Bolligen

Puff ums geplante Puff

BolligenIn Bolligen wiederholt sich, was nur Tage zuvor das benachbarte Worblaufen bewegt hat. Ein Gebäude soll zum Bordell werden, massiver Widerstand regt sich – und die Promotoren streichen die Segel.

Bordelle in Wohnquartieren sind umstritten.

Bordelle in Wohnquartieren sind umstritten. Bild: Andreas Blatter

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Der Kampf gegen das älteste Gewerbe der Welt hat einen neuen Austragungsort gefunden. Das zeigt der Widerstand gegen ein geplantes Etablissement für «diskrete Erotikdienstleistungen» in Bolligen. Seit dem 9. März lagen die Pläne öffentlich auf – doch nun kapitulieren die Promotoren vor den 40 Einsprachen, die dagegen eingegangen sind. Das Baugesuch sei wegen der vielen negativen Reaktionen zurückgezogen worden, bestätigt Bauverwalter Christoph Abbühl auf Anfrage. «Wir haben viele Reaktionen erhalten, die Bevölkerung will das nicht.»

Gut eine Woche zuvor lehnte sich schon im benachbarten Ittigen die Bevölkerung gegen ein geplantes Bordell auf. Dort wäre aus der alten Post in Worblaufen ein Bordell geworden. Das trieb Anwohner und Gemeinde auf die Barrikaden. Auch dieses Vorhaben ist bereits wieder Geschichte: Sie ­lasse das Projekt angesichts der grossen Gegenbewegung fallen, kündigte die Initiantin gegenüber der Pendlerzeitung«20 Minuten» an.

Widerstand gegen erotische Etablissements in der Agglomeration Bern ist nichts Neues. Als Grund werden oft die schwer fassbaren ideellen Immissionen angegeben. Als weit griffigeres Instrument für die Gegner erweisen sich indes die Zonenvorschriften. So musste vor vier Jahren in Wabern ein Erotikbetrieb schliessen, weil er nicht zonenkonform war.

Nur: Das Bordell in Bolligen wäre in einer Mischzone ein­gerichtet worden. «Da hätten wir baurechtlich nicht viel ­ausrichten können», sagt ­Christoph Abbühl. Das Projekt wäre theoretisch bewilligungsfähig gewesen, zumal es abgeschirmt und für die Passanten auf der nahen Kantonsstrasse nicht ohne weiteres einsehbar gewesen wäre.

Den Anwohnern reichte eine solche Begründung nicht aus. «Ich bin erstaunt, dass so etwas in unserer Gemeinde überhaupt zur Debatte stand», sagt Vizegemeindepräsidentin Marianne Zürcher (SVP). Sie zeigt sich erfreut darüber, dass das Vorhaben auf wenig Toleranz gestossen ist. Wäre das Gesuch bewilligt worden, wäre sie bereit gewesen, im Gemeinderat rechtliche Mittel zu prüfen, um dagegen vorzugehen.

Nicht im eigenen Umfeld

Die Sexindustrie, insbesondere Sexarbeit und Prostitution, wird als schmutzig und ungeordnet wahrgenommen, etwas, das nicht in ein Wohnquartier gehört. Dass es für Bordellbetriebe irgendwo einen Platz geben muss, bestreiten die wenigsten. Aber halt bitte nicht im eigenen Umfeld.

In Ittigen waren die Gemüter sogar dermassen aufgebracht, dass einzelne Anwohner es nicht bei Einsprachen bewenden lassen wollten. In den Medien drohten sie, wenn auch im Scherz, mit Gewehrschüssen auf das Gebäude. Oder zumindest mit bösen Blicken, damit die Sexarbeiterinnen merkten, dass sie nicht willkommen ­seien. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.04.2018, 09:54 Uhr

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