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Polizei plant Arrestzellen für 300 Personen

Mehr als die Hälfte der 2500 Mitarbeitenden der Kantonspolizei Bern werden ab 2027 im neuen Zentrum in Niederwangen zentralisiert.

Kantonsvertreter orientieren über die neuste Etappe beim Projekt «Neubau Polizeizentrum».
Kantonsvertreter orientieren über die neuste Etappe beim Projekt «Neubau Polizeizentrum».
Raphael Moser
Auf dem Areal Juch-Hallmatt in Niederwangen entsteht das neue Polizeizentrum.
Auf dem Areal Juch-Hallmatt in Niederwangen entsteht das neue Polizeizentrum.
Maaars Architektur, Zürich
Situationsplan des neuen Polizeizentrums. Das Architektenteam wird nun das Projekt weiterentwickeln. Der Baubeginn ist für 2022 geplant, die Inbetriebnahme für 2027. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 270 Millionen Franken.
Situationsplan des neuen Polizeizentrums. Das Architektenteam wird nun das Projekt weiterentwickeln. Der Baubeginn ist für 2022 geplant, die Inbetriebnahme für 2027. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 270 Millionen Franken.
Maaars Architektur, Zürich
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Zur Medienorientierung über das geplante Polizeizentrum in Niederwangen lud der Kanton Bern am Donnerstag ins ehemalige Swisscom-Hochhaus an der Grenze von Bern zu Ostermundigen. Derart in die Höhe ragen wie der mächtige Betonklotz beim Schosshaldenfriedhof wird der Neubau zwar nicht, trotzdem plant die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion einen stattlichen Prestigebau.

Bei der Präsentation lüfteten Regierungsrat Christoph Neuhaus, der stellvertretende Polizeikommandant Stefan Lanzrein und der Kantonsbaumeister Angelo Cioppi das Ergebnis des Architekturwettbewerbes. Das 13-köpfige Preisgericht hatte 13 Eingaben zu beurteilen und entschied sich schliesslich einstimmig, den Auftrag nach Zürich zu vergeben. Das vierstöckige Siegerprojekt der Mischa Badertscher Architekten AG sieht zwei holzverkleidete Bürotrakte vor, welche durch einen breiten Korridor miteinander verbunden werden. «117» heisst das Siegerprojekt – eine Anlehnung an den Polizeinotruf.

Von 18 auf 9 Standorte

Heute ist die Polizei im Grossraum Bern auf 18 Standorte verteilt. Mit dem neuen Zentrum beim Autobahnanschluss in Niederwangen soll die Anzahl der Standorte auf 9 reduziert werden. Bis zu 1400 Mitarbeitende werden in den Neubau zügeln. Das ist mehr als die Hälfte der rund 2500 Angestellten der Kantonspolizei.

«Bei der Konzentration geht es nicht etwa darum, Wachen aufzulösen, sondern vor allem die regionenübergreifenden Dienste wie beispielsweise die Kriminalabteilung zusammenzulegen», hielt Stefan Lanzrein fest. Vom Umzug nicht betroffen sind nebst den Polizeiwachen etwa die Ausbildungszentren Ittigen und Riedbach, das Schwerverkehrszentrum Ostermundigen sowie das Zeughaus-Areal.

Die Einsatzzentrale, das Herzstück der Polizei, wird in Niederwangen domiziliert. Darüber sind alle Beteiligten mehr als froh. Denn der heutige Standort am Nordring ist zu klein und stark sanierungsbedürftig. Deutlich besser ausgestattete Bedingungen erhält die Kantonspolizei im Neubau auch für die Unterbringung von vorläufig Festgenommenen. Nimmt die Polizei Krawallmacher fest, etwa an einer unbewilligten Demo, so bringt sie diese heute für eine Personenkontrolle in den Festnahme- und Warteraum im Neufeld.

Dieses Provisorium, eingerichtet in einer Einstellhalle, ist nicht optimal ausgestattet. Der dortige Warteraum muss vor einem Einsatz jeweils hergerichtet werden. Ganz anders im Neubau, dort stehen Festhalteräume jederzeit bereit. Bis zu 300 angehaltene Personen können dort identifiziert und befragt werden. Ausserdem sollen die Räume so gestaltet sein, dass verfeindete Gruppen komplett voneinander getrennt werden können.

Sorgen um Waisenhausplatz

Ein Fragezeichen gibt es bei der Polizeiwache am Waisenhausplatz in Bern. Für die Kantonspolizei ist dieser Standort essenziell, um bei Einsätzen in der Innenstadt möglichst schnell vor Ort zu sein. Nicht mehr als sieben Minuten sollte diese zeitliche Distanz gemäss Ressourcenvertrag mit der Stadt Bern betragen. «Wir brauchen die Einsatzkräfte in der Nähe», bekräftigt Stefan Lanzrein, «zumal in Bern pro Jahr über 360 Veranstaltungen stattfinden.»

Sorgen bereitet der Kantonspolizei der Expansionsdrang des Berner Kunstmuseums an der Hodlerstrasse. Stadtpräsident Alec von Graffenried gibt auf Anfrage Entwarnung: «Auch für die Stadt Bern ist ein Polizeistützpunkt im Stadtzentrum mit kurzen Einsatzzeiten unverzichtbar.» Die Wache beim Waisenhausplatz soll deshalb bleiben. Anders sieht es für den Anbau an der Hodlerstrasse aus, wo die Polizei vornehmlich mit Büros eingemietet ist. «Diese sind nicht zwingend ortsgebunden», meint von Graffenried. Will heissen: Dieser Gebäudetrakt soll in die Überlegungen zur Erweiterung des Kunstmuseums einbezogen werden.

Bereits 2009 fasste der Regierungsrat den Entscheid, ein neues Polizeizentrum zu bauen. Die Suche nach einem geeigneten Standort verlief harzig. Auf dem Juch-Areal in Niederwangen stellte die Migros Aare als Grundeigentümerin dem Kanton schliesslich eine Landreserve von 28'000 Quadratmetern zur Verfügung, was rund vier Fussballfeldern entspricht. Sie verlangt dafür während 80 Jahren einen Baurechtszins von knapp einer Million Franken pro Jahr. Der Baubeginn ist für 2022, die Inbetriebnahme für 2027 vorgesehen. Der Kanton rechnet mit Kosten von rund 270 Millionen Franken.

Folgt das Regional­gefängnis?

Sollte die Kantonspolizei trotz grosszügigem Neubau dereinst noch mehr Platzbedarf anmelden, so hätte es auf einer dafür reservierten Nachbarparzelle noch freien Platz. Ebenso möglich ist es jedoch, dass dorthin das Regionalgefängnis Bern zügelt. Denn am heutigen Standort im Amthaus Bern stösst das Gefängnis an seine Kapazitätsgrenzen. Die Kantonsbehörden machten sich zu Beginn dieses Jahres für einen Umzug nach Niederwangen stark. Ein Entscheid in dieser Hinsicht sei noch nicht gefallen, meinte Regierungsrat Neuhaus an der Medienkonferenz.

www.polizeizentrum.ch

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