Radiostudio-Streit entzweit SRG Bern Freiburg Wallis

Am Freitagabend kam es an der Generalversammlung der SRG Bern Freiburg Wallis zu Auseinandersetzungen. Auslöser war der Entscheid zum Umzug des Radiostudios von Bern nach Zürich.

Der Umzug des Radiostudios von Bern nach Zürich führt bei den Genossenschaftern der SRG Bern Freiburg Wallis zu Diskussionen.

Der Umzug des Radiostudios von Bern nach Zürich führt bei den Genossenschaftern der SRG Bern Freiburg Wallis zu Diskussionen.

(Bild: Adrian Moser)

Die geplante Verlegung von Teilen des Radiostudios Bern nach Zürich sorgt für einen Streit innerhalb der SRG Bern Freiburg Wallis. An der Generalversammlung vom Freitag in Burgdorf musste die Freiburger Sektion eine herbe Niederlage einstecken.

Ihr Präsident Beat Hayoz schaffte es nicht, erneut in den Regionalrat der SRG Deutschschweiz gewählt zu werden. Hayoz hatte sich letzten Herbst öffentlich gegen seine Vorstandskollegen der SRG Bern Freiburg Wallis gestellt, indem er Verständnis für den Radiostudio-Entscheid der SRG-Spitze geäussert hatte.

Die übrigen Vorstandsmitglieder empfanden dieses Verhalten als illoyal, weshalb sie Hayoz nun nicht mehr für den Regionalrat nominierten. Das wiederum trieb rund 70 Mitglieder der SRG Freiburg auf die Barrikaden, die das Vorgehen in einer Resolution kritisierten und sich hinter Hayoz stellten.

An der Generalversammlung vom Freitag verlangten Freiburger Genossenschafter vergeblich, dem Vorstand der SRG Bern Freiburg Wallis die Décharge zu verweigern. Sie scheiterten auch mit dem Versuch, Hayoz doch noch in den Regionalrat zu hieven.

Die Genossenschafter zogen den Berner Walter Langenegger und den Walliser Matthias Eggel vor, dazu kommt von Amtes wegen der Walliser Präsident Léander Jaggi - die Freiburger Sektion ist im Regionalrat nicht mehr vertreten. Sie fühlt sich dadurch in ihrer Existenz bedroht, wie eines ihrer Mitglieder sagte.

«Himmeltraurig»

Dass im Vorstand die Fetzen geflogen sein müssen, wurde in Burgdorf offensichtlich. Was genau vorgefallen ist, lässt sich von aussen nur schwer beurteilen. An der Generalversammlung kam es jedenfalls zu einem Schlagabtausch zwischen Hayoz und Präsident Jaggi. Dabei warf Hayoz Jaggi vor, er habe bei einer Aussprache eine Reihe von Unwahrheiten verbreitet. Das Vorgefallene sei «himmeltraurig». Jaggi wies die Vorwürfe zurück.

Buhrufe für SRG-Präsident

Der Auslöser des Streits - die geplante Verlegung des Radiostudios Bern - war nur ein Randthema. Präsident Jaggi bekräftigte, für die Mehrheit des Vorstands sei der Radiostudio-Entscheid der SRG-Spitze nach wie vor ein Fehlentscheid. Das wiederum wollte SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina nicht so stehen lassen.

Sichtlich aufgebracht warf er dem Vorstand und der gesamten Trägerschaft Verantwortungslosigkeit vor. Mit ihrem Engagement für den Verbleib des Radiostudios in Bern würden sie nur Partikularinteressen zu verfolgen und der SRG als Ganzes zu schaden, so Cina. Dafür hagelte es wütende Pfiffe und Buhrufe von den versammelten Genossenschaftern.

Der kurz davor in den Vorstand gewählte Walter Langenegger widersprach dem SRG-Verwaltungsratspräsidenten. «Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass eine Zentralisierung des Service Public in Zürich nicht gut für die Schweiz ist», so Langenegger. Das Engagement gegen die geplante Verlegung des Radiostudios sei daher nicht verantwortungslos. Es sei vielmehr die SRG-Spitze, die mit ihrem Festhalten am Entscheid viel Goodwill bei Politik und Gebührenzahlern verspielt habe.

Unmittelbar nach der Bekanntgabe des Verlegungsentscheids im letzten Herbst hatte der Vorstand der Trägerschaft beschlossen, Szenarien für eine Neuausrichtung der SRG Bern Freiburg Wallis zu prüfen. Eine Arbeitsgruppe prüfte darauf mehrere Optionen, von der Fortführung der Mitgliedschaft in der SRG Deutschschweiz über eine teilautonome Zusammenarbeit in den SRG-Gremien bis hin zur Sistierung oder zum Austritt.

Die Erkenntnisse der Arbeitsgruppe sollten am Freitagabend den Genossenschaftern präsentiert werden. Das Traktandum wurde aber wegen der vorgerückten Stunde auf später verschoben.

Die Genossenschafter werden zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, wie es weitergeht. Die SRG-Genossenschaft Bern Freiburg Wallis ist die drittgrösste Trägerschaft der SRG.

ss/bit/sda

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