Perrenoud-Nachfolge: Die Bürgerlichen liebäugeln mit fünf Sitzen

SVP-Mann Manfred Bühler hat die besten Chancen, den frei werdenden Jurasitz von Philippe Perrenoud zu erobern. Der zweite vakante Sitz stellt die Allianz der Bürgerlichen vor Herausforderungen.

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Einer steht in der Poleposition, wenn es um Philippe Perrenouds Nachfolge geht: SVP-Grossrat Manfred Bühler. 2014 trat er gegen den Bisherigen an. Er landete nur wegen der speziellen Wahlarithmetik, die den Stimmen aus dem Berner Jura für den ihm zugesicherten Regierungssitz mehr Gewicht gibt, hinter Perrenoud. Bühler betont nun zwar, dass für ihn die Nationalratswahlen Priorität haben. Er macht aber auch keinen Hehl daraus, dass eine Kandidatur für ihn wiederum ein Thema sein könnte.

Für die SVP stünde im Berner Jura eventuell sogar ein zweiter Kandidat bereit: Grossrat Pierre Alain Schnegg, der als Verwaltungsratspräsident des Hôpital du Jura bernois in Gesundheitsthemen versiert ist. «Der Job könnte interessant sein», sagt er.

Wohl nur ein SVP-Mann

Dass mit Perrenoud auch Andreas Rickenbacher zurücktritt und somit per 30.Juni 2016 zwei Sozialdemokraten das Feld räumen, ist für die SVP grundsätzlich positiv. Dank Bühler hat sie beste Chancen auf den Jurasitz. Diese Ausgangslage stellt die wählerstärkste Partei des Kantons aber vor eine interne Ausmarchung: Sie wird sich wohl entscheiden müssen, ob sie für den Jurasitz oder für den normalen Sitz kandidiert, wenn sie ihre möglichen Bündnispartner FDP und BDP nicht brüskieren will.

«Es darf auf keinen Fall das Gefühl aufkommen, die SVP sei überheblich», sagt Fraktionspräsident Peter Brand (Münchenbuchsee), der sein grundsätzliches Interesse am Amt schon angekündigt hat. Folglich dürften er und der Thuner Stadtpräsident Raphael Lanz das Nachsehen haben.

«Uns steht ein zweiter Sitz in der Regierung zu», sagt Parteipräsident Werner Salzmann. Ob die SVP einen dritten für sich beansprucht, lässt er offen. Er betont, dass es wichtig sei, die bürgerliche Mehrheit im Regierungsrat zurückzuerobern – mit vier oder fünf Sitzen. Dabei ist die SVP auf die Unterstützung von FDP, BDP und EDU angewiesen, die einen Anspruch auf einen dritten Sitz der SVP wohl kaum goutieren würden. Auch FDP und BDP streben primär die bürgerliche Wende an.

Doch je nachdem, wie im Herbst die nationalen Wahlen ausfallen, könnten auch sie mit einem zweiten Sitz in der Regierung liebäugeln. Und so der SVP einen Kompromiss aufdrängen. Deshalb wollen die Parteispitzen erst nach dem 18.Oktober Entscheide fällen.

Während FDP-Präsident Pierre-Yves Grivel keine Namen nennt, bringt BDP-Präsident Heinz Siegenthaler spontan unter anderen seine Vizes Enea Martinelli (Matten bei Interlaken) und Virginie Heyer (Perrefitte) sowie die Grossräte Samuel Leuenberger (Trubschachen) und Anita Luginbühl (Krattigen) ins Spiel.

Die Mitte will einen Sitz

Doch auch in der Mitte werden Forderungen laut: GLP, EVP und CVP erreichten bei den letzten Grossratswahlen zusammen einen Wähleranteil von rund 14 Prozent und erheben nun ihrerseits Anspruch auf einen Sitz. «Weder eine linke noch eine rechtsbürgerliche Mehrheit im Regierungsrat widerspiegelt die aktuellen politischen Verhältnisse», sagt GLP-Co-Präsident Michael Köpfli.

Die GLP nennt den Frutiger Nationalrat Jürg Grossen, Grossrat Daniel Trüssel (Trimstein) und Elektrovelo-Pionier Kurt Schär von der Firma Biketec aus Huttwil als mögliche Kandidaten. Die EVP ihrerseits sieht in Grossrat Patrick Gsteiger einen «bestens ausgewiesenen, erfahrenen Politiker aus dem Berner Jura».

Was macht die BDP?

Bleibt die Frage, was die BDP in Anbetracht der Mitteallianz macht. Auf nationaler und Stadtberner Ebene spannte sie jeweils mit diesen Parteien zusammen. Nach den letzten Regierungsratswahlen sagte BDP-Präsident Siegenthaler, dass der Schulterschluss mit der SVP der Grund für die grossen Verluste der BDP im Parlament war.

Wie sich die BDP nun positionieren will, sei noch nicht entschieden, sagt Siegenthaler. Doch für ihn ist klar, dass er den Bürgerlichen zugewandt bleiben will. «Die Parteien positionieren sich kantonal anders als national. National äussert sich die SVP viel pointierter», sagt er. Und: «Die Mitte hat mit Bernhard Pulver, der aus der GFL stammt, bereits einen Sitz.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.09.2015, 20:17 Uhr

Philippe Perrenoud im Videointerview über den Zeitpunkt des Rücktritts, seine Partei und welschen Humor. (Video: Claudia Salzmann)

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