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Asylzentren: Leere Betten führen zu vielen Kündigungen

Der abgerissene Flüchtlingsstrom hat dazugeführt, dass die Heilsarmee als grösste Betreiberin von Asylunterkünften im Kanton Bern 160 Angestellte entlassen hat. Somit spart der Kanton Bern knapp 11 Millionen Franken.

Die Notunterkunft im Hochfeld in der Stadt Bern ist wie viele andere auch längst geschlossen.
Die Notunterkunft im Hochfeld in der Stadt Bern ist wie viele andere auch längst geschlossen.
Urs Baumann

Die Flüchtlingskrise ist im Kanton Bern längst auch eine Asylheimkrise. Während vor rund drei Jahren quasi über Nacht neue Asylzentren eröffnet werden mussten, ist der Flüchtlingsansturm längst vorbei.

Den fünf Asyl­sozialhilfestellen, die im Auftrag des Kantons die Unterkünfte ­betreiben, werden heute deutlich weniger Asylbewerber zugewiesen als zum Höhepunkt des Flüchtlingsstroms im Herbst 2015. Das bedeutet: Es fehlt ihnen automatisch auch an Geld, weil die Kollektivunterkünfte subjektfinanziert sind. Bund und Kanton zahlen nur für jede zu­gewiesene Person, nicht aber für leere Betten.

Noch halb so viele Asylheime

Die rückläufige Entwicklung hat dazu geführt, dass die Asylsozialhilfestellen in Absprache mit dem Kanton ab Frühling 2017 damit begannen, zunächst die unter­irdischen Notunterkünfte zu schliessen. Auch einzelne ober-irdische Kollektivunterkünfte sind mittlerweile nicht mehr in Betrieb.

Waren im Februar 2017 auf Kantonsgebiet noch 44 Un­terkünfte geöffnet, so sind es heute mit 22 nur noch die Hälfte. Ein Resultat davon ist, dass die ORS Service AG, einst ein wichtiger Asylsozialhilfepartner des Kantons Bern, derzeit keine Unterkunft mehr betreibt.

Am stärksten spürt die Heilsarmee-Flüchtlingshilfe die neue Seite der Flüchtlingskrise. Seit Januar 2017 hat sie im Kanton Bern 1000 Unterkunftsplätze ­ge­schlossen und rund 160 Angestellte entlassen. Aktuell beschäftigt sie noch knapp 220 Mitarbeitende.

Die anfallende Arbeit sei spürbar ­weniger geworden, sagt ­Ge­schäftsleiter Lukas Flückiger. «In Spitzenzeiten haben wir einundzwanzig Zentren geführt.» Aktuell sind es noch zehn. Flückiger rechnet damit, dass wegen der ­aktuellen europäischen Asylpolitik die Anzahl neuer Asylbewerber in der Schweiz weiter zurückgehen wird. «Wir prüfen die Lage ­wöchentlich.»

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Heilsarmee ­weitere Stellen werde abbauen müssen, sei vorhanden. «Das ist natürlich für uns und die betroffenen Mitarbeitenden sehr ­un­angenehm», so Flückiger. «Wir versuchen stets, den Stellen­abbau über die natürliche Fluktuation abzufedern.» Und die ­Erfahrung zeige, dass die Heils-armee-Flüchtlingshilfe aufgrund der zuweilen hohen ­Volatilität im Asylbereich ­immer wieder Angestellte neu beschäftigen könne, die sie einst habe entlassen müssen.

Bisher noch keine Verluste

Wegen der vielen Schliessungen entstanden der Heilsarmee Mehrkosten. Zum einen standen Reparatur- oder Instandsetzungsarbeiten in den geschlossenen Unterkünften an, zum anderen liefen die Personalkosten bei gleichzeitig wegbrechenden Einnahmen zunächst weiter. Trotzdem ist das Gesamtbudget ungefähr gleich geblieben.

Denn die Heilsarmee konnte die Mindererträge aus den Kollektivunterkünften mit Mehrerträgen aus den von ihr vermittelten Wohnungen ausgleichen. Die Anzahl Klienten, die von einer Kollektivunterkunft in eine Wohnung wechseln, ist in der Vergangenheit stetig gestiegen.

«Aktuell merken wir aber, dass auch hier die Trendwende einsetzt und die Zahlen zurückgehen», sagt Lukas Flückiger. Der monetäre Druck auf die Heilsarmee-Flüchtlingshilfe dürfte also bald steigen.

Viel weniger Minderjährige

Das gilt auch für die drei anderen Asylsozialhilfestellen, die im Kanton Bern Asylunterkünfte führen und irgendwie mit den ­tiefen Belegungszahlen umgehen müssen.

Von «insgesamt nur wenigen Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen» spricht die Zentrum Bäregg GmbH, die ausschliesslich für die Unterbringung und die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender (UMA) zuständig ist. Innerhalb eines Jahres ist die Anzahl UMA in Wohnheimen von 164 auf noch 71 stark zurückgegangen.

Ebenfalls einzelne Entlassungen hatten die beiden Organisationen Asyl Biel und Region (ABR) und Asyl Berner Oberland (ABO) zu verzeichnen. Allerdings bereits im letzten Jahr, als ABR die Unterkünfte in Zweisimmen und Tramelan schliessen musste und ABO die Notunterkunft in Oberhofen aufgab. Dieses Jahr mussten bislang beide Betreiber keine Jobs abbauen.

Prêles als Konkurrenz

Die Situation für die Asylsozialhilfepartner dürfte sich ab nächstem Frühling zusätzlich verschärfen. Auf den 1. März 2019 will der Kanton Bern im ehema­ligen Jugendheim Prêles im Berner Jura bekanntlich ein Rückkehrzentrum für abgewiesene Asylsuchende eröffnen.

Bewohner mit negativem Asylentscheid werden künftig also in Prêles auf die Rückführung in ihr Heimatland warten. Dadurch werden in den Kollektivunterkünften noch mehr Betten ungenutzt sein. Das könnte dazu führen, dass die Heilsarmee und die anderen Asylsozialhilfestellen ab diesem Zeitpunkt weitere Stellen werden abbauen müssen.

Kanton spart Millionen

Des einen Leid ist des andern Freud: Für den Kanton Bern rechnen sich die rückläufigen Asylzahlen finanziell. Bei den ­erwachsenen Asyl­bewerbern spart er zwar nichts, weil deren Tagespauschale durch den Bund finanziert wird. Für die unbe­gleiteten minderjährigen Asylsuchenden jedoch gab der Kanton seit Anfang 2017 rund 10,8 Millionen Franken weniger aus, als es budgetiert gewesen war.

Dies, weil wie erwähnt die Anzahl UMA stark rückläufig ist. Bisher kostete im Kanton Bern ein UMA 171 Franken pro Tag, wovon nur 50 Franken durch die Bundespauschale gedeckt ­waren. Das heisst, der Staats­kasse wurden pro UMA und Tag 121 Franken entnommen.

Ab November soll der Tagessatz gesenkt werden, wodurch der Kanton künftig in diesem ­Bereich noch mehr öffentliche Gelder einsparen würde. Allerdings muss das Berner Stimmvolk dieses Modell im November an der Urne noch absegnen.

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