Primarlehrer bleiben rar

Seit zehn Jahren werden die Lehrerinnen und Lehrer an der Pädagogischen Hochschule (PH) Bern ausgebildet. Rektor Martin Schäfer blickt zurück auf Jahre unter Spardruck.

Rektor Martin Schäfer will die Studiengänge an der PH Bern künftig noch flexibler gestalten.

Rektor Martin Schäfer will die Studiengänge an der PH Bern künftig noch flexibler gestalten.

(Bild: Stefan Anderegg)

Sandra Rutschi

Herr Schäfer, welches waren die Meilensteine in den ersten zehn Jahren der PH Bern?
Martin Schäfer: Von 2005 bis 2010 ging es darum, in der neuen Form der PH Bern anzukommen. In dieser Zeit mussten sich die Institutionen, die in der Hochschule zusammengeführt wurden, finden. In einer zweiten Phase ging es vorerst darum, die PH Bern zu konsolidieren. Daraufhin folgten drei Jahre mit grossem Spardruck, in denen wir auch Leuten kündigen mussten. Zeitgleich wurden die Studiengänge der Grundausbildungen auf dem VonRoll-Areal konzentriert, und unsere Studierendenzahl stieg von 1900 auf knapp 2500.

Das klingt intensiv.
Ja, die ersten zehn Jahre waren sehr intensiv, vor allem für die Mitarbeitenden. Insbesondere der Umzug und die Umsetzung der Sparmassnahmen waren grosse Herausforderungen, phasenweise war eine gewisse Müdigkeit zu spüren. Aber ich glaube, dass nun eine ruhigere Phase vor uns steht, in der wir vorwiegend inhaltlich arbeiten können.

Sind Sie sicher, dass der Spardruck ausgestanden ist?
Wir rechnen nicht damit, dass wir in den nächsten Jahren erneut stark sparen müssen. Die drei Berner Hochschulen arbeiten seit kurzer Zeit im Beitragssystem. Sie haben einen vierjährigen Leistungsauftrag und erhalten jährlich einen vorgängig fixierten Geldbetrag vom Kanton. Mit diesem Betrag muss die PH Bern funktionieren, egal, wie viele Studierende sie hat. Ich gehe davon aus, dass das Beitragssystem zu mehr Kontinuität für die Hochschule führt.

In den ersten Jahren wurde immer wieder die Kritik laut, die PH sei praxisfern. War dieser Vorwurf berechtigt?
Unsere Ausbildung war nie praxisfern. Zum einen verfügen viele der Dozierenden über ein Lehrdiplom und über Unterrichtserfahrung. Zum anderen war der Praxisanteil an der Ausbildung noch nie so hoch wie heute. In den letzten Jahren ist der Vorwurf allmählich verstummt. Im Grossen Rat gehen immer weniger Vorstösse zur PH ein. Zudem unternehmen wir viel, um den Kontakt zu den Schulen eng zu halten.

Als Sie vor fünf Jahren Rektor der PH Bern wurden, fanden Sie, es habe zu wenig Männer, die diesen Beruf wählen. Konnten Sie dem entgegenwirken?
Nein, die Situation blieb in der Vor- und der Primarstufe unverändert: Der Männeranteil beträgt rund zehn Prozent, trotz diverser Bemühungen.

Liegt es an der Ausbildung, dass viele Männer auf dieser Stufe nicht unterrichten wollen?
Mit der Ausbildung kann man diese Situation nicht verändern. Das Problem ist, dass der Beruf auf dieser Stufe für Männer nicht so attraktiv ist. Die Pensen sind oft relativ klein, was nicht in das teilweise immer noch geltende Bild eines Mannes als Familienernährer passt. Diesbezüglich sind wir im Dialog mit der Erziehungsdirektion. Kommt hinzu, dass sich Männer oft rechtfertigen müssen, wenn sie kleinere Kinder unterrichten wollen – weil das traditionellerweise eher Frauen machen.

Welche Herausforderungen warten in den nächsten zehn Jahren auf Sie?
Der Umgang mit neuen Medien wie Smartphones und Tablets beschäftigt uns schon heute stark. Wie können neue Medien herkömmliche Formen des Lehrens und Lernens sinnvoll ergänzen? Eine weitere Herausforderung ist die Tatsache, dass die Heterogenität unter den Studierenden aus verschiedenen Gründen zunimmt. Wir müssen Wege finden, wie wir die Studiengänge noch stärker individualisieren und flexibilisieren können. Und schliesslich müssen wir unsere Angebote noch besser vernetzen.

Welche Knacknüsse bringt der Lehrplan 21 mit sich?
Wir arbeiten bereits seit zwei Jahren nach dem Lehrplan 21, sodass unsere Studienabgängerinnen und -abgänger danach unterrichten können. Für uns ist es selbstverständlich, dass an der PH Bern die Lehre kompetenzorientiert erfolgt. Dafür mussten wir definieren, was das für uns bedeutet. Weiter geht es darum, die Schulen darin zu unterstützen, das Konzept des Lehrplans 21 umzusetzen. Zudem werden wir genügend Weiterbildungsangebote für die Schulen zur Verfügung stellen, damit der Lehrplan 21 im Kanton Bern erfolgreich eingeführt werden kann.

Martin Schäfer (45) ist seit 2009 Rektor der PH Bern.

Berner Zeitung

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