkret heisst, lässt der Regierungsrat offen. Entscheidend ist die Haltung der Regierung ohnehin nicht, denn die 28 Millionen Franken teure Rathaussanierung muss vom Grossen Rat bewilligt werden.

Berner Zeitung

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