Politiker wollen nicht mehr am Standort Bern rütteln

Die Standortfrage zur Berner Fachhochschule wird nicht neu aufgerollt. Die Bildungskommission stellt aber Bedingungen: Burgdorf erhält eine schriftliche Zusage für das neue Cleantech-Zentrum und den Zuzug der Lädere.

Die Bildungskommission des bernischen Grossen Rates will die Standortfrage der Berner Fachhochschule nicht neu aufrollen.

Die Bildungskommission des bernischen Grossen Rates will die Standortfrage der Berner Fachhochschule nicht neu aufrollen.

Marius Aschwanden

Die Bildungskommission (Bik) will nicht auf den Standortentscheid zur Berner Fachhochschule (BFH) zurückkommen. Dies haben die Mitglieder nach einer Aussprache mit Rektor Herbert Binggeli, Schulratpräsident Markus Ruprecht und Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) entschieden.

Die Kommission sehe keine «hinreichenden Gründe», den Entscheid des Grossen Rates neu aufzurollen, heisst es in einer Mitteilung. Dieser hat im vergangenen Juni einem Kompromiss zugestimmt: Die BFH wird in Biel und Bern in je einem neuen Campus konzentriert. Im Gegenzug zieht die Technische Fachschule von Bern nach Burgdorf. Zusätzlich soll dort ein ­Cleantech-Kompetenzzentrum entstehen.

Einsicht bei Verantwortlichen

Dieser Entscheid wurde vor einigen Wochen wieder infrage gestellt. Diese Zeitung machte publik, dass die BFH das Departement Wirtschaft, Gesundheit und Soziale Arbeit (WGS) in drei Departemente aufspalten will. Das ist brisant, weil Burgdorf und Bern gerne Standort des Departements WGS gewesen wären.

Im Abstimmungskampf hatten die Fachhochschule und die Erziehungsdirektion aber stets betont, das Departement müsse zusammenbleiben. Viele Grossräte fühlten sich hintergangen und sahen eine letzte Chance, dass Burgdorf doch noch ein Departement erhalten könnte (wir berichteten).

Entsprechend kühl sei die Kommissionssitzung am Dienstag vonstattengegangen. «Die mangelnde Transparenz gegenüber dem Grossen Rat wurde von den Verantwortlichen aber anerkannt, und es wurden Mängel in der Kommunikation eingeräumt», sagt FDP-Grossrätin Corinne Schmidhauser (Interlaken), die als Vizepräsidentin in der Bik die Federführung im Projekt hat.

Man sei jedoch zum Schluss gekommen, dass die Ausgangslage trotz der Aufspaltung nicht derart neu sei, «dass wir zurück auf Feld eins müssten». So seien viele Parameter, die bei der Standortevaluation in den letzten Jahren berücksichtigt worden waren, unverändert ge­blieben.

Gemischte Gefühle

Trotzdem müsse man die kritischen Stimmen ernst nehmen. Verschiedene Politiker befürchten, dass die beschlossene Lösung für Burgdorf plötzlich doch noch begraben werden könnte. Deshalb will die Bik den Kredit für den neuen Campus Bern mit verbindlichen Zusagen für die Pläne in Burgdorf verknüpfen. Dafür benötige man etwas mehr Zeit, weshalb die Kommission eine Verschiebung des Geschäfts von der Juni- in die Septembersession beantragt.

«Nur so können wir die Emmentaler wieder an Bord holen und eine Ablehnung des Kredits oder gar ein Referendum verhindern», glaubt Schmidhauser. Diese Verschiebung könnte aber laut Baudirektorin Barbara Egger (SP) zur Folge haben, dass sich der Campus Bern um ein ganzes Jahr verzögert und erst 2027 eröffnet wird.

Von der beschlossenen Lösung konnten sogar die SVP-Mitglieder in der Bik überzeugt werden, die sich dafür ausgesprochen haben, die Standortfrage neu aufzurollen. Laut Schmidhauser ist der Entscheid ohne Gegenstimme gefallen.

Dazu sagt Samuel Krähenbühl (SVP, Unterlangenegg), dass nun in erster Linie sichergestellt werden soll, dass Burgdorf nicht leer ausgeht. Sollte die Verknüpfung des Kredites mit verbindlichen Zusagen aber nicht gelingen, müsse man weiter schauen.

Der Burgdorfer Stadtpräsident Stefan Berger (SP) nimmt den Entscheid mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis. «Einerseits sind wir enttäuscht, dass wir endgültig kein Departement erhalten. Andererseits sind wir froh, dass wir endlich Klarheit haben und mit der Planung fortfahren können», sagt er.

Noch immer offen ist jedoch, ob die Geschäftsprüfungskommission eine Untersuchung eröffnen wird. Sie wollte zuerst den Entscheid der Bildungskommission abwarten.

Berner Zeitung

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